In die Diskussion um die Mühlhäuser Halle kommt neuer Schwung

Der Ball ist wieder im Spiel

Twistetal-Mühlhausen. - In die Mühlhäuser Hallen-Diskussion kommt endlich Bewegung. Nach gründlicher Vorbereitung des Themas hinter den Kulissen hat sich am Montag der Bauausschuss in öffentlicher Sitzung zu einem Grundsatzbeschluss durchgerungen. Der Finanzausschuss tagte am Dienstag.

Das Architekturbüro Schütt aus Bad Arolsen hat im Auftrag der Gemeinde mehrere Varianten der Hallensanierung, der Hallenerweiterung und des Hallenneubaus durchgerechnet. Ziel war es zum einen, die Anforderungen des Hessischen Handballverbands zu erfüllen, der eine Spielfläche von 40 mal 20 Metern und zeitgemäßen Aufprallschutz für die Spieler einfordert. Zum anderen geht es um die Verbesserung der hygienischen Zustände in den Duschen und Sanitärbereichen sowie um die Reduzierung der Heizkosten durch Dämmung der Fassaden und Dachflächen. Schütt machte deutlich, dass die Mühlhäuser Halle als Mehrzweckhalle genutzt werde, was zusätzliche Kosten auslöse: Eine reine Sporthalle sei deutlich günstiger zu bauen. Die Nutzung bei Schützenfesten und Discoabenden aber führe dazu, dass die verschärften Richtlinien für Versammlungsstätten zum Zuge kommen. Davon betroffen sind Lüftungseinrichtungen, Fluchtwege, Notstromversorgung und andere Brandschutzeinrichtungen. Bürgermeister Stefan Dittmann hatte zudem eine Aufstellung aller größeren Investitionen erarbeiten lassen, die die Gemeinde in den vergangenen 25 Jahren in die Halle gesteckt hat. Ergebnis: Für kleinere und größere Reparaturen wurden 660 000 Euro ausgegeben. Ursprünglich sei die Mühlhäuser Halle als Schützenhalle gebaut worden, erinnerte Ausschussvorsitzender Rolf Rauschkolb. Erst die vielen Nachrüstungen hätten die Halle zu einem Mekka des Handballsports gemacht. Kein Wunder also, wenn die Maße jetzt nicht passten. Wenn man jetzt etwas Zukunftsfähiges für die nächsten 30 Jahren bauen wolle, dann komme man um die große Investition nicht herum. Immerhin seien derzeit die Zinsen niedrig und es gebe eine Reihe von Zuschüssen, die die Investition erleichterten. Welche Baukostenzuschüsse genau zu erwarten sind, listete Bürgermeister Dittmann auf: Von der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW gibt es besonders zinsgünstige Kredite (1,2 Prozent) für energetische Sanierungen. Ohne Eigenkapital könnten so über 30 Jahre bis zu zwei Millionen Euro finanziert werden. Vom Land könnte die Gemeinde einen Zuschuss von 100 000 Euro erhalten. Wenn aber der Turnverein Mühlhausen wie vom Vorstand signalisiert die Trägerschaft übernehmen würde, wären 200 000 Euro Zuschuss möglich. Weitere 10 000 Euro kämen vom Landessportbund. Die Hessische Förderbank für Wirtschaft und Investitionen (WI-Bank) würde 30 Prozent Zuschuss für den Teil der Investitionen anbieten, die unmittelbar mit energetischer Sanierung zu tun haben: Dach, Fassade, Heizung. Schließlich rechnet der Bürgermeister fest mit einer zehnprozentigen Förderung durch den Landkreis Waldeck-Frankenberg: „Uns stünde eigentlich sogar noch etwas mehr zu, weil wir den Landkreis nicht mit kreiseigenen Hallen belasten.“ Angesichts dieser Zahlen stimmte der Bauausschuss am Ende einer 90-minütigen Diskussion mit vier Ja- und einer Nein-Stimme für die vom Architekturbüro Schütt vorgestellte Variante 3 mit nördlicher Erweiterung, mit Sanitärtrakt und mit Heizungsanbau. Dabei wird auf einen in vielerlei Hinsicht problematischen Anbau in südlicher Richtung, in Richtung des Bachlaufs, verzichtet. Die Erweiterung soll vielmehr in Richtung Straße hin ­erfolgen und zwar in der Art, dass das Hallendach komplett und durch einen neue Holzleimbinder-Konstruktion ersetzt wird. Dadurch wird eine neue lichte Höhe von 6,50 Metern möglich. Die Spielfeldbreite von 20 Metern wird dadurch erreicht, dass der Heizungsraum aus der Halle entfernt und in einen Anbau verlegt wird. Ein weiterer Anbau in Richtung Straße ist für die Duschen und Toiletten vorgesehen. Komplett ausgebaggert und von Grund auf neu aufgebaut wird der Hallenboden. Der Bodenbelag wird so ausgelegt, dass er sowohl für den Sportbetrieb als auch für Vereinsfeste genutzt werden kann. Die reinen Baukosten werden für diese Variante auf knapp zwei Millionen Euro kalkuliert. Hinzu kommen Architektenhonorare und Kosten für die Außenanlage. Der Vollständigkeit halber hatte der Architekt auch die Kosten für einen kompletten Neubau ermittelt und sich dabei an statistisch ermittelten Vergleichskosten für vergleichbare Bauwerke orientiert. Sein Ergebnis: Ein Neubau würde mit mehr als drei Millionen Euro zu Buche schlagen.Die Beschlussempfehlung des Bauausschusses war gestern Abend auch Grundlage für die Beratungen im Finanzausschuss. Die endgültige Entscheidung wird jedoch nach einer weiteren Diskussion am 8. September im Gemeindeparlament fallen.

Hintergrund: Mekka des Handballsports

Die Mehrzweckhalle in Mühlhausen ist der Dreh- und Angelpunkt des Spielbetriebs der HSG Twistetal. An ihrer Haupttrainingsstätte absolvieren die Handballer allein jedes Jahr um die einhundert Spiele. Doch dafür ist die Halle eigentlich zu schmal. Eine Sondergenehmigung vonseiten des Hessischen Handballverbands ermöglicht der HSG den weiteren Wettkampfbetrieb. Um diesen langfristig aufrechtzuerhalten, ist eine Sanierung und Erweiterung der Mehrzweckhalle bereits seit drei Jahren im Gespräch. 2011 hatte der TV Mühlhausen den entsprechenden Antrag gestellt.

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