Bürgermeister Günther Hartmann gestern verabschiedet, Stefan Dittmann vereidigt

Bleibende Spuren hinterlassen

+
Blumen von Landrat Dr. Reinhard Kubat (M.). Unser Bild zeigt ihn mit (v.l.): Ehrenbürgermeister Günther Hartmann, Irene Hartmann, Nina Dittmann und Bürgermeister Stefan Dittmann.

Twistetal-Twiste - Nach 24 Jahren Amtszeit von Bürgermeister Günther Hartmann ging gestern Abend eine Ära zu Ende. Sein Nachfolger Stefan Dittmann wurde in der Mehrzweckhalle Twiste auf sein neues Amt vereidigt.

Irene Hartmann konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie zum Dank für die jahrzehntelange Unterstützung ihres Mannes einen Blumenstrauß bekam. Der in der gestrigen Sondersitzung der Gemeindevertretung von Parlamentschef Thomas Deuerling zum Ehrenbürgermeiser ernannte Günther Hartmann wahrte seine Fassung und zog - mit einem Schuss Humor - eine Bilanz seiner Zeit in den kommunalen Gremien und als Rathauschef. Er äußerte die Sorge um den Fortbestand der kommunalen Selbstverwaltung. Diese könne durch Reglementierungen, wie sie etwa beim kommunalen Rettungsschirm verordnet werden, auf der Strecke bleiben. Die Gebietsreform habe er als richtig empfunden, gleichwohl hätten die ehemals selbstständigen Gemeinden durch Bürgersinn und Eigeninitiative auch funktioniert. Die Arbeit in den Gemeindegremien habe Spaß gemacht. Kontroversen seien dabei sinnvoll, wenn dabei der beste Weg angestrebt werde.

Nach den Auseinandersetzungen um die Wahl 1989 sei in Twistetal ein guter, gedeihlicher Weg gefunden worden. Sein politischer Weggefährte Henning Drescher habe ihm geraten, nach vorne und nicht in die Vergangenheit zu schauen. Das will Hartmann auch als Bürgermeister a. D. tun, dann aber fern der Gemeindepolitik und mit der Familie und bei der Pflege seiner Hobbys, die von der Fotografie über die Freilichtbühne bis hin zum Segeln reichen.

Thomas Deuerling zog eine positive Bilanz aus den 24 Amtsjahren. Hartmann habe viele Projekte vorangebracht und viel für die Gemeinde getan. Das Spektrum reichte von der Wasserversorgung über die Kanalisation, die Dorferneuerung bis hin zum Erhalt der Sportstätten und Freibäder - und alles solide finanziert: Twistetal sei eine der wenigen Gemeinden, die nicht allzu sehr verschuldet sei und über eine kleine Rücklage verfüge.

Nordwaldeck-Allianz

In der so genannten „Nordwaldeck-Allianz“ habe Hartmann Formen der interkommunalen Kooperation gepflegt, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Dies sei ein wichtiger Schritt in die Zukunft der Gemeinden. Der Rathauschef habe solide Arbeit geleistet, sei hoch konzentriert und den Menschen stets zugewandt. Sein Nachfolger Stefan Dittmann werde keine leichte Aufgabe übernehmen, aber auch seinen eigenen Weg finden.

Für die Mitarbeit im Hauptausschuss des 404 Kommunen repräsentierenden Hessischen Städte- und Gemeindebundes dankte dessen Leitender Direktor Karl-Christian Schelzke. Hartmann bescheinigte er, beharrlich an seinen Zielen gearbeitet zu haben, leider fehle noch die Umsetzung der Pläne für eine Umgehungsstraße. Die Finanznot habe Twistetal zwar noch nicht erfasst, doch drohe bereits aufgrund des enger werdenden Spielraums für die Kommunen, dass sich immer weniger Menschen für das demokratische Gemeinwesen einsetzten.

„Günther, du hast bleibende Spuren hinterlassen“, rief der Kreisvorsitzende des kommunalen Spitzenverbandes, Bürgermeister Karl-Friedrich Frese (Bromskichen), dem Ehrenbürgermeister und Weggefährten in der Twistetaler Kommunalpolitik zu - Frese war unter anderem Erster Beigeordneter in Twistetal. „Wir haben uns immer gewundert, wie sich die Gemeinde entwickelt hat und wie du dabei die Finanzen zusammengehalten hast“, sagte er. Recht machen können man es nicht allen, deswegen rief er dem neuen Bürgermeister Dittmann schmunzelnd zu: „Machen sie es gut, aber falsch machen sie es trotzdem.“

Anekdoten

„Wenn wir beiden nicht gewesen wären, wären wir jetzt nicht alle hier“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Otto Paul (SPD) auch im Namen des FDP-Fraktionssprechers Wilhelm Hundertmark, die als einzige noch von der ersten Wahl Hartmanns zum Bürgermeister noch im Parlament übriggeblieben sind - 1989 wählten noch die Gemeindeparlamente die Bürgermeister. Die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene und persönliche Anekdoten hoben im Namen der Ortsbeiräte die Ortsvorsteherin Rosemarie Tomalla und der Erste Beigeordnete Otto Huntzingr hervor. Pfarrer Ulrich Köppelmann würdigte die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und freute sich auf die weitere Mitwirkung des Bürgermeisters a. D. im Posaunnchor. Ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter im Rathaus zu haben, bescheinigte Personalratsvorsitzender Sebastian Wurst dem verabschiedeten Bürgermeister.

Neben würdigenden Worten für den Amtsvorgänger gab es von der Runde der Nordwaldeck-Bürgermeister aus den Händen von Jürgen van der Horst (Bad Arolsen) ein eigenes „Diensthemd“ für den neuen Bürgermeister Dittmann. Neben den amtierenden Rathauschefs kamen zur Amtsübergabe auch die ehemaligen Bürgermeiser Rolf Emde (Diemelstadt) und Gerard Schaller (Bad Arolsen).

Als Teamspieler wolle er seine neue Aufgabe angehen, versprach Stefan Dittmann, Er trete für einen offenen, ehrlichen und fairen Umgang miteinander ein.

Die Weichen für eine positive Entwicklung seien von Günther Hartmann gestellt worden, gleichwohl sei auch in Twistetal die Finanzlage angespannt. Das Beschreiten von neuen Wegen, Sparen und dennoch Investieren für die Zukunft seien angesagt.

Kommentare