Zwischenbilanz ein Jahr nach Verkauf des Bad Arolser Baudenkmals

Drei Säulen für Haus Schreiber

Das Schreiber‘sche Haus wird seit einem Jahr von der Schäfer-Stiftung mit einem breiten Förderkreis getragen. Unser Foto entstand vor der Dauerleihgabe „Johann Sebastian Bach spielt für Friedrich den Großen an der Orgel“, gemalt 1876 von Hermann Kaulbach und zeigt v.l. Udo Reuter, Heinz Jürgen Schäfer, Bürgermeister Jürgen van der Horst, Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab, Stadtrat Udo Jost und Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Als der Magistrat im vergangenen Jahr ankündigte, das Schreiber‘sche Haus verkaufen zu wollen, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Kulturförderer in Nordwaldeck.

Heute gilt das damals gefundene bürgerschaftliche Trägermodell mit einem breiten Förderkreis als Musterbeispiel für ein zukunftsträchtiges Finanzierungskonzept für Baudenkmale.

Möglich wurde der Verkauf eines der ältesten und prächtigsten Wohnhäuser der Stadt bei gleichzeitiger Fortführung des bisherigen Museumskonzeptes durch das Engagement der Schäfer-Stiftung. Der aus Arolsen stammende, erfolgreiche Banker Heinz Jürgen Schäfer und seine Ehefrau hatten sich vorgenommen, das Kulturleben in der Stadt zu unterstützen und zu diesem Zweck eine Stiftung zu gründen. Für den Ankauf des Schreiber‘schen Hauses stockten beide das Stiftungskapital noch einmal auf.

Weil die derzeitigen Niedrigzinsen nicht ausreichen, die laufenden Betriebskosten aus dem Stiftungskapital zu erwirtschaften, wurde ein Drei-Säulen-Modell in Vertragsform gegossen, das den Museumsbetrieb auf lange Sicht sicherstellen sollen. Neben der Stiftung verpflichtet sich die Stadt, einen bestimmten Teil der Kosten zu übernehmen. Den größten Batzen aber, 17500 Euro, pro Jahr bringt der Verein „Bürger für das Schreiber‘sche Haus“ auf.

In diesen Fonds überweisen engagierte Arolser Bürger jeden Moant kleine und große Beträge. Darüber hinaus finden sich immer wieder Einzelspender. Langfristig aber wünscht sich Udo Reuter vom Museumsverein mehr regelmäßig Spender, um die Mammutaufgabe zu stemmen.

Stifter Heinz Jürgen Schäfer rechnet vor, dass der Gebäudeunterhalt pro Jahr rund 40000 Euro verschlingt: Mit 10000 Euro schlagen alleine Versicherungen, Brandmelde- und Alarmanlagen zu Buche. Gartenpflege und Hausmeister kosten rund 6000 Euro im Jahr, weitere 6000 Euro die übrige Unterhaltung. Die Energiekosten stellten bisher mit 17500 Euro die größte Ausgabe-position dar.

Um diese Kosten dauerhaft zu senken wurden rund 30000 Euro in eine neue, moderne Heizung mit Luft-Wasser-Wärmepumpe investiert. Was diese Investition am Ende gebracht hat, wird sich erst nach der ersten vollständigen Heizperiode erweisen.

Außerdem wurden die Fenster und Fensterläden der Fassade zur Schlossstraße restauriert, faulende Teile ersetzt, die Läden neu gestrichen. Zu all diesen Maßnahmen gab das Landesamt für Denkmalpflege einen Zuschuss von 5000 Euro.

Unterdessen lief der Museumsbetrieb wie gewohnt weiter. Die Kabinett-Ausstellung „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ fand zahlreiche Besucher und wurde auch in Hörfunk und Fernsehbeiträgen gewürdigt.

Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab bestätigte gestern, dass auch er zunächst geschockt gewesen sei, als er von den Verkaufsabsichten gehört habe. Inzwischen aber sei er begeistert vom Trägerkonzept: Denkmalpflege, Kultur und Bad Arolsen gehören einfach zusammen.“

Bürgermeister Jürgen van der Horst dankte allen, die den Erhalt des Schreiber‘schen Hauses als „Projekt bürgerschaftlichen Engagements“ verstehen. Wer sich mit Spenden daran beteiligen möchte, sollte sich an das Museum der Stadt wenden, Telefon 05691/625734.

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