Volkmarser Geschichtswerkstatt wird bundesweit wahrgenommen

Erinnerung wachhalten

Der neue Vorstand des Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen“: v.l. Kassierer Manfred Flore, Vorsitzender Ernst Klein, 2. Schriftführerin Claudia Kreller, 2. Vorsitzender Artur Hartmann, Schriftführerin Brigitte Klein. Auf dem Foto fehlt der weitere 2. Vorsitzende Frank Krakenberg. Foto: Schulten

Volkmarsen - Wertvolle Erinnerungsarbeit leistet der Verein „Rückblende - Gegen das Vergessen“ mit seiner Geschichtswerkstatt im Haus Dr. Bock seit 20 Jahren.

Dieses Jubiläum wird am 3. Juni mit einer Festveranstaltung begangen. Dazu sind unter anderem auch die stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung „Gegen das Vergessen - Für Demokratie“, Dr. Irmgard Schwaet­zer, in der Kugelsburgstadt erwartet. Die ehemalige Bundesministerin und FDP-Politikerin ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie wird über „Erinnerungsarbeit zur Stärkung unserer Demokratie“ sprechen.

Bei der Jahreshauptversammlung des 144 Mitglieder zählenden Volkmarser Vereins zog Vorsitzender Ernst Klein eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Zahlreiche Gruppen aus dem In- und Ausland seien in der Dauerausstellung über das jüdische Leben in der Region im Haus Dr. Bock empfangen worden. Die Geschichtswerkstatt sei zu einem weithin anerkannten außerschulischen Lernort geworden.

Ohne den städtischen Haushalt zu beanspruchen trage der Verein dauerhaft zu einer positiven Außenwahrnehmung der Stadt bei. Der Verein richte seit 1994 jährliche Gedenkveranstaltungen für die Opfer der November-Pogrome von 1938 aus.

Zu einem wahren Besuchermagneten habe sich das etwa 500 Jahre alte Ritualbad im Gewölbekeller eines Hauses im Steinweg entwickelt. Der Fund habe auch bundesweit Aufsehen erregt.

Beachtlich auch diese Zahlen: Die Internetseite des Vereins, www.rueckblende-volkmarsen.de, sei im vergangenen Jahr 107468-mal aufgerufen worden, die englischsprachige Seite immerhin 1255-mal.

Um dem Verein auch in Zukunft die steuerliche Gemeinnützigkeit zu erhalten, beschloss die Mitgliederversammlung eine Reihe von Änderungen der Vereinssatzung. Vor allem wurden der Vereinszweck weiter konkretisiert und eine Regelung über die Verwendung des Vereinsvermögens im Falle einer Vereinsauflösung in die Satzung aufgenommen. Außerdem wurde der Vorstand um einen weiteren stellvertretenden Vorsitzenden und um eine stellvertretende Schriftführerin erweitert.

Bevor es an die Neubesetzung der Vorstandsämter ging, betonte Vereinsgründer und Hauptmotor Ernst Klein, dass er aus Altersgründen nur noch für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren bereitstehe. Im vergangenen Jahr habe er den Verein bei rund 50 Veranstaltungen vertreten und Vorträge gehalten. Damit gerate er manchmal an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.

In diesem Sinne wurde Klein erneut im Amt bestätigt. Als seine beiden Stellvertreter wählte die Versammlung Artur Hartmann und Frank Krakenberg. Die Kasse verwaltet auch weiterhin Manfred Flore. Als Schriftführerinnen wurden Brigitte Klein und Claudia Kreller gewählt. Zu Kassenprüfern wurden Maria Paesler und Arno Walprecht berufen.

In ihren Grußworten betonten Bürgermeister Hartmut Linnekugel und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke die Bedeutung des Vereins „Rückblende - Gegen das Vergessen“ für die Stadt Volkmarsen und die ganze Region .

Am 27. Mai erwartet der Verein acht polnische Schüler aus dem Nachbarort des ehemaligen Konzentrationslagers Sobibor. Die polnischen Schüler sollen sich gemeinsam mit gleichaltrigen Schülern der Kugelsburg-Schule auf die Spurensuche nach Volkmarser Mädchen begeben, die von den Nazis ins Vernichtungslager deportiert wurden.(es)

Kommentare