Im Arosler SChloss wird eine neue Ausstellung eröffnet

Dialog mit floralem Zierrat

Blütenzauber im Schloss: Die Museumsmacher Udo Reuter und Dr. Birgit Kümmel präsentieren ein Werk von Peter Hutchinson.

Bad Arolsen - Im Arolser Residenzschloss grünt und blüht es: Zur Eröffnung der Ausstellung „Blütenzauber“ laden Museum und Museumsverein am Freitagabend um 19 Uhr ein.

Es ist eine Ausstellung, die gute Laune macht, aber auch auf tieferen Ebenen zum Nachdenken anregt. Elf Künstler aus Deutschland, Finnland, den USA und Brasilien stellen ihre Werke aus. Drei von ihnen, die gebürtige Korbacherin Renate Olbrich, Luzia Simons aus Brasilien und Ingolf Timpner, werden bei der Vernissage anwesend sein.

Die Bandbreite der gezeigten Exponate reicht von der Fotografie in leuchtenden Farben über den Scherenschnitt bis hin zur poppigen Kunststoff-Rosette. Sie alle haben eines gemeinsam: in einen Dialog mit dem üppigen floralen „Zierrat“ des Barockschlosses zu treten.

Die sechs weiblichen und fünf männlichen Künstler, zumeist Fotokünstler, gehören verschiedenen Generationen an. Dies erklärt zum Teil ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und künstlerischen Äußerungen. Die Inszenierung des Bildsujets „Blume“ mit den Mitteln des Theaters ist das vorherrschende Moment.

Luzia Simons etwa scannt Tulpen und projiziert sie ins Gigantische. Peter Hutchinson entwirft Ideallandschaften und Collagen aus Blumenfotografien. Bill Beckleys Fotoarbeiten zeichnen sich durch eine reduktionistische Vorgehensweise aus: Die Blütenstängel sind, bis aufs Äußerste stilisiert, als Ornament wahrnehmbar.

Die junge finnische Künstlerin Sandra Kantanen inszeniert ihre Blüten auf Stängeln als Einzelwesen in Pose wie auf einer imaginären Bühne. Erasmus Schröter verändert seine Bildsujets - Tulpenbeete und Rosenbüsche - durch eine subtil inszenierte Lichttechnik. In Renate Olbrichs „Blumenstill-Leben“ zeigt sich Transformation durch Farbsolarisationen der analogen Fotografien. Ingolf Timpners „Herbarium“, Fotoarbeiten auf Barytpapier, sind ein Gegenentwurf zu marktschreierischen Surrogat-Blumenbildern. Ottmar Hörl konterkariert mit seiner Plastikrosen-Installation das Prinzip der allgegenwärtigen Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit der ‘Königin der Blumen’.

Marjukka Vainio zeigt mit ihren überdimensioniert großen Malvenblüten, in roter Farbenpracht inszeniert, ihre mögliche Qualität der Erotisierung. Ein Wiederaufleben der Blumensprache wird hier angedeutet. Marie-Jo Lafontaine zeigt Fotografien mit großen Blüten nahansichtig von oben, und Annette Schröter zitiert mit ihren großformatigen „Cutouts“ von Blumenmotiven den Stil der Romantik und konterkariert ihn durch eingebaute Störungen. Alle diese Positionen sind ein „Strauß“ von Wahrnehmungen, die ganz „unverblümt“ die Sicht heutiger Künstler zu einem uralten Thema zeigen.

Die Ausstellung wird bis zum 8. Dezember im Schloss gezeigt. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14.30 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Sonntagsführung um 11.15 Uhr und nach Vereinbarung. Infos unter Telefon 05691 / 625734 oder www.museum-bad-arolsen.de

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