Stellmacher führt Handwerk im Museum Volkmarsen vor

Einer der letzten seiner Zunft

Volkmarsen/Waldeck - Erfunden hat er das Rad zwar nicht, aber wie ein Wagenrad gebaut wird, hat Helmut Plutz von der Pike auf gelernt.

Stellmacher Plutz wurde 1934 als zweiter von drei Söhnen in Dehringhausen geboren. Weil sein ältester Bruder als Erstgeborener den Hof erbte, ging der junge Helmut 1948 bei der Korbacher Firma Schmalz in die Stellmacher-Lehre. Für den damals 14-jährigen Dehringhäuser war es sehr aufregend, so früh das Elternhaus zu verlassen, um gemeinsam mit einem Vöhler und einem Korbacher Jungen das Handwerk zu erlernen. Damals hatte noch jedes Dorf zwei oder drei Stellmacher. Denn diese Berufsgruppe stellte nicht nur die Räder für Fuhrwerke her. Achsgestelle und komplette Karosserien kamen aus den Werkstätten der Stellmacher. Die Herstellung von Handwagen, Ackerwagen, Autokarosserien, ganzen Eisenbahnwaggons, aber auch Spinnrädern erforderte handwerkliches Geschick und genaue Berechnung der Bauteile, um gute Laufeigenschaften zu gewährleisten. Ohne computergesteuerte CNC-Fräsen wurde noch mit Schinder, Schab- und Zughobel per Muskelkraft und „mit Köpfchen“ gearbeitet.

Der Lehrplan war sehr umfangreich und überschnitt sich mit den Disziplinen der Tischler, Schmiede, Schlosser, Gürtler und technischen Zeichner. Von der Auswahl des zur richtigen Zeit geschlagenen Holzes bis zur ansprechenden Gestaltung des Wageninneren musste der Stellmacher mit allen Aspekten der Fahrzeugherstellung vertraut sein – bis die fortschreitende Industrialisierung mit Fließband und Gummireifen das Können der Stellmacher überflüssig machte.

Seit 50 Jahren gibt es den Ausbildungsberuf nicht mehr. Helmut Plutz ist also einer der Letzten seiner Zunft. Dass Schwiegervater Himmelmann in seiner Dehringhäuser Schreinerei Treppen herstellte, passte gut zur beruflichen Richtung, so schloss Plutz noch eine Tischlerausbildung an. Der Treppenbau machte ihm Spaß, und er führte die Werkstatt erfolgreich bis zu seinem Ruhestand fort. Seine Kinder haben sich für andere Berufe entschieden, und Vater Plutz lehnte es ab, auf die familiäre Betriebsfortführung zu drängen. Doch in seiner Werkstatt fühlt Plutz sich immer noch wohl. Hier und da nimmt er kleine Reparaturaufträge an und hat eine eigene Spezialität entwickelt: Er vereint verschiedenfarbige Hölzer, indem er sie zusammenleimt, und stellt aus den bunten Blöcken hübsch gemusterte Utensilien her.

Schon manche Kerzenständer, Tischlein und Becher aus der Werkstatt des 81-Jährigen haben als kleines Geschenk ihren Empfänger begeistert. Zur Eröffnung der Museumssaison am 10. Mai ab 11 Uhr zeigt der rüstige Rentner im Heimatmuseum Haus Dr. Bock an der Kasseler Straße seine Kunst und demonstriert im Rahmen der Vorstellung alter Handwerksberufe den Zusammenbau eines hölzernen Wagenrads. (ugy)

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