Udorf/Kohlgrund

Durch die Grenzänderung wird Udorfs Schützenkönig ein echter Marsberger

- Marsberg-Udorf (-es-). Es lag nicht an den Nachbarn, dass die Udorfer jahrzehntelang auf eine Grenzänderung gedrängt haben. Vielmehr waren es behördliche Hindernisse, die den Grenzverlauf so problematisch machten.

„Wir haben die besten Nachbarn, die man sich wünschen kann“, versicherte der Udorfer Ortsvorsteher Johannes Müller mit Blick auf die waldeckischen Nachbarorte Kohlgrund und Massenhausen. Dennoch sei es auf Dauer nicht hinnehmbar gewesen, dass die Landesgrenze quer durch die Schützenhalle verlief. Vor allem die Familie des amtierenden Schützenkönigs, Dirk Becker, hatte unter den ungewöhnlichen Umständen zu leiden: Mussten die Kinder in Arolsen oder in Marsberg angemeldet werden. Und welche Schule war zuständig? Dann gab es noch die Probleme mit der Postzustellung. Kurzum: Es wurde Zeit, dass endlich gehandelt wurden. Vor über 40 Jahren hatte der Vater des heutigen Ortsvorstehers die ersten Anstöße gegeben, doch dann war immer wieder alles in der Ministerialbürokratie hängengeblieben. Es musste erst ein neudorfer Minister her, der die Verhältnisse kannte, und in Wiesbaden und dann auf Umwegen auch in Düsseldorf den nötigen Druck machte. So traf es sich gut, dass der Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Innenministerium aus Marsberg stammt, und auch seine Beamten auf die Sache ansetzen konnte. An all die vielen Verwicklung, die in über vier Jahrzehnten die Grenzänderung verzögerten, wurde am Sonntagnachmittag bei einer Feier im Dorfgemeinschaftshaus von Udorf erinnert. Dazu waren neben dem Landrat des Hochsauerlandkreises, Dr. Karl Schneider, auch der Marsberger Bürgermeister Hubertus Klenner, die Ortsvorsteher von Massenhausen und Kohlgrund sowie Vertreter des Bad Arolser Magistrats und der langjährige Staatsminister Wilhelm Dietzel gekommen. „Es gab zwei Möglichkeiten das Grenzproblem zu lösen“, fasste Dietzel aus seiner Sicht die Dinge augenzwinkernd zusammen: „Entweder hätte Udorf die Flächen der Kohlgrunder Gemarkung zugeschlagen bekommen, oder aber Udorf wäre nach Waldeck gekommen.“ Tatsächlich war Udorf von 1650 bis 1760 Teil der Grafschaft Waldeck, erinnerte Ortsvorsteher Johannes Müller. Erst durch Napoleons Einfluss sei Udorf dem Königreich Westfalen zugefallen. Über die jahrhudnerte hätten die Zuständigkeiten mehrfach zwischen dem kur-kölnischen Sauerland und deGrafschaft Waldeck gewechselt.Mit dem Empfang im Dorfgemeinschaftshaus sind die Feiern in udorf aber noch nicht beendet. Im kommenden Frühjahr wird es voraussichtlich noch einen Schnadezug entlang der alten und neuen Grenze geben. Außerdem wird Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in Udorf erwartet. Schließlich wird nächstes Jahr bei den westfälischen Nachbarn ein neuer Landtag gewählt.

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