Zwölf Flugrouten für den Regionalflughafen Kassel-Calden genehmigt · Befürchtungen in Nachbarflughäfen

Dicht besiedelte Gebiete verschont

Calden / Bad Arolsen - Die Region um Bad Arolsen ist wohl am wenigsten betroffen von den Lärm- und Abgasemissionen der ab dem 4. April regulär vom erweiterten Flughafen Kassel-Calden startenden und dort landenden Flugzeuge. Die Deutsche Flugsicherung in Langen hat die An- und Abflugverfahren festgelegt.

Calden/Bad Arolsen (r/ah). Das Bundesamt für Flugsicherung hat diese genehmigt, sie geht nicht von unzumutbaren Lärmbelästigungen in dichtbesiedelten Gebieten aus. Über insgesamt zwölf Routen können die Flugzeuge den Regionalflughafen 
 verlassen. Ein Anflugpunkt 
befindet sich auch im Bereich der Großgemeinde Bad Arol-sen: Doch über XAROL dürften in erster Linie die Kondensstreifen Aufsehen erregen, aus der Höhe sind die Maschinen kaum wahrzunehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem Anflugpunkt WRB bei Warburg. Wohngebiete umfliegen Beim An- und Abflug des Flughafens Kassel-Calden sollen Wohngebiete in der Nachbarschaft so weit wie möglich 
umflogen werden. Im Laufe 
der nächsten sieben Jahre soll die Anzahl der Passagiere auf 640  000 im Jahr steigen. Auf den umliegenden Regionalflug-
häfen wird dies mit Unbehagen gesehen: Die Konkurrenz des Flughafens Kassel-Calden ist beispielsweise Elmar Kleinert, Geschäftsführer des Airports Paderborn-Lippstadt, ein Dorn im Auge, denn dieser könnte Paderborn-Lippstadt Passagiere abziehen. Dort wird die 
Start- und Landebahn übrigens im April für fünf Tage geschlossen bleiben – wegen Sanierungsarbeiten. Die EU-Kommission hat 2012 auch die dritten Staatsbeihil-
fen für den neuen Regional-flughafen Kassel-Calden genehmigt. Der umstrittene Airport könnte bis zu 271 Millionen Euro kosten. Das Geld müssen das Land Hessen, die Stadt und der Landkreis Kassel sowie die 
Gemeinde Calden aufbringen. Nachdem in ersten Planungen rund 151 Millionen Euro veranschlagt worden waren, rechneten die Verantwortlichen später mit Ausgaben von 225 Millionen Euro. Diese Erhöhung hatte die EU-Kommission genehmigt, die nun auch grünes Licht gab für die Kosten von 271 Millionen Euro. Das Land und die EU-Kommission erwarten, dass der Flughafen nach Verlusten in den ersten fünf Jahren 
im Jahr 2018 Gewinne einfährt. Derweil wurde im Umland 
die Sorge wegen Fluglärms laut. Um diesen zu minimieren – 
Belastungen wie in Frankfurt oder Düssledorf sind nicht zu erwarten – wurde ein Prüfverfahren in Gang gesetzt. Ziel ist die sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Flugverkehrs. Zwar sind die Flugbewegungen bereits im vorausgegangenen Planfeststellungsverfahren betrachtet worden, dabei handelte es sich zunächst um Prognosedaten, die als Grundlage zur Lärmermittlung und deren Bewertung durch das 
Regierungspräsidium dienten. Die Festlegung der Flugverfahren einschließlich der Flugwege, Flughöhen und Meldepunkte erfolgt nach den gesetzlichen Bestimmungen in Form einer Rechtsverordnung durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). Diese Verordnung ist von besonderer 
Bedeutung für den Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm und wird deswegen abgestimmt mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesjustizministerium erlassen. Lärmschutzkommission Für die fachliche Planung und Ausarbeitung der Verfahren war der DFS zuständig. Um bei der Routenermittlung auch die Lärmbelastung zu berücksichtigen, nutzte die DFS ein spezielles EDV-Anwendungssystem. Die Ergebnisse flossen in den Planungsprozess ebenso ein wie die Beratung durch die Lärmschutzkommission für Kassel-Calden (LSK). Diese hat sich bereits 2007 für den neuen Flughafen konstituiert. In dem Gremium sind vor 
allem die betroffenen Gemeinden sowie die BIGA-Nordhes-sen vertreten, die Dachorganisation der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau. Geschäftsstelle ist das Regierungspräsidium. Die Kommission be-
rät die Behörden bei Maßnahmen zum Schutz gegen Fluglärm und flugbedingte Luftverschmutzungen und kann selbst entsprechende Maßnahmen vorschlagen. Diese Möglichkeit 
hat die Komission auch genutzt. Intensive Diskussion In drei Sitzungen von Ende 
Mai bis Ende Juni 2012 wurden die Flugrouten intensiv diskutiert. Das Ergebnis: Für 18 Flugrouten fassten die Mitglieder der LSK einstimmige Beschlüsse – bei jeweils einer Enthaltung. Nur bei einer Route gab es eine Gegenstimme. Die ermittelten Flugverfahren und Routenkarten werden im Bundesanzeiger und in den Nachrichten für Luftfahrt, veröffentlicht. Darüber hinaus erfolgt die Bekanntmachung im Luftfahrthandbuch Deutschland. Anhand 
dieser Vorgaben bereiten die 
Piloten ihre Flüge vor. Lärmschutzbereich Die Routenplanung bildet die Basis für eine Rechtsverordnung der hessischen Landesregierung, die den Lärmschutzbereich für den Flughafen Kassel-Calden festsetzt. Vorbereitet wird sie vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Der Lärmschutzbereich besteht zunächst aus zwei Tag-Schutzzonen und 
einer Nacht-Schutzzone. Maßgeblich für die Abgrenzung der Zonen sind die im 
Gesetz festgelegten fluglärmbedingten Schallpegel im 
Umfeld des Flughafens. Das Fluglärmgesetz regelt Ansprüche auf Kostenerstattung für bauliche Schallschutzmaßnah-
men an bestehenden Woh-
nungen und schutzbedürftigen Einrichtungen innerhalb der näher am Flughafen gelegenen Tag-Schutzzone Eins sowie der Nacht-Schutzzone. Der Unterschied Ganz anders als in der Umgebung von Großflughäfen 
werden Schallpegel, die Ansprüche auslösen, am Regionalflughafen in Calden jedoch eher auf das unmittelbare Umfeld des Flughafengeländes 
beschränkt bleiben.Auch bei der Einrichtung 
dieses Lärmschutzbereichs ist die Lärmschutzkommission für Kassel-Calden beratend mit im Boot. (r/ah)

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