Bad Arolsen

Arolser Fürsten begeistert von der Antike

- Bad Arolsen (r). Antike Statuen zu sammeln und sich mit griechischen Mythen und römischen Philosophen auseinanderzusetzen, galt als schick bei Adligen im 18. Jahrhundert. Auch im Arolser Schloss gibt es eine Antikensammlung.

„Antike(s) Leben“ lautet der Titel der neuen Ausstellung, die das Museum der Stadt in der kommenden Woche eröffnet und bis in den Februar hinein zeigen wird. Das interessierte Publikum darf sich freuen auf die „Simulation eines Ideals in Hofbibliothek und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont“. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Antikenbegeisterung des Arolser Fürstenhauses im ausgehenden 18. Jahrhundert. In jener Zeit wurde die Identifikation mit antiker Kultur und Geisteshaltung zu einem bestimmenden Moment des Lebens in ganz Europa. Die Antikensehnsucht führte zu einem regen Antikentourismus. Auch die Waldecker Fürsten Carl August Friedrich und seine Frau Christiane sowie deren Kinder Friedrich, Georg und ihr Bruder Prinz Christian August wurden von dieser Faszination angesteckt. Spuren der Antike fanden sich bald überall im Fürstentum: in der Erziehung, der Staatskunst, der Philosophie, der zeitgenössischen Musik, der Kleidung, der Möblierung und nicht zuletzt im Denken der Menschen. Eine zentrale Rolle kommt dem leidenschaftlichen Antikensammler Prinz Christian August zu. Er reiste gleich mehrfach zu den Ausgrabungsstätten und brachte viele Fundstücke mit. Dem Treffen mit Goethe und Johann Wilhelm Heinrich Tischbein ist es zu verdanken, dass Prinz Christian ein Sammler klassischer und klassizistischer Plastik wurde; seiner umfangreichen Sammlung fügte er neben der Büste Goethes im „Apollo-Typus“ von Alexander Trippel 700 Bronzen, Arbeiten aus Marmor, ein ansehnliches Münzkabinett sowie zahlreiche moderne Gemälde hinzu. Nach dem Tod Prinz Christians wurde vieles wegen großer Schulden verkauft. Seine gleichfalls begeisterten Brüder konnten Christians „Antike“ für Waldeck jedoch retten, wo sich heute noch manches in den Fürstlichen Sammlungen befindet. Die Arolser Hofbibliothek verwahrt derzeit einen Schatz, der von der fürstlichen Leidenschaft zeugt und das Ideal der Epoche verdeutlicht: Textausgaben, Bild- und Kartenwerke, Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Abhandlungen, Chroniken, aber auch belletristische Antikenromane, das Altertum idealisierende Schriften, pseudoantike oder antikisierende Musikstücke und literarische Sittengemälde. Zur Ausstellung kehren zahlreiche Stücke aus weltweit bedeutenden Museen nach Arolsen zurück. Mit 250 Exponaten zeigt die Ausstellung im Residenzschloss die große Antikenleidenschaft der waldeckischen Fürsten und Prinzen. Unter den ausgestellten Stücken sind neben zahlreichen Gemälden, u. a. eine Darstellung, die das Fürstenpaar Carl und Christiane als Herkules und Minerva zeigt, viele Pretiosen aus der Hofbibliothek und eine große Zahl der Bronzen aus Prinz Christians Sammlung.

Mehr unter www.museum-bad-arolsen.de

Kommentare