Teilerfolg für Landwirte – Begegnungsbahnhof unverzichtbar für Umsteiger in Kassel

Bahn kämpft um jede Minute

+

Bad Arolsen - Wetterburg - Der Protest der Landwirte gegen einen zu großzügigen Ausbau der Bahnübergänge in Wetterburg scheint am Ende von Erfolg gekrönt zu sein. Nun hoffen die Landwirte, dass die Kurhessenbahn auch bei der Standortsuche für den Begegnungsbahnhof einlenkt.

Sogar mit Enteignung hatte die Kurhessenbahn noch vor wenigen Monaten für den Fall gedroht, dass die Wetterburger Landwirte die für den geplanten Streckenausbau benötigten Flächen nicht zur Verfügung stellen sollten. Nun scheint die Bahn eingesehen zu haben, dass ihr Anspruch auf rechtlich wackligen Füßen steht. Im Ortsbeirat berichtete Ortsvorsteher Gerd Frese von den jüngsten Gesprächen zwischen Kurhessenbahn, Landrat und den Landwirten. Mit Computerpräsentationen und Kostenprognosen, die sich im Zehn-Minuten-Takt mal nach oben, mal nach unten bewegten, hätten die Bahnvertreter versucht, die Landwirte doch noch von Über- und Unterführungen der Feldwegeverbindungen zu den vier Aussiedlerhöfen zu überzeugen. Am Ende aber sei deutlich geworden, dass es völlig ausreichend sei, die Überwege mit Schrankenanlagen auszustatten. Genau das aber war stets die Forderung der Landwirte, die für Über- und Unterführungen nicht noch mehr von ihrem wertvollen Ackerland abgeben wollten. Insofern also sehen sich die Landwirte in ihrem Kampf gegen den Landfraß erfolgreich. Kürzere Fahrzeiten Doch noch gibt es da einen zweiten Streitpunkt: Die Bahn plant nämlich einen Begegnungsbahnhof im Bereich der Wetterburger Aussiedlerhöfe. Der Begriff führt gedanklich in die Irre. Gemeint ist damit lediglich ein zweites Gleis, auf dem sich die Züge aus Richtung Kassel und Korbach kommend begegnen und ungestört an einander vorbeifahren können. Planungen der Kurhessenbahn zeigen nämlich, dass dieser Begegnungsbahnhof an genau jener Stelle nötig sein soll, um künftig schnellere Fahrzeiten und einen kürzeren Fahr­takt zwischen Korbach und Kassel zu ermöglichen. Die Landwirte und der Ortsbeirat Wetterburg verweisen aber darauf, dass nur gut 400 Meter weiter in Richtung Külte zwei alte Gleise liegen, die mit wenig Aufwand und deutlich weniger Landverbrauch zum Begegnungsbahnhof umgebaut werden könnten. An diesen 400 bis 500 Metern könne der neue, schnellere Bahntakt doch nicht scheitern, so die Argumentation, an der man auch bei künftigen Verhandlungen mit der Bahn festhalten will. Doch genau an diesem Punkt widerspricht Hans-Martin König als Leiter der Infrastrukturplanung bei der Kurhessenbahn im Gespräch mit der WLZ. Zum einen gehe es nicht nur um 400 Meter, sondern um 1300 Meter. Das Bauprojekt bei Wetterburg ist Teil eines groß angelegten Modernisierungskurses mit dem Ziel, die Taktrate der Züge zwischen Korbach und Kassel so zu verdichten, dass auch Reisende aus dem Waldecker Land ohne lange Wartezeiten Anschluss an alle wichtigen ICE-Züge im Land bekommen. Es kommt auf Sekunden an „Wir kämpfen um jede Minute“, bekräftigt König. Aus dem jetzigen Stunden-Takt, in dem die Züge der Regio-Tram verkehren, soll ein 30-Minuten-Takt werden. Um das zu erreichen, wurden bereits 27 Bahnübergänge entlang der gesamten Strecke geschlossen. 14 weitere erhielten erstmals eine technische Sicherung. Suche nach bester Lösung Zentraler Punkt im technischen Gesamtkonzept ist der Bau eines neuen Begegnungsbahnhofs im Bereich Wetterburg. Nur wenige Dutzend Meter vor und hinter dem geplanten Begegnungsbahnhof gibt es drei Bahnübergänge, die wegen der angestrebten höheren Geschwindigkeiten auf der Bahnstrecke besser gesichert werden müssen. Ursprünglich geplant waren Über- und Unterführungen. Machbar sind offensichtlich aber auch Schrankenanlagen. Das sei als Zeichen des Entgegenkommens zu werten. Das treffe auch für die Wahl des Standorts für den Begegnungsbahnhof zu. Optimal sei dieses Bauwerk in der Nähe des Übergangs am Fischhaus. Aus Rücksicht auf die Anlieger sei nun ein Standort im Taleinschnitt gewählt worden, wo zudem nur relativ wenig Land verbraucht würde. Külte aber sei definitiv zu weit entfernt.Nur so lasse sich die Reisezeit zwischen Kassel und Korbach von heute 89 Minuten auf künftig 72 Minuten reduzieren.

Kommentare