Bauarbeiten beginnen im Frühjahr im Stadtwald Mengeringhausen

Erste Genehmigung für Windpark

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Die Baugenehmigung für die ersten sechs Windkraftanlagen im Stadtwald bei Mengeringhausen ist erteilt worden. Mit den Arbeiten wird in Kürze begonnen, ans Netz sollen die Anlagen zum Jahresende gehen.

Auf siebzig Seiten erstreckt sich die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, mit der das Regierungspräsidium in Kassel die Freigabe zum Ende vorigen Jahres für die ersten sechs Windmühlen erteilt hat, wie Projektleiter Ekkehard Darge von der international tätigen Firma wpd gestern zusammen mit Bürgermeister Jürgen van der Horst mitteilte.

Errichtet werden zunächst sechs Windkraftanlagen des Typs Nordex N 117 mit einer Gesamthöhe von 199 Metern. Die Anlagen werden auf dem Höhenzug zwischen Kahlenberg und Matzenhöhe entstehen. Dazwischen sollen die übrigen drei geplanten Windkraftanlagen entstehen. Hierfür läuft das Genehmigungsverfahren noch. Laut Darge werden diese Windmühlen vor 2016 nicht ans Netz gehen.

Die wpd hat die Vorbereitungen, wie den Einkauf der Nordex-Windkraftanlagen und die Finanzierung, schon so weit vorbereitet, das nun mit den ersten Arbeiten begonnen werden kann. Noch vor der Brutsaison müssen die Bäume im Stadtwald gefällt werden. Die Holzmenge entspricht etwa dem Einschlag eines Jahres. Vorhandene Wege werden genutzt und für die großen Fahrzeuge verbreitert, die die Baustelle anfahren müssen. Dabei wird darauf verzichtet, so häufig begangene Wege wie den zur Warte zu nutzen. Die Anlagen sollen alle an ein eigenes Umspannwerk von wpd neben dem großen Umspannwerk Twistetal angeschlossen werden. Dort wird die Spannung aus den Windkraftanlagen von 30 000 auf 110 000 Volt transformiert. Der Strom könne permanent eingespeist werden. Dafür stehen dann auch die 380 kV-Überlandleitungen bereit. Die Windmühlen werden 1300 bis 2000 Meter von der Wohnbebauung in der Ortslage entfernt entstehen. „Deutlich weiter entfernt als die in Hessen geforderten 1000 Meter und als in anderen Ortsteilen “, stellte der Rathauschef fest.

Von den sechs ersten Anlagen soll eine als Bürgerwindanlage von der Stadt angeboten werden. Dazu müssten unter anderem steuer- und wettbewerbsrechtliche Frage geklärt werden. Der Vertrag mit wpd sieht vor, den Bürgern eine Möglichkeit zur Investition im Windpark anzubieten. Bei Inbetriebnahme der Windkraftanlagen werden alle Kosten genau vorliegen. Dann wird die Stadt hierzu eine Entscheidung fällen und die Bürger gesondert informieren, wie es dazu in einer gestern verbreiteten Mitteilung von Stadt und wpd heißt.

Seit 2009 laufen die Planungen für den Windpark. 16 Standorte waren ursprünglich im Gesprach. Aus naturschutzrechtlichen Gründen wurden Windmühlen in nordwestlicher Lage unter anderem wegen Brutplätzen von Rotmilanen herausgenommen. Zwei weitere Standorte wurden noch im vorigen Jahr gestrichen. Damit würden die Schall_ und Schattenimmissionen für die Bürger verringert, wie Darge mitteilt. 200 000 Euro muss wpd der Stadt Bad Arolsen sowie den Gemeinden Twistetal und Diemelsee für Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung stellen. Renaturierungsmaßnahmen und anderes mehr wird ein eigens beauftragtes Planungsbüro vorschlagen. Neben naturschutzfachlichen Aspekten musste die Nähe zum Flugplatz Mengeringhausen berücksichtigt werden. Hier ist die für die an- und abfliegenden Flugzeuge notwendige Platzrunde angepasst worden. Bürgermeister van der Horst betont, dass das Projekt unter größtmöglicher, weit über die Vorschriften hinausreichender Bürgerbeteiligung in Angriff genommen worden sei: „Wir haben sehr sorgfältig gearbeitet.“ Daher habe es auch lange gedauert, bis endlich die Baugenehmigung erteilt wurde. Nach Protesten der BI, einem knapp gescheiterten Bürgerentscheid, dem Einzug von Windpark-Gegnern in die Stadtverordnetenversammlung folgt nun noch ein von der Bürgerliste beantragter Akteneinsichtsausschuss - der aber wahrscheinlich keine Hindernisse mehr auftürmen dürfte. Der Rathauschef verweist aber auch darauf, dass der Windpark im Stadtwald breite politische Unterstützung habe. Schließlich werde nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern zu der Sanierung des städtischen Haushaltes. Der erstmals nach Jahren gelungene Ausgleich sei ohne die Einnahmen aus Pachten oder Steuern nicht zu erzielen. Darge bezeichnete es als erfreulich, dass nun auch eine Kommune 1:1 die Einnahmen erzielen werde und diese nicht - auf mehrere private Flächeneigentümer verteilt - Neiddebatten auslösten. (ah

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