Frauen am Steuer brauchen sich vor den Herren der Schöpfung nicht zu verstecken

Einparken auf dem Schlosshof

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Bad Arolsen - Der Deutsche Damen-Automobilclub räumt mit Vorurteilen auf: für neunzig Fahrerinnen war am Samstag Einparken im Minutentakt vor dem Residenzschloss angesagt.

Unter dem anspornenden Applaus der ausnahmslos weiblichen Zuschauer am Rand des Parcours galt es, Hindernisse zu umfahren und in einem Zug einzuparken - und zwar auf Zeit, die von unabhängigen Wertungsrichtern akribisch festgehalten wurde.

Eines hätte man(n) dabei zweifelsfrei feststellen können: Frauen können nicht nur Auto fahren, sie beherrschen auch die Kunst, seit- wie rückwärts einzuparken. Technische Tricks waren dabei übrigens tabu, mit abgeklebten Sensoren für die Einparkhilfen steuerten die Fahrerinnen entschlossen ihre Parklücken an.

Die malerische Kulisse im Schlosshof hatte der DDAC-Landesclub Kurhessen als Ausrichter des dreitägigen Treffens des Gesamtclubs ausgesucht. Dieser zählt deutschlandweit 312 Mitglieder, von denen rund 120 anreisten - und begeistert waren, die Geschicklichkeitsübung auf dem barocken Schlosshof fahren zu dürfen.

Der Gesamtclub, bis heute der einzige Automobilclub speziell für Frauen, wurde bereits im Jahr 1926 gegründet. Prominente Namen wie Berta Benz oder Margarete von Opel zählen zu den Vorreiterinnen der Frauen am Steuer. Diese haben bis heute mit manchem Vorurteil zu kämpfen - und im Damenautomobilclub Gelegenheit, regelmäßig das Gegenteil zu beweisen.

Zum Programm des Jahrestreffens der zehn Landesclubs gehört neben der Geschicklichkeitsübung regelmäßig eine Orientierungsfahrt, die die Frauen in unbekannte Gefilde führt. Auch die älteren Fahrerinnen, die nicht mehr selbst an der Rallye teilnahmen, lernten die Region kennen. Das sogenannte „Schlachtenbummlerprogramm“ führte die Damen in die Edelsteinschleiferei in Bergfreiheit und nach Fritzlar. Über das Waldecker Land und den Veranstaltungsort Bad Arolsen ziehen die Frauen des DDAC-Landesclubs nach drei Tagen übrigens ein rundherum positives Resümee. Man habe bei der Planung eine wunderbare Unterstützung durch den Bürgermeister und den Kreis erfahren. Schließlich galt es etwa bei der Rallye, mit mehreren Dutzend Pkw schmale Nebenstrecken und einsam gelegene Höfe zu passieren. „Alle Anfragen wurden genehmigt“, stellte Rita Grimm lachend fest. Untergebracht waren die Teilnehmerinnen im Welcome-Hotel.

(von Sandra Simshäuser)

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