Gemeinsames Projekt: Flachstag in Orpethal

Von blühendem Flachs und alten Zeiten

Diemelstadt-Orpethal. - Wer immer schon mal wissen wollte, was es mit dem Flachsbrechen, -schwingen und -hecheln auf sich hat, der konnte sich am Samstag am Orpethaler Pickhardshammer selbst in den alten Verarbeitungstechniken versuchen.

Bei bestem „Erntewetter“ hatten der Förderkreis Pickhardshammer, der Heimat- und Verkehrsverein Wrexen und der Verein Historisches Ortsbild Diemelstadt zu dem Fest an das Kulturdenkmal eingeladen. Für die meisten Besucher war die Materie etwas völlig Neues: Flachs wird heute praktisch nicht mehr angebaut, daher ist auch seine aufwendige Verarbeitung weitgehend in Vergessenheit geraten. Beim Fest am Pickhardshammer kamen die alten Techniken aus der Landwirtschaft zu neuen Ehren. Den Anstoß dazu hatte die Rhoder Künstlerin Barbara Beisinghoff im vergangenen Jahr mit ihrer Flachsaktion gegeben. Beim Fest trugen Menschen aus vielen Diemelstädter Ortsteilen mit ihrem Wissen und ihrer Begeisterung dazu bei, das alte Kulturgut wieder aufleben zu lassen. Das sorgte sowohl bei den Besuchern wie auch bei den Mitwirkenden für durchweg positive Resonanz. „Es ist ein Gesamt-Diemelstädter Projekt“, begeisterte sich Orpethals Ortsvorsteher Rainer Runte. Die Verbindung von kulturhistorischem Wissen und einem „Event“ sei etwas Besonderes, zumal es von ehrenamtlichem Engagement getragen werde, unterstrich Runte. Ein Ehepaar, das sich noch mit allen Einzelheiten der Flachsverarbeitung auskennt, sind Adolf und Ruth Gröticke aus Neudorf. Nicht nur vor, sondern auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Raum Diemelstadt nämlich noch Flachs als relativ anspruchslose Kulturpflanze angebaut. An den von Manfred und Monika Heine (Wrexen) organisierten Gerätschaften und dem Flachs vom „Lustgarten-Kunstpfad“ in Rhoden führte das Paar die einzelnen Arbeitsschritte vor. So zeigte Adolf Gröticke, wie der Flachs zuerst gebrochen wird, um die Spreu von der Faser zu trennen. Die Flachsschwinge kommt zum Einsatz, um verbliebene Spreu­partikel zu entfernen. Durch das Hechelbrett, das entfernt an einen Pferdekamm erinnert, werden die Flachsfasern dann noch mehrmals durchgezogen, um anschließend daraus Leinen spinnen zu können. „Wie das Leinen dann aber letztendlich wurde, lag an der Spinnerin und Weberin“, weiß Monika Heine, die ebenso wie Bärbel Knatz (Huxmühle) schöne alte Leinenkleidung zum Fest mitgebracht hatte. Aber auch den minderwertigeren Flachs habe man verwertet: „Damit wurde in erster Linie das Kummetgeschirr der Pferde ausgestopft“, erinnert sich Adolf Gröticke. „Vom Flachs zum Lein“ hieß auch der Vortrag Karl Heinemanns, der neben einer Lesung des Andersen-Märchens „Der Flachs“ und Musik mit den Sängerinnen um Louisa-Sophie Okel das Programm umrahmte.Dass Flachs übrigens nicht nur nützlich ist, sondern in seiner blauen Blüte auch noch wunderbar aussieht, davon können sich Interessierte derzeit am „Lustgarten-Kunstpfad“ in Rhoden ein Bild machen. (sim)

Kommentare