150 hilfsbereite Bad Arolser beim ersten runden Tisch zur Flüchtlingshilfe

Brücke zu den Menschen

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Bad Arolsen - Die Hilfsbereitschaft ist riesig. Beim ersten runden Tisch im Bürgerhaus mussten gestern Abend gut zwei Dutzend Stühle extra herbeigeholt werden, um allen Hilfswilligen einen Platz zu bieten.

„Es steht Bad Arolsen gut zu Gesicht, dass wir gute Gastgeber sind, wenn jetzt die Menschen aus den Krisengebieten dieser Welt zu uns kommen“, stellte Bürgermeister Jürgen van der Horst vor rund 150 hilfsbereiten Bürgern fest, darunter viele Vereinsvertretern, Pfarrer, Lehrern und vier Schulleiterinnen.

Die Stadtverwaltung wolle versuche, für einen guten humanitären Rahmen zu sorgen für die Menschen, die traumatisiert sind. Dabei setzte die Stadt vor allem auf ehrenamtliche Kräfte. Der runde Tisch sei dazu gedacht, Namen und Angebote zu sammeln und dann in einem Netzwerk zu bündeln.

Derzeit seien bereits 74 Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen im Berufsbildungswerk untergebracht, außerdem 23 vom Landkreis zugewiesene Flüchtlinge. In der Gemeinschaftunterkunft in der Bahnhofstraße wohnen 36 Personen, Das Waldeckische Diakonissenhaus betreut neun unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Für zweite Halbjahr sind der Stadt Bad Arolsen mindestens 55 weitere Flüchtlinge angekündigt. Doch diese zahl sei eigentlich schon überholt.

Jeden Tag könnten vom Landkreis unangekündigt weitere Flüchtlinge zugewiesen werden. Für diesen Fall wolle die Verwaltung vorbereitet sein.

Van der Horst: „Wir sind im Moment dabei, das Chaos zu organisieren, und sind froh, dass es noch nicht eingetreten ist.

Konkret werde Wohnraum gesucht. Die Koordination übernimmt der Leiter der Abteilung Zentrale Dienste, Günter Pohlmann (Telefon 05691/801-180).

Zur Einrichtung dieser Wohnung sind Möbelspenden sehr willkommen. Ausdrücklich hieß es aber mehrfach, dass kein Sperrmüll gesucht werde, sondern ausschließlich gut erhaltene Möbel, die auch nicht von der Stadt zwischengelagert werden könnten, sondern quasi auf Abruf bereit gehalten werden müssten.

Beim Sammeln und Verteilen von Kleidung und Lebensmittel setzt die Stadt auf die etablierten kirchlichen Einrichtungen wie Kleiderkammern und Tafelladen. Für das Einsammeln und Verteilen hat das Spielzeugmuseum in Massenhausen seine Hilfe angeboten. An den kommenden Sonntagen, 8. und 15. März, sowie am Mittwoch 11. März, werden von 14 bis 16 Uhr die Spielzeugspenden angenommen.

Darüber hinaus werden ganz einfach menschlichen Hilfen und Patenschaften benötigt. die Flüchtlinge brauchen Menschen, die sie im Alltag begleiten, zum Arzt oder zu Behörden, außerdem Sprachpaten und Sprachlehrer.

Aus der Versammlung gab es viele positive Beispiele, wie bereits seit Wochen ganz konkrete Hilfe geleistet wird: Die Kaulbach-Schule hat vom Land zwei Intensivsprachklassen bewilligt bekommt, in denen Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse für den Unterricht in den Haupt- und Realschulen vorbereitet werden, berichtete Schulleiterin Rosel Reif.

Der Sportverein VfL bietet mit fünf Trainern Sport für Flüchtlinge im Berufsbildungswerk an. Vfl-Sportwart Christoph Neugebauer berichtete enthusiastisch, wie gut dieses Angebot regelmäßig von 14 bis 21 jungen Leuten angenommen werde: „Und, was mir in 40 Jahren Trainertätigkeit noch nicht passiert ist: Die Jugendlichen bedanken sich nach dem Sport und fragen, wann wir uns wieder treffen können.“

Brigitte Gensicke, die seit einigen Monaten Deutschkurse im katholischen Pfarrheim gibt, berichtete, dass sich oft konkrete Fragen nach Rechten und Pflichten ergäben und dann in der Bitte um eine Arbeitserlaubnis mündeten. Um hier besser Auskunft geben zu können, seien Einführungen in das Ausländerrecht für alle interessierten Helfer sinnvoll.

Bürgermeister Jürgen van der Horst und seine Mitarbeiter versprachen, alle Hilfsangebote, Anregungen und Anfragen zu notieren, zu sammeln und abzuarbeiten. In naher Zukunft sollen weitere Zusammenkünfte dieser Art folgen. Die große Resonanz beim ersten runden Tisch im Bürgerhaus war sehr motivierend.

Alle Informationen werden auf der städtischen Homepage gebündelt präsentiert. E-Mail-Kontakt: guenter.pohlmann@bad-arolsen.de

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