Mitarbeit im Statt-Theater hat positive Auswirkungen auf jugendliche Entwicklung

Baum kann zur Hauptrolle heranreifen

Das Kinderstück „Sebastian Sternenputzer“ hat dem Statt-Theater einen Besucherrekord beschert. Archivfoto: Sandra Simshäuser

Bad Arolsen-Mengeringhausen. - Rund 3000 Zuschauer in fast 30 Vorstellungen. - So lautet die stolze Jahresbilanz des Statt-Theaters. Im neuen Jahr werden die Mengeringhäuser Theaterfreunde allerdings etwas kürzertreten - aus Rücksicht auf das große Freischießen, das im ersten Halbjahr alle Kräfte in der Fachwerkstadt bindet.

Die rund 300 Mitglieder des Theatervereins haben im vergangenen Jahr vier Eigenproduktionen auf die Bühnen der Stadthalle und ihres Theaterladens in der Nicolaistraße gebracht.

Außerdem glänzte das Ensemble mit der Neuauflage seines Kassenschlagers „Titanic“ im Bad Arolser Welcome-Hotel sowie im Willinger Gasthof Itterbach. Ein fast 1000-köpfiges Publikum erlebte das von Udo Geisler und Olaf Schillmöller selbst geschriebene Martinsspiel auf dem Schlosshof. Außerdem führte das Ensemble im Rahmenprogramm des Bad Arolser Weihnachtsmarktes Sketche auf der Kirchplatzbühne auf. Diese kurzen Einspielungen ließ Kassiererin Elke Hess aber nicht in ihre Jahresstatistik mit einfließen.

Dem geschäftsführenden Vorstand um Dr. Norbert Wirtz ist es in den vergangenen Jahren gelungen, den Theaterbetrieb weiter zu professionalisieren: „Die Finanzen und das ganze Drumherum müssen stimmen, damit sich die Kreativität vor und hinter der Bühne entfalten kann.“ Besonders stolz ist das Team auf eine gute und wachsende Jugendarbeit. Das Jugendensemble „12+“ sei naturgemäß von einer relativ großen Fluktuation geprägt.

Dennoch sei es den Jugendwarten Maike Tammen und Gerd Spiße sowie den Jugendsprechern Jacqueline Wäscher und Sebastian Hess gelungen, das Jugendensemble mit seinen rund 60 Mitgliedern zu einer festen Truppe zusammenzuschmieden. Zwischen 30 und 40 Jugendliche bildeten den harten Kern, der regelmäßig aktiv auf der Bühne wirke.

Die positive Wirkung der Theaterarbeit überrasche nicht selten sogar die Eltern: „Die staunen, wie selbstsicher ihre Kinder plötzlich auftreten und auch bei Vorträgen vor größerem Publikum keine Angst zeigen.“ Nicht wenige Kinder hätten von ihrer ersten Rolle als lebender Baum in der Kulisse bis hin zur tragenden Sprechrolle eine tolle persönliche Entwicklung durchgemacht, fasste stellvertretender Vorsitzender Mario Müller seine Beobachtungen zusammen.

Höhepunkt im vergangenen­ Jahr waren für das Jugendensemble die acht Aufführungen des Kinderstücks „Sebastian Sternenputzer“ mit insgesamt 1348 Zuschauern. Dabei wurden sämtliche Rollen von Kindern und Jugendlichen gespielt. Unnötig zu sagen, dass ein solches Stück nicht einfach „vom Himmel fällt“, sondern über Monate erarbeitet werden muss. Das schweißt zusammen.

Ein typischen Jugendthema griff das Jugendstück „Traumpaar“ mit zwei Aufführungen­ und 275 Zuschauern im Theater­laden auf. Damit das Jugendensemble auch in den Zeiten ohne Aufführung am Ball bleibt, gibt es regelmäßige Stammtische, bei denen Details der Theaterarbeit besprochen und Trainings mit professionellen Schauspielern durchlaufen werden. Der Jugendstammtisch trifft sich einmal im Monat mittwochs um 19 Uhr im Theaterladen gegenüber der St.-Georg-Kirche und zwar am 5. Februar, 5. März, 2. April, 7. Mai, 4. Juni und 2. Juli.

Mit der Goldoni-Komödie „Herren im Haus“ gestaltete das Statt-Theater auch die Nachtschwärmer-Veranstaltung im Rahmen der Barock-Festspiele. Die insgesamt zehn Aufführungen wurden von beinahe 1000 Zuschauern gesehen. Zu den regelmäßigen Angeboten des Theatervereins gehört der Dienstagabendclub, bei dem Krimis in der heimeligen Atmosphäre der Buchhandlung Kirstein gelesen werden. Die Leitung haben Erich Müller und Karin Schäfer.

Bei dieser großen Vielfalt ist es den Theatermachern wichtig, sich nicht zu verzetteln. Kreativität braucht Muße und Freiräume. Deshalb wird regelmäßig auch eine größere Sommerpause eingelegt. Im Freischießensjahr ist es zudem selbstverständlich, dass im ersten Halbjahr kein zusätzliches Theaterprojekt angesetzt wird. Schließlich sind viele Darsteller des Statt-Theaters auch bei der Inszenierung des Festspiels „Treue um Treue“ für die Schützengesellschaft im Einsatz. Überschneidungen werden strikt vermieden, wie die Künstlerische Leiterin Susanne Wirtz betont.

Dennoch wird sich das Statt-Theater mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm aus Jonglage und Gauklershow am historischen Rahmenprogramm des Freischießens in der Hinteren Straße beteiligen.

Deshalb ist das Programmheft, das in den kommenden Wochen erscheint, auch vergleichsweise dünn: An je drei Dienstagen im Februar und Oktober lädt der Dienstagabendclub in die Buchhandlung Kirstein ein. Ende März lädt das Statt-Theater zu fünf Loriot-Abenden in den Theaterladen ein.

Im Herbst soll aber wieder ein großes Kinderstück aufgeführt werden. Karl-Heinz Röhle und Volker Hansmann werden mit dem Statt-Theater das Stück „Winnie Wackelzahn“ auf die Bühne bringen, das sie vor einigen Jahren auch schon auf der Freilichtbühne Twiste inszeniert haben. Das unterstreicht die gute und enge Zusammenarbeit der benachbarten Bühnen.

Die Planungen des Vorstands reichen schon bis ins Jahr 2015: Aufführungsrechte müssen erworben, Inszenierungen geplant werden: Im Mai 2015 soll das Jugendstück „Die Welle“ aufgeführt werden. In Planung ist außerdem die Komödie „Die Landeier“.

Das Statt-Theater ist aktuell auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zur trockenen Lagerung von Kostümen und Requisiten. Hinweise bitte an den Vorstand um Dr. Wirtz.

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