Schmillinghäuser Sportlerin hat den Grindelwalder „Genusstrail“ genossen

Wie eine Bergziege auf und ab

Geschafft! Tanja Neumeier aus Schmillinghausen hat am „Genusstrail“ durch die Schweizer Berge teilgenommen. Fotos: pr

Bad Arolsen-Schmillinghausen. - Den 21. Schmillinghäuser Volkslauf am Sonnabend, 22. August, nimmt Tanja Neumeier zum Anlass für einen Besuch in ihrer alten Heimat. Wenn das Wetter und die Beine mitspielen, wird sie in Schmillinghausen die Halbmarathon-Distanz laufen.

Die 43-jährige durchtrainierte Sportlerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie wohnt in Dortmund und arbeitet als Sportfachwirtin und Lauftrainerin.

Seit mehr als 25 Jahren hält sie dem TSV Schmillinghausen die Treue. Als Teenie spielte sie hier Fußball, kam über die Schule zum Jazz-Tanz, besuchte Fitness-Studios und machte Trainer-Scheine.

Sportlich sucht sie immer neue Herausforderungen. Tanja Neumeier hat schon sechs Marathons absolviert, im vergangenen Jahr war sie in Berlin dabei, dieses Frühjahr in Hamburg. Ihren nächsten Marathon will sie im September laufen. Am Wochenende eben den Halbmarathon in Schmillinghausen.

Ihr letztes großes Lauf-Erlebnis hatte die Schmillinghäuserin Mitte Juli in der Schweiz. Zusammen mit 1800 Teilnehmern war sie beim Eiger Ultra Trail rund um Grindelwald dabei. Es gab Strecken über 16, 51 und 101 Kilometer zur Auswahl. Die Schmillinghäuserin entschied sich hier als Anfängerin für die kürzeste Strecke mit beachtlichen Höhenunterschieden.

„Eine neue Bergziege ist geboren“, schrieb sie am Tag danach in ihrem Internet-Blog:

„Da ich mich schon eine Weile für Trailrunning interessierte und der Eiger, ein bekannter und legendärer fast 4000er Berg ist, sah ich mir die Homepage von diesem Lauf etwas genauer an. Zu meiner Freude sah ich, dass es dort einen 16-km-Traillauf für Ersttrailläufer gibt, den sogenannten Genusstrail. 16 Kilometer hören sich für mich als mehrfache Halbmarathon- und Marathonläuferin nicht viel an.

Vorbereitung im Flachland

Aber ich hatte Respekt vor den 960 Höhenmetern auf diesen wenigen Kilometern. Das Laufprofil auf der Homepage zeigte einem auch direkt an, dass es heftig bergauf und auch wieder bergab gehen sollte. Im Angebot gab es dann noch die Strecken E51 und E101, sprich 51 oder 101 km mit 3100 bzw. 6700 Höhenmetern. Und das war mir für den ersten Bergtraillauf dann doch etwas zu viel.“

Aber wie bereitet man sich im Mittelgebirge mit den verhältnismäßig kleinen Hügeln auf so einen Lauf vor?

Neumeier: „Ich habe in der Bittermark ein paarmal die Berge unter meine Füße und Beine genommen und auch bei ein paar anderen Läufen war ein wenig „Bergtraining“ dabei. Aber alles nicht zu vergleichen mit den echten Bergen in der Schweiz. Ein dreiviertel Jahr vorher habe ich mir als selbstständige Lauf- und Personaltrainerin einen Trainingsplan geschrieben, um diesen Lauf so bestmöglich zu meistern. (...)“

Dann war es schließlich so weit: Pünktlich um 10 Uhr wurden 500 Starter auf den E16 geschickt: „So liefen wir also los, zuerst durch den Ort Grindelwald, vorbei an den Zuschauern. Dann ging es recht schnell raus in die Landschaft. Die Wege wurden schmaler, aus Asphalt wurden Wald- und Wiesenwege. Wir waren gerade mal zwei Kilometer unterwegs, da fingen die ersten Läufer bereits an zu gehen. Ich war ein wenig überrascht, aber ein paar Meter weiter tat ich es ihnen gleich. Lieber piano angehen als gleich auf den nächsten Kilometern komplett platt zu sein.“

Immer neue Anstiege

Nach etwa 2,5 Kilometern gab es eine leichte Entspannung. Es ging bergab. Aber nicht lange. Der Berg rief und von nun an ging es nur noch bergauf bis Kilometer sechs. Das ging ganz schön in die Beine. Teilweise waren es wieder asphaltierte Bergstraßen, Schotterwege und Wiesentrails, die sich abwechselten.

Von Kilometer sieben bis zwölf ging es immer wieder auf und ab. Hier waren die schönsten Trails durch die Wiesen und Hänge. Unterwegs immer wieder Versorgungsposten. Und bei jedem genehmigte sich Tanja Neumeier ein Wasser und ein Elektrolyte-Getränk.

„Stark atmend wie noch nie bei einem Lauf lief ich Kilometer und Kilometer weiter. Ob das auch an der Höhe lag? Was mir auffiel, selbst die kurzen geraden Stücke zwischen den Anstiegen waren anstrengend zu laufen. Ich spürte einfach die gelaufenen Höhenmeter in meinen Beinen, in meinem Körper. Das ist schon anders als sonst bei Straßenläufen.“ Ab Kilometer zwölf ging es los mit dem spritzigen Downhill. „Das hat mir richtig viel Spaß gemacht!“ Aber dann wurde es nochmal schwer. Bei Kilometer 14 ging es nochmal berghoch. Und irgendwie kam das Ziel nicht in Sicht. Dann endlich waren die Lautsprecher vom Eventgelände zu hören! Die Pfeile auf dem Asphalt wiesen den Weg zum Zieleinlauf.

„Ich lief auf die Holzbrücke, die extra für den Lauf gebaut worden war. Und da standen meine Mädels und jubelten mir zu! Was für ein schönes Gefühl ... und dann musste ich nur noch die steile Rampe runter und ab ins Ziel ... Geschafft! Mein 1. Bergtraillauf - die Uhr blieb stehen bei 02:36:02 Stunden und 17,47 Kilometer. Mit dieser Zeit erreichte ich einen 98. Platz aller 195 Frauen beim E16 und den 24. Platz von 59 Frauen in meiner Altersklasse. Das ist für mich ein überraschend gutes Ergebnis.“

Mehr dazu im Internet unter: www.eigerultratrail.ch/deund bei www.tanja-neumeier.de

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