Kommission für Flüchtlingsbetreuung wird vorbereitet

Enorme Hilfsbereitschaft

Diemelstadt - Offene Türen liefen Kreis und Stadt bei vielen Diemelstädtern ein, als um Hilfe bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen gebeten wurde. Eine mit Bürgern besetzte Kommission soll nun auf städtischer Ebene die Arbeit koordinieren.

„Ich bin hellauf begeistert von dieser Hilfsbereitschaft“, sagt Peter Bergmann, der beim Kreis in verschiedenen Gemeinden des Waldecker Landes für die Betreuung von 200 Asylbewerbern zuständig ist, darunter auch Diemelstadt: „Das habe ich früher nicht erlebt.“ Den von acht ehrenamtlichen Kräften gebotenen Deutschunterricht bezeichnete er als „genial“. Viel Arbeit werde auch in den Patenschaften geleistet, da biete der Landkreis gerne seine Hilfe an. Als sinnvoll bezeichnet er auch die Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten: „Wenn die Menschen was zu tun haben, sind sie glücklich.“ Um die Aufgaben auf der ehrenamtlichen Ebene und die hauptamtliche Arbeit in Diemelstadt besser aufeinander abzustimmen, wird nun ergänzend zur Koordinationsstelle beim Landkreis eine Kommission der Stadt gebildet. Rund 40 Interessierte aus der Großgemeinde kamen in Rhoden auf Einladung von Bürgermeister Elmar Schröder zusammen, um die Möglichkeiten der Betreuung und nicht zuletzt die Koordination der Hilfen zu besprechen. Ein grobes Raster der Kommissionsarbeit zeichnete der Rathauschef auf: Unter Regie des Magistrates, bei dem dieses Gremium aufgrund der Gemeindeordnung angesiedelt ist, würden Kirchengemeinden, Mittwochskreis und Ökumenische Gemeinschaft Wethen die Bereiche Patenschaften, Kleiderkammer, Möbelliste und Spenden übernehmen. Neben dem ehrenamtlich erteilten Deutschunterricht für noch nicht anerkannte Asylbewerber, der aus organisatorischen Gründen über die Volkshochschule in der Grundschule Wrexen erteilt wird, soll im Gemeinschaftshaus Rhoden Sprachunterricht im Rahmen der vom Bund finanzierten Integrationskurse stattfinden. Paten können mit Flüchtlingen Einkaufen gehen, sie zum Arzt bringen oder ihnen einfach Gesellschaft leisten und Ausflüge mit ihnen unternehmen. Gemeinsam mit der Handwerkskammer sollen Arbeitsmöglichkeiten ausgelotet werden. Auch die Vereine können sich an der Betreuung beteiligen. Inzwischen hat sich ein weit gespanntes Netzwerk gebildet. Die Ehrenamtlichen können bei ihrem Engagement schnell an ihre Grenzen kommen, wie Pfarrerin Elke Carl deutlich machte. Dies zeige sich gerade bei Traumatisierten, denen auch Seelsorger nicht die benötigte professionelle Hilfe geben könnten. Die Arbeit ehrenamtlicher Betreuer sei wichtig, doch dürften sie nicht enttäuscht sein, wenn sie nicht unmittelbar Lob erfahren. Hinzu komme, dass viele Flüchtlinge nur sehr kurze Zeit in Diemelstadt blieben. Landrat Dr. Reinhard Kubat hat in dieser Woche mitgeteilt, dass in Diemelstadt momentan keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen werden sollten. Derzeit werden 100 Asylsuchende betreut. Wichtig seien Information und Integrationsbemühungen, sagte der Stadtverordnete Jürgen Pawelzig. „Ansonsten wären Flüchtlinge nur eine graue Masse, von der man nichts weiß.“ Es gebe viel Stammtischgerede in Wrexen, berichtete Karina Oderwald. Kritik wurde an einem vor zwei Monaten erschienenen Leserbrief geübt. Darin wird von Asylbewerbern geschrieben, die sich ein gutes Leben in Deutschland machten und gut gekleidet mit Handy beobachtet worden seien. In der Diskussionsrunde in Rhoden wurde jedoch diese Pauschalverurteilung zurückgewiesen: Mobiltelefone böten häufig die einzige Verbindungsmöglichkeit zu den nach wie vor durch Krieg oder Terror bedrohten Verwandten im Heimatland. Wie geht es weiter? Ein weiteres Treffen ist für die letzte Woche im April vereinbart worden. In der nächsten Stadtverordnetensitzung im Mai sollen die Mitglieder der Kommission berufen werden. (ah)

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