Diemelstadt

Boxchampion Tino Groß als Respekttrainer bei Lothar Kannenberg

- Diemelstadt (-es-). Er war sechsmal Deutscher Meister im Halbschwergewicht, gehörte 14 Jahre lang der Nationalmannschaft an, hat die Olympia-Qualifikation für Peking nur knapp verpasst, obwohl er den späteren Olympia-Sieger im Ring geschlagen hat. Seit April absolviert der Boxer Tino Groß eine Ausbildung als Respekttrainer im Trainingscamp von Lothar Kannenberg.

Der 29-Jährige stammt aus Halle an der Saale, hat dort schon als 13-Jähriger die Sportschule besucht und war acht Jahre in einer Sportförderkompanie der Bundeswehr. Er boxt für sein Leben gern, hat aber Anfang des Jahres gemerkt, dass auch für ihn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Mit seinem Hamburger Box-Promotor kam es zu Meinungsverschiedenheiten, deshalb machte er sich im März dieses Jahres auf die Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive. „Es war Zufall, dass ich am Tag nach meinem letzten Kampf ausgerechnet die Oliver-Geißen-Show im Fernsehen eingeschaltet hatte. Die gucke ich sonst nie“, erzählt Tino Groß. Doch ausgerechnet an jenem Tag war Lothar Kannenberg zu Gast im Studio, berichtete von seinem Trainingscamp in Diemelstadt. Noch am gleichen Tag machte Groß eine Bewerbung fertig und schickte sie an Lothar Kannenberg. Der rief gleich zurück und sagte dem ehemaligen Profiboxer eine Ausbildung als Respekttrainer zu. Ursprünglich hatte Groß bei der Bundeswehr eine Industriemeisterausbildung absolviert, Fachrichtung Kraft- verkehr. Doch der Umgang mit den Jugendlichen im Trainingscamp und die Möglichkeit, ab und zu mal wieder in den Ring zu treten, reizten ihn mehr. Weil es den von Kannenberg erfundenen Respekttrainer nicht als Ausbildungsberuf gibt, absolviert Groß nun berufsbegleitend eine Ausbildung zum Erzieher in Leipzig. Parallel dazu absolviert er die 48-Stunden-Schichten im Trainingscamp. Der Umgang mit den Jugendlichen macht ihm Spaß. Wenn er seine Arbeit bei Kannenberg mit dem vergleicht, was seine Ausbildungskollegen in Leipzig berichten, ist er hellauf zufrieden: „In herkömmlichen, geschlossenen Jugendeinrichtungen werden die Erzieher nicht selten von ihren Schützlingen geschlagen, bespuckt und beschimpft. – So etwas gibt es bei Lothar Kannenberg nicht.“Tino Groß ist froh, den Absprung vom Profiboxen in ein normales Arbeitsverhältnis geschafft zu haben. Wenn es ihn in ein paar Monaten oder Jahren dann doch wieder reizen sollte, offiziell in den Ring zu treten, dann will Kannenberg bereitstehen, den sechsmaligen Deutschen Meister zu trainieren und wieder fit zu machen für einen Boxkampf.

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