Bad Arolsen/Korbach: Chöre aus Polen, Mexiko und Arolsen beeindrucken

Drei Klangkulturen, ebenso viele Höhepunkte

+

- Drei Länder, drei Chöre, drei Temperamente, gleichbedeutend mit musikalischen Höhepunkten auf ganz unterschiedlichen Gipfeln.Fotos vom Jugendmusikfestival finden sie in dieser Bildergalerie.

Korbach/Bad Arolsen. Beim Chorkonzert im Rahmen des internationalen Jugendmusikfestivals in der Korbacher Stadthalle am Dienstag sowie gestern Abend in der Bad Arolser Stadtkirche kamen die Zuhörer aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn jedes der Ensembles hatte seine eigene Note. Der Kammerchor der Christian-Rauch-Schule spannte zum Auftakt einen weiten musikalischen Bogen und überzeugte mit seiner Piano-Kultur. Das Arolser Vokalensemble unter der Leitung von Steffen Hause präsentierte sich als Meister der leisen Töne bei einem eher auf Moll gestimmten Programm. Der Swing gehörte vor allem beim lebhaften Einzug „Sing and Swing“ zum Repertoire der Nordwaldecker. Bei dem Wechselgesang „Baba Yetu“ bildete David Schults helles Organ einen markanten Kontrast zum dunkel grundierten Chorklang, der sich mit jedem Einsatz weiter auffächerte, bis sich das Ensemble beim letzten sanft verklingenden „Mmmm“ wieder als eine Stimme präsentierte. Beeindruckend geriet auch die Rhythmusarbeit bei „The boy on the island“ mit Solistin Jadie Plücker. In der postmodernen Polyfonie des abschließenden „Adiemus“ fühlten sich die jungen Meister der leisen Töne wie zu Hause, mit der einstigen Benz-Werbung als Finale erreichte der Kammerchor seinen Gipfel der Klangkultur. Mit „Symphonie“ von Silbermond als Gastgeschenk in deutscher Sprache eröffnete der polnische Chor „Nadzieja“ seinen Auftritt. Solist Pawel Kloska begann vergleichsweise schüchtern mit seiner hellen Tenorstimme, gewann aber mehr und mehr an Selbstvertrauen und Strahlkraft. Mit ihrem kräftigen Alt stimmte Monika Domek ein zuversichtliches „I believe I can fly“ an und verfügte im weiteren Verlauf über ein beeindruckendes stimmliches Steigerungspotenzial. Geradezu entfesselt wirkten Chor und Solistin Ela Michalak beim mitreißend intonierten „In your head“ von „Zombie“ (Cranberries). Beim abschließenden „Libertatum“ schien der Spuk gebannt. Herrlich friedliche sakrale Klänge eröffneten die Komposition von J. Papoulis. Tatsächlich erwies sich die Phase mit den himmlisch reinen Stimmen als die Ruhe vor einem Sturm, in dem Dirigent Michael Gacka sämtliche dynamischen Register zog: vokale Virtuosität auf höchstem Niveau.Auch der „Coro de Camera Cadenzia“ aus Puebla unter der Leitung von Professor Ricardo Garcia erwies sich vom ersten Takt an als bewegungsfreudiges Vokalensemble. Zu den unverkennbar mexikanischen Harmonien bei ihrer Hymne an die Heimstadt erwies sich der Hüftschwung als stilistisches Ausdrucksmittel, bei „La Bamba“ streckten die immer noch in einer Reihe tanzenden Sängerinnen dem Publikum schon verlockend die Arme entgegen und das Liebeslied an Mexico schien auf dem besten Weg zu einer Fiesta, ehe sich der Sängerblock bei „Beautiful“ gewissermaßen atomisierte. Während der Ballade war der Chor permanent in Bewegung, Gruppen fanden sich und zerstoben, einzelne Sätze gerieten zu Kurz-Solopartien. Beeindruckend anders und unvergesslich wie auch die Duettversion des Journey-Klassikers „Don’t Stop believin‘“, zu der die Solistin Abigail Marinez Limon und Victor Manuel Carbajol ein flottes Tänzchen aufs Parkett legten. Mit „Joyfull“ und einer Tanzshow im Motown-Stil, bei der es auch im Publikum kein Halten gab, gingen die lebhafteste Show des Abends und das Konzert zu Ende. (ahi)

Kommentare