Schausteller des Viehmarktes und Magistrat stehen zusammen

Wie eine große Familie

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Auszeichnung für jahrzehntelange  Schausteller auf dem Bad Arolser Viehmarkt: links Wilhelm Schemel, rechts:  Siegbert Friedt, in der Mitte Familie Wiehemeier und Amadoü Niang.

Bad Arolsen. Der Kram- und Viehmarkt ist auch deshalb so erfolgreich, weil fleißige Schaustellerfamilien aus ganz Deutschland ihm seit vielen Jahrzehnten die Treue halten.

Das wissen Magistrat und Viehmarktskommission zu schätzen und laden daher die Schausteller am Vorabend jeder Viehmarktseröffnung zu einer Besprechung in familiärer Umgebung zusammen. Der Besprechung vorgeschaltet ist seit einigen Jahren ein Fußballspiel, bei dem eine Auswahl der Schausteller auf eine Auswahl der Stadtverwaltung und des Stadtparlamentes trifft.

Auf dem TuSpo-Gelände an der Hagenstraße endete das Spiel nach regulärer Spielzeit mit 4:4 Toren. Weil die Schausteller auf eine Entscheidung drängten, wurde ein Elfmeterschießen ausgerichtet, sodass Stadt Bad Arolsen die Partie am Ende mit 6:5 Toren gewann. Es war der dritte Bad Arolser Sieg in Folge.

Impressionen vom Viehmarkt bei Nacht

 Bürgermeister Jürgen van der Horst nutzte die Gelegenheit, um langjährige Schausteller auszuzeichnen. Seit 60 Jahren hält Wilhelm Schemel dem Markt die Treue. Bereits in den 50er-Jahren kam er mit dem Kinderkarussell seiner Eltern nach Bad Arolsen.

Damals reisten zahlreiche Beschicker noch mit dem Sonderzug an. Am Helser Bahnhof wurden dann die Karussells entladen.

Seit 40 Jahren prägen die Familien Friedt und Wiehemeier den Kram- und Viehmarkt. Ihre Geschäfte „Schinderhannes“ und der Fischimbiss am Gewerbezelt sind bei den Besuchern sehr beliebt. Ebenfalls seit 40 Jahren verkauft Amadoü Niang Lederwaren, Schmuck und Geschenkartikel auf dem Markt, neuerdings mit seinem Sohn Paco.

Überregelementiert

„Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, werden immer schwieriger“, klagte Wilhelm Schemel bei der Schaustellerbesprechung vor Eröffnung des 258. Bad Arolser Kram- und Viehmarktes. Mit seiner Kritik spielte der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerverbandes nicht auf die konkreten Rahmenbedingungen in Bad Arolsen an, sondern vielmehr auf die gesetzlichen Vorgaben von Bund und Ländern.

Deutlicher wurde Siegbert Friedt, der auf die Umsetzung neuer DIN-Vorschriften bei Fahrgeschäften einging: Während im europäischen Ausland großzügig Ausnahmeregelungen und Bestandsschutz gelten würden, müsse in Deutschland immer alles sofort und vollständig umgesetzt werden.

 Friedt: „Unser Gewerbe steht immer mehr unter Druck. Manchmal frage ich mich, warum machst du das überhaupt noch?“ Die immer neuen Vorschriften dürften nicht den Spaß am Beruf kaputtmachen, forderte Friedt unter dem Applaus seiner Berufskollegen.

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