Gemeinsamer Protest aus Marsberg , Diemelsee und Diemelstadt

Bündnis gegen neue Windmühlen

Marsberg - Von Windkraftanlagen zunehmend umzingelt sehen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative „Vernunftwendebündnis Marsberg und Waldecker Nachbarn“. Sie hoffen auf möglichst viele Einsprüche von Bürgern gegen den Regionalplan der Bezirksregierung Arnsberg.

Nein, sie seien nicht gegen Energiewende und Windkraft. Doch die starke Vermehrung der Windkraftstandorte rings um ihre Dörfer lehnten sie eindeutig ab, betonten Vertreter der BI am Samstagnachmittag in Erlinghausen. In der dortigen Feldgemarkung soll bekanntlich an der Grenze zu Hesperinghausen eine Fläche von 230 Hektar ausgewiesen werden, was bereits zu einer Bürgerbefragung in dem Dorf geführt hat. Die in dem Ergebnis bekundete Ablehnung ist zwar nicht rechtlich bindend, bringt aber die ablehnende Haltung in der Bevölkerung zum Ausdruck. Der von der Bezirksregierung veröffentlichte Entwurf des „Teilregionalplans Energie“ schweißt nun grenzübergreifend die Gegner weiterer Windenergieanlagen zusammen. 2500 Unterschriften aus sechs Orten in Marsberg, Diemelstadt und Diemelsee sind inzwischen unabhängig von der nun begonnenen Bürgerbeteiligung beim Regionalplan fürs Sauerland zusammengekommen. Damit erklären die unterzeichnenden Bürger ihr Nein zu einer Ausweisung von insgesamt rund 1800 Hektar Windvorrangflächen in der Großgemeinde Marsberg. Dies sei ein Zehntel der gesamten Stadtfläche, dabei mache Marsberg gerade mal 2,3 Produzent der Gesamtfläche des Regierungsbezirkes aus, rechnen die Bündnismitglieder vor. Dies sei ungerecht. „Wir sind keine Panikmacher“, sagt Christoph Geschwinder aus Leitmar, „aber uns reicht es jetzt. Die Pläne sind mit den Interessen der Menschen und dem Artenschutz nicht mehr zu vereinbare. Die Ausweisung der Vorrangflächen lässt keine Rückzugsgebiete mehr.“ Schon jetzt nervt die Vasbecker Bürger, dass ihr Ort von zwei Seiten von hohen Windkraftanlagen umgeben sei, gibt Jutta Franke aus dem Diemelseer Ortsteil zu bedenken. Künftig würde noch vom Westen her eine Kulisse mit wahrscheinlich 220 Meter hohen Anlagen geschaffen. Das „Geblinke und Gedrehe“ gehe den Menschen jetzt schon auf die Nerven. Das grenzübergreifende Regionalbündnis hat sich der Bürgervereinigung „Vernunftwende Bündnis NRW“ angeschlossen – in Nordrhein-Westfalen sollen zehn Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen ausgewiesen werden. Wenn folgende fünf Forderungen dieses Bündnisses erfüllt würden, dann könnte aus Sicht des regionalen Zusammenschlusses eine „vernünftige Energiewende“ erreicht werden: So soll der Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnbebauung mindestens die zehnfache Gesamthöhe der Anlagen betragen. Während der kürzlich veröffentlichte Regionalplan von Nordhessen Abstände von 1000 Metern zu Wohnhäusern und von mindestens 600 Metern zu einzelnen Gehöften fordert, gibt es nach Auskunft der BI in NRW keine solchen Beschränkungen. Kurt Bernhardt aus Hesperinghausen befürchtet, dass die Windmühlen nur 800 Meter von der Wohnbebauung aufgestellt werden könnten. Manches, so wird im Regionalbündnis argumentiert, würde sich schon über eine striktere Abstandsvorschrift regeln. Das Bündnis lehnt die Windenergienutzung im Wald ab, fordert die Berücksichtigung der gesundheitlichen Belange der Bürger im Hinblick auf „Lärm, Infraschall und optische Bedrängung“. Zudem sollten „Arten-, Natur-, Landschafts- und Umweltschutz“ strikt eingehalten werden. Das Bündnis fordert zudem, die Privilegierung für Windenergieanlagen abzuschaffen und somit den Kommunen in diesem Punkt wieder deren Planungshoheit zurückzugeben. Schließlich sei die Stadt Marsberg gehalten, den Flächennutzungsplan nach dem Muster des Regionalplans zu ändern. Am 11. Dezember befasst sich der dortige Planungsausschuss mit dem Entwurf der Bauleitplanung. Auf Waldecker Seite sprechen sich die Bürgermeister Volker Becker, Diemelsee, und Elmar Schröder, Diemelstadt, gegen weitere Flächen aus, wie bei der Zusammenkunft der BI betont wurde. Das regionale „Vernunftwendebündnis“ hofft nun, dass durch die bis zum 22. Dezember laufende Bürgerbeteiligung der Regionalplan für den Bezirk Arnsberg in ihrem Sinne beeinflusst werden kann. Die Sprecher hoffen, dass sich möglichst viele Bürger online (http://www.bezreg-arnsberg.nrw.de), per Post oder persönlich zur Niederschrift bei der Bezirksregierung in Arnsberg beteiligen. In dieser Woche wird die Webseite des Regionalbündnisses freigeschaltet: www.vernunftwende-marsberg-waldeck.de .Örtliche Gesprächspartner sind Jutta Franke, Vasbeck, Telefon 02993/908347, Kurt Bernhardt, Hesperinghausen, Telefon 02992/2030, Johannes Wagner, Udorf, Telefon 02993/1384, Manfred Albracht, Giershagen, Telefon 02991/544, Christoph Geschwinder, Leitmar, Telefon 02992/786 64 62, und Claudia Kriebel, Erlinghausen, Telefon 02992/2263. (ah)

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