Tabakentzug mit E-Zigarette anvisiert

Dampf statt Qualm

Bad Arolsen - Dampfen statt rauchen  – drei Ex-Tabakraucher berichten im Gespräch über ihre vor einem halben Jahr entdeckte Vorliebe für die E-Zigarette.

Bei dem Bad Arolser Thomas Schacht war es die alarmierende Diagnose der Lungenfachärztin, dass das Atemorgan nur noch ein Drittel der normalen Leistung erbrachte. Auch Max Brüning keuchte, als er bei der Arbeit 166 Stufen erklimmen musste. Und Gesine Schacht, als Gelegenheitsraucherin eher nicht unter Leidensdruck stehend, solidarisierte sich mit ihrem Ehemann Thomas. Alle drei rauchten seit etwa drei Jahrzehnten. Thomas Schacht war Nichtraucher, als er seine Ausbildung 1977 begann. Danach qualmte er dann ziemlich heftig, wie er berichtet. Stress und Hektik ließen sich – so schien es für die folgenden drei Jahrzehnte – mit dem Glimmstengel besser ertragen. Als die Gesetze zum Nichtraucherschutz auch seine damalige Gaststätte „King’s“ in Korbach trafen und er über Umsatzrückgänge klagte, setzte er sich vehement und öffentlich für die Rücknahme der Restriktionen ein. Auch jetzt, als überzeugter „Dampfer“, blickt er grollend auf diese Zeiten zurück. Doch das starke Rauchen griff seine Gesundheit an. Im vergangenen Jahr „war ich völlig fertig. Die Grenze war für mich erreicht, als ich die Fässer in meiner Kneipe nicht mehr bewegen konnte.“ Dann ließ es sich medizinisch untersuchen, und die Ärztin stellte eine COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) fest. Darunter fallen auch Staub- und Raucherlungen. Der Verzicht auf die Glimmstengel empfiehlt sich spätestens dann. „Ich habe zu lange zu viel geraucht“, räumt Schacht ein. Dabei hatte er erleben müssen, wie ein stark rauchender Freund an der Lungenerkrankung gestorben war. Am 8. Juli 2014 hat er seine letzte Zigarette geraucht und ist er auf die E-Zigarette umgestiegen. In der E-Zigarette wird eine Flüssigkeit mit oder ohne Nikotin und einem Aromastoff elektrisch verdampft und das Aerosol eingeatmet. Thomas Schacht bevorzugt als starker Raucher Tabakaroma und den vollen Nikotingehalt. Es falle ihm gar nicht schwer, auf die „echte Zigarette“ zu verzichten. Und er freut sich, dass seine Leistungsfähigkeit nach einem halben Jahr deutlich gestiegen ist. Zudem sei er – offensichtlich aufgrund des Nikotingehalts – nicht nervös. Der Dampfstengel sei das richtige Placebo, er könne etwas in der Hand halten und ab und an ein paar Züge nehmen. Er könne nun besser atmen, feiner riechen und besser schmecken. Deswegen habe er wohl auch etwas zugenommen. Dabei träume er manchmal noch vom Rauchen, und er habe Verständnis dafür, dass andere zum Bier gerne eine rauchen. Auch meiden weder er noch seine Frau Treffen, wo geraucht wird. Dabei möchte er mit der Qualmerei wirklich aufhören. Rein finanziell hat sich der Verzicht aufs Zigarettenrauchen schon positiv bemerkbar gemacht: 250 Euro habe er bislang pro Monat fürs Rauchen ausgegeben, sein Freund Max Brüning brachte es auf 200 Euro monatlich: „Ich war ein Hardcore-Raucher.“ Nach dem Kauf eines „Starter-Sets“ für 40 bis 60 Euro reichen im Schnitt 30 Euro monatlich fürs Dampfen aus. Max Brüning hat – ebenso wie Gesine Schacht – im vergangenen August, nach dem Bad Arolser Kram- und Viehmarkt, mit dem Rauchen aufgehört. Und er hat sich das Nikotin komplett abgewöhnt. In den vergangenen 30 Jahren hatte er mehrfach versucht, mit dem Qualmen aufzuhören. Sogar mit Nikotinpflaster hat er es versucht. Doch alles hat nicht geholfen. Nun dampft er, auch seine Freundin hat die E-Zigarette entdeckt, greift aber inzwischen ab und zu wieder zur Zigarette. „Die vielen Stufen in meinem Betrieb laufe ich jetzt wieder in einem Zug hinauf.“ An der Arbeitsstelle verkneift er sich den Genuss über E-Zigarette. Die Kollegen sind übereingekommen, sowohl aufs Rauchen als auch aufs Dampfen zu verzichten. In der Warburger Kneipe von Thomas Schacht sind die weiblichen Bedienungen, allesamt junge Frauen, auf E-Zigarette umgestiegen, nur selten würden sie zur Zigarette greifen. Das habe auch positive Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe, wenn die Mitarbeiterinnen nicht immer nach draußen zum Qualmen laufen müssten. Ein 65 Jahre alter Gast habe sich das Qualmen abgewöhnt: Als starkem Raucher habe dem Mann vor einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt gegraut, berichtete Schacht. Der Gastwirt gab ihm dann den Tipp mit der E-Zigarette. Seither verzichte der Mann aufs Rauchen. Max Brüning fasst sich an den Bauch: „Ich habe zugenommen.“ Doch vor zwei Monaten habe er mit sportlicher Betätigung in einem Fitnessstudio begonnen. Mit „mehr Luft“ sollte die Kondition wohl auch besser werden. Die drei „Dampfer“ haben sich so weit wie möglich versucht über Vor- und Nachteile des Konsums der Liquids zu informieren: „Gesund ist das auch nicht gerade“, räumt Schacht ein. Tatsächlich ist die E-Zigarette in die Kritik geraten. Dabei geht es um die nach wie vor im Dampf enthaltenen Stoffe, um die Senkung der Hemmschwelle für nicht rauchende Jugendliche oder darum, dass am Ende doch die Rückkehr zum Glimmstengel folgt.Thomas Schacht ist sich selbst nicht ganz sicher, ob er nicht doch irgendwann wieder zur Zigarette greifen wird. Dennoch setzt er weiter auf die kleine Dampfmaschine. Er müsse nur die richtigen Liquids und stets einen Ersatz-Akku dabei haben, um bei Bedarf dampfen zu können – und nicht einen Raucher um eine Zigarette bitten zu müssen. (ah)

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