CRS-Schülervertretung beschäftigt sich mit Verrohung der Sprache und Sitten

Erst denken, dann reden

+
Der Satiriker und Buchautor Gerhard Henschel war zu Gast bei einer Podiumsveranstaltung der Schülervertretung an der Christian-Rauch-Schule. Die Gesprächsleitung hatten Carla Beckmann und Kathrin Sandhäger.

Bad Arolsen. Die Verrohung der Sprache war Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die Schülervertretung der Christian-Rauch-Schule den Buchautor und Satiriker Gerhard Henschel eingeladen hatte.

Der Bogen reichte von Dieter Bohlens öffentlichen Verrissen von jungen Sängern bis zu Jan Böhmermann, von beliebten Gangsta-Rappern bis zu billigen TV-Eigenproduktionen von RTL2.

 Dass er die fein gedrechselte Sprache beherrscht, hat Henschel unter anderem in seinen sechs autobiografischen Romanen über Kindheit und Jugend des Martin Schlosser bewiesen.

Aber ebenso hat sich Henschel einen Namen als bissiger Satiriker in Zeitschriften wie Titanic und Simplicissimus gemacht. Ausgewiesener Experte für deftige Kraftausdrücke ist Henschel nicht erst seit seiner Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung, ihrem Chefredakteur Kai Diekmann und dem Springer-Verlag als Ganzes.

ABSTOßENDE FÄKALSPRACHE

Die Schüler hatten sich im Vorfeld des Expertenbesuches schon im Deutschunterricht vorbereitet und sich mit der Fäkalsprache in aktueller Rap-Musik beschäftigt. Aber auch der raue Umgangston, der im Reality-TV etwa bei RTL-2-Serien herrscht, wurde thematisiert. „Mich langweilt es, jungen Männern zuzuhören, die nur auf dicke Hose machen“, kommentierte Henschel die Video-Einspielungen von Gangsta-Rap-Clips.

Breiten Raum nahm in der Schülerdiskussion das rüde Auftreten von Dieter Bohlen beim TV-Event „Deutschland sucht den Superstar“ ein. Wenn Bohlen Jugendliche auf der Bühne der Lächerlichkeit preisgebe und einem Millionenpublikum zum Fraß vorwerfe, dann bediene er nur Schadenfreude der Zuschauer, eines der ältesten Laster, so Henschel.

 Der Autor, der es selbst für nötig hält, gelegentlich einen groben Keil auf einen groben Klotz zu setzen, bekräftigte, dass es immer sinnvoll sei, erst nachzudenken, bevor man den Schnabel aufmache. Auch wenn es im Einzelfall nötig sein könne, einen Kraftausdruck zu verwenden, dürfe Fäkalsprache nicht Teil des regulären Sprachgebrauchs werden.

Er sei ein Freund der Liberalisierung, sehe aber mit Ekel und Abscheu, was im öffentlichen Raum gesagt werde. Zur aktuellen Debatte um das Erdogan-Schmähgedicht von Jan Böhmermann kommentierte Henschel: „Man hätte Erdogan mit einem Florettstich zum Platzen bringen können. Aber Böhmermann habe sich für die Dampframme entschieden. Henschel: „Ich fand das abscheulich. Und nun hat Erdogan auch noch eine juristische Handhabe.“

Kommentare