Bad Arolsen

Bespitzelt und in DDR-Haft

- Bad Arolsen (-ah-). Der frühere Arolser Bürgermeister Ernst Hubert von Michaelis berichtet in einem Gespräch mit WLZ-FZ über seine Erinnerungen an den Mauerfall vor 20 Jahren und die Inhaftierung vor 25 Jahren auf Betreiben des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Dabei wurde auch deutlich, dass bei der Polizei ein Informeller Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet muss.

Wer hat bei der Polizei in Waldeck-Frankenberg während der DDR-Zeit Wühlarbeit für das Ministerium für Staatssicherheit geleistet? Der frühere Arolser Bürgermeister Ernst Hubert von Michaelis, im Zusammenhang mit einem Fluchtversuch aus dem Machtbereich des SED-Regimes zu sechs Jahren Haft verurteilt, berichtet von Meldungen eines Inoffiziellen Mitarbeiters (IM) über sich an die Stasi. Beim Studium des insgesamt einen Meter starken Aktenbestandes über seine Person bei der Birthler-Behörde für die Aufbewahrung der Stasi-Akten habe er den Bericht von einer Polizeikontrolle zwischen Arolsen und Korbach gefunden. Ein Polizeibeamter, dessen Namen er nicht wisse, habe die Ergebnisse einer Verkehrskontrolle auf der Bundesstraße 252 zwischen der Residenz- und der Kreisstadt nach Ostberlin gemeldet. Die scheinbar belanglose Meldung mache deutlich, dass im Kreisgebiet Polizei in Stasi-Aktivitäten verstrickt gewesen war. Neben ihm, von Michaelis, seien andere Bürger der Aus- spähung durch den IM ausgesetzt gewesen. An die Kontrolle erinnere er sich nicht mehr. Ein Blick in den Terminkalender jenes Jahres habe ihm aber gezeigt, dass er an dem fraglichen Tag auf der genannten Route unterwegs gewesen sei. Zeitungsberichte aus jener Zeit seien von dem Stasi-Informanten ausgewertet worden und an das Ministerium für Staatssicherheit geschickt worden. Damals sei ihm das ehrenamtliche politische Wirken im Marburger Land, also vor der Zeit als Rathauschef in Arolsen, vorgehalten worden. Um die Tätigkeit für den – damals auch in Osteuropa tätigen – Verein für Deutschtum im Ausland sei es da nicht gegangen. „Ich habe diesen Bericht zunächst leicht amüsiert betrachtet“, sagt von Michaelis angesichts der Belanglosigkeit des Ergebnisses. Im Zusammenhang mit der Aufdeckung der Stasi-Zuarbeit des Westberliner Polizeibeamten Kurras, der 1967 den Westberliner Studenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration erschoss, sei ihm deutlich geworden, wie wichtig die Aufarbeitung der Akten sei. Mehr in der gedruckten Ausgabe.

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