Diemelstadt macht Druck beim Ausbau der Kreisstraße K91 · Wichtig für Papierfabriken

Brummis drängeln auf Radweg

Ganz schön eng: Im Begegnungsverkehr auf der Kreisstraße K 91, einem Teilstück des Diemelradweges, ist Vorsicht geboten.

Diemelstadt - Es sind abenteuerliche Szenen, die man gesehen haben muss. Erzählungen reichen nicht aus, den täglichen Tanz der Giganten auf der nur 5,50 Meter schmalen Kreisstraße K91 zwischen Orpethal und der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen zu erfassen.

Es war ein kluger Schachzug von Bürgermeister Elmar Schröder, dass er gestern den Stellvertreter des Landrats, Jens Deutschendorf, zusammen mit weiteren Mitgliedern des Kreisausschusses und Vertretern der großen Fraktionen im Kreistag sowie Behördenvertreter von Hessen Mobil, Polizei und Hochsauerlandkreis zu einem Ortstermin an gut Billinghausen geladen hat.

Durch dieses idyllische Fleckchen im Diemeltal schlängeln sich täglich knapp 1500 Kraftfahrzeuge, darunter rund 250 Lkw.

„Wo kommen die vielen Lastwagen denn alle her“, fragte der SPD-Kreistagsabgeordnete Harald Plünnecke überrascht. Die Antwort liegt auf der Hand: In Wrexen gibt es zwei große Papierfabriken und zwei große Speditionen, die alle den schnellen Anschluss an die Autobahn A44 brauchen.

Bis vor wenigen Jahren gab es nur zwei Anschlussstellen an das Autobahnnetz, die Auffahrt bei Rhoden und die bei Marsberg-Meerhof. Der Bau der dritten Auffahrt bei Westheim, in Sichtweite von Wrexen und Orpethal, wurde zunächst kaum wahrgenommen. Inzwischen aber haben sich die Verkehrsströme völlig verlagert.

Ortslage wurde entlastet

Wohl im Zuge der Bauarbeiten im Ortskern von Wrexen wurden die Brummifahrer auf die schnelle und höhengleiche Autobahnanbindung aufmerksam. Das Befahren der kurvenreichen Steigungsstrecke von Wrexen nach Rhoden entfällt nun. Außerdem wird die Ortslage von Wrexen entlastet.

Das bedeutet für die Wrexer spürbar mehr Lebensqualität. In der Folge aber zwängt sich der Schwerlastverkehr über die viel zu schmale, kurvige Kreisstraße 91.

Eigentlich verläuft hier der Diemelradweg, jene 110 Kilometer lange touristische Attraktion, die Usseln und Bad Karlshafen verbindet. 2008 haben Hessen und Nordrhein-Westfalen rund neun Millionen Euro am Diemelsee investiert, um den Diemelradweg auszubauen. Auch in Warburg gibt es herrliche Radwege. „Nur das Teilstück dazwischen ist unmöglich. Und da sind wir“, klagte gestern Bürgermeister Elmar Schröder.

Am vereinbarten Treffpunkt hatten sich zahlreiche Orpethaler und Wrexer Bürger eingefunden, die mit den Kreispolitikern diskutierten und schnelle Lösungen einforderten. „Das ist ein gewaltiges Sicherheitsrisiko auf dem Diemelradweg“, mahnte Dr. Hans-Jürgen Römer und wurde dabei von vielen Stimmen unterstützt.

Aus Sicht der SPD-Kreistagsfaktion sagte Harald Plünnecke seine Unterstützung für den Ausbau und die Entschärfung der Kreisstraße zu. CDU-Kreis- und Landtagsabgeordneter Armin Schwarz fügte hinzu: „An der CDU ist der Ausbau einer Straße noch nie gescheitert.“

Grundsätzliche Unterstützung für eine Entschärfung der Situation signalisierte auch Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf. Allerdings gab er zu bedenken, dass aufgrund der begrenzten Mittel jedes Jahr nur ein bis zwei Straßenprojekte umgesetzt werden könnten. Und da gebe es nun mal eine Prioritätenliste.

„Komisch nur, dass plötzlich Straßen höchste Priorität genießen, von denen vor zwei Jahren noch niemand etwas wusste“, spielte Bürgermeister Schröder auf die geplante Volkmarser Umgehungsstraße an: „Bei allem Verständnis für unsere Nachbargemeinde: Wir haben hier auch Probleme.“

Mehr ins planerische Detail gingen die Vertreter des Landesbetriebs Hessen Mobil, die mit ihren Vorplanungen für den Ausbau der K 91 schon weit gediehen sind. Nach ersten Kostenschätzungen soll der Ausbau rund 960000 Euro kosten, davon 425000 Euro für die Verbreiterung von zwei Brückenbauwerken zugunsten eines normgerechten Radweges.

Doch gerade diese Verbreiterung ließe sich nach Meinung der Wrexer und Orpethaler einsparen: „Ein Meter Breite reicht für den Radweg. Im Zweifel kann man vor der Brücke absteigen“, kommentierten die Bürger.

Jetzt sind alle gespannt, wie viel Wasser noch die Diemel hinabfließen muss, bis die Kreisstraße tatsächlich entschärft wird. (es)

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