Almo automatisiert Materialtransport · Weltweit modernstes Werk für Einmalspritzen

Automatisierung ohne Entlassungen

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ALMO-Geschäftsführer Bernd Denk (l.) und Werksleiter Franz-Josef Rasche (r.): In der ReinraumAtmosphäre des Werkes müssen alle Mitarbeiter Kittel und Haarnetz tragen.

Bad Arolsen - Ein voll automatisierter Materialfluss - so soll schon ab Beginn des kommenden Jahres die Produktion bei Almo, Hersteller von Einmalspritzen in Bad Arolsen, ablaufen. Entlassungen wird es aber nicht geben, das haben Betriebsrat und Geschäftsleitung ausgehandelt.

Transportgestelle, auf denen Säcke mit Kolben und Zylindern gelagert werden, deren Transport mit bemannten Flurförderfahrzeugen und die Befüllung der Montage-anlagen per Hand gehören dann der Vergangenheit an. Das Tochterunternehmen des Medizintechnikkonzerns B. Braun sieht in dieser Modernisierung einen wichtigen und unausweichlichen Schritt zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und des Standortes Bad Arolsen.

Wettbewerbsfähig bleiben

„Unsere derzeitigen Trans-portabläufe sind mit einer Mühle im Mittelalter zu vergleichen, wo Anlieferung und Abholung noch in Säcken und mit enormem körperlichen Aufwand erfolgten. So etwas gibt es heute gar nicht mehr“, sagt Werksleiter Franz-Josef Rasche.

Auf diese Weise fielen Kosten an, die nicht direkt mit dem Produkt zu tun hätten und für die der Kunde deshalb nicht bereit sei zu zahlen. „Einmalspritzen in hochwertiger Ausführung und höchster Qualität zu einem sehr niedrigen Preis - das ist die Realität des Marktes“, so Rasche weiter.

Die Automatisierung des innerbetrieblichen Materialflusses sei daher unausweichlich, um in einem Hochlohnland wie Deutschland auch weiterhin wettbewerbsfähige Herstell-kosten für Produkte auf einem internationalen Markt realisieren zu können. Eine höhere Qualität durch automatisierte Bearbeitungsschritte, eine größere Transparenz durch Software-Unterstützung und ein geringerer Personalaufwand sollen mit dem neuen System erreicht werden.

Weltweit führend

Mit der Realisierung des Projektes, das ab Anfang 2013 für die gesamte Produktion eingesetzt wird, sei Almo dann wohl das modernste Einmalspritzen-Werk der Welt, so Werksleiter Rasche weiter.

Natürlich bringe ein solch elementarer Wandel der Produktionsabläufe auch größere Veränderungen für die Mitar-beiter mit sich. „Die Arbeitsinhalte werden anders aussehen als bisher“, sagt Rasche, sieht darin aber auch viele Vorteile für die Mitarbeiter.

Die Anforderungen an den Einzelnen würden zwar steigen, die Arbeit wird durch andere Tätigkeiten aber auch interessanter und abwechslungsreicher. Gleichzeitig sinke die körperliche Belastung durch das wegfallende Handling von Transportsäcken und -gestellen enorm. Aus seiner Sicht beides wichtige Faktoren, um die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu unterstützen. Natürlich müsse die Qualifizierung der Mitarbeiter erhöht werden, damit sie ihre neuen Aufgaben bearbei-ten könnten. Entsprechende Schulungsprogramme seien bereits in der Umsetzung beziehungsweise in Planung.

Einen Abbau von Mitarbeitern soll die Automatisierung der Produktionsprozesse nicht zur Folge haben - eine positive Nachricht für die Belegschaft, stand doch zwischenzeitlich ein Abbau von bis zu 39 Mitarbeitern im Raum. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 360 Mitarbeiter in Bad Arolsen.

Geschäftsführer Bernd Denk und Betriebsratsvorsitzende Christa Roelants zeigen sich daher gleichermaßen zufrieden und erleichtert. Im Rahmen einer Betriebsversammlung informierten sie am 25. Juni 2012 die Mitarbeiter über dieses positive Ergebnis und den Verlauf des Gesamtprojektes.

Um Lösung gerungen

In intensiven Gesprächen, bei denen neben den Almo-Vertretern aus Geschäftsleitung und Betriebsrat auch Arbeitgeberverband und Gewerkschaft mit am Tisch saßen, wurde zum Teil kontrovers, aber immer sachlich und mit einem gemeinsamen Ziel diskutiert, betont Denk.

Man sei froh, eine Lösung gefunden zu haben, mit der betriebsbedingte Kündigungen nun vermieden würden. Durch die auf drei Jahre begrenzte Einführung einer 36-Stunden-Woche für Teile der Produktion, besondere Angebote an Mitarbeiter, die kurz vor Eintritt in das Rentenalter stehen, Insourcing, natürliche Fluktuation und weitere Angebote konnten betriebsbedingte Kündigungen vollständig vermieden werden.

Keine Kündigungen

Der durch die Nutzung der natürlichen Fluktuation entstehende vorläufige Personal-überhang von insgesamt neun Stellen wurde von der Geschäftsleitung akzeptiert, die entsprechenden Kosten trägt das Unternehmen. „So weit es irgend möglich ist, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, dafür haben wir als Arbeitgeber auch bei solch großen Veränderungen schon immer gestanden und tun dies auch jetzt“, so Geschäftsführer Denk.

Personalkosten senken

Allerdings sei es dieses Mal ein großer Spagat gewesen zwischen der Wahrung von Unternehmens- und Mitarbeiterinteressen, und er sei froh, dass letztendlich nun doch diese Lösung gefunden werden konnte.

Die Materialflussautomatisierung sei die Grundlage für eine Laufzeitausdehnung der Maschinen und damit für die strategisch geplante Mengenausweitung. Nur, wenn Lohn- und Personalkosten nachhaltig gesenkt würden, könne Almo weiter wettbewerbsfähig produzieren. Mit den geplanten Veränderungen sieht Denk die Chancen jetzt gut zur Sicherung des Standortes in Deutsch-land und Bad Arolsen. (r)

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