Leimbinder-Situation in Bad Arolsen nicht mit der in Bad Reichenhall vergleichbar

Experten im Kreishaus: Hallendach ist sicher

Die Großsporthalle in der Fröbelstraße wurde 1991 fertiggestellt. Seit Jahren ist das Dach undicht. In der Halle müssen bei besonderen Wetterlagen Eimer aufgestellt werden. Foto. Elmar Schulten

Bad Arolsen - Die Baufachleute im Kreishaus kennen die Probleme des undichten Hallendaches in der Fröbelstraße, sind aber zuversichtlich, dass die Leimbinderkonstruktion nicht in ihrer Tragfähigkeit gefährdet ist.

Im Rahmen der VfL Jahreshauptversammlung hatte der langjährige Sportlehrer und VfL-Übungsleiter die Befürchtung geäußert, dass die seit Jahren dauerfeuchten Holzleimbinder inzwischen morsch geworden sein könnten.

Aus Sicht der Bauexperten könne jedoch nur von einer „temporären Benässung“ bei „heftigen Witterungsereignissen“ die Rede sein. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme aus dem Kreishaus: „Das Unglück in Bad Reichenhall in Verbindung mit Bad Arolsen zu bringen kann nur als sehr ‚unglücklich‘ bezeichnet werden, da es sich wie bereits gesagt um vollkommen unterschiedliche Dachkonstruktionen handelt.“

Die Dachkonstruktion der Großsporthalle in Bad Arolsen lasse sich in keiner Weise mit der Dachkonstruktion in Bad Reichenhall vergleichen. Die Halle steht unter Beobachtung durch den Eigenbetrieb Gebäudemanagement. Veränderungen bei den Brettschichtholzbindern seien seit der Gefährdungsanalyse, die der Eigenbetrieb im Jahre 2006/2007 nach dem Unglück in Bad Reichenhall durchgeführt habe, nicht festgestellt worden.

Auf eine schriftliche Anfrage der WLZ-Redaktion teilt der Eigenbetrieb Gebäudemanagement außerdem mit, dass die Frage, ob die Undichtigkeiten schon seit Fertigstellung der Halle bestehen, nicht beantwortet werden könne. Im Kreishaus seien die Schäden erst seit 2006 bekannt. Fakt sei, dass es aufgrund der damals gewählten Dachkonstruktion mit innenliegenden, wasserführenden Kehlen immer wieder, je nach Schnee- und Niederschlagsaufkommen, zu Problemen komme. Offenbar seien die Kehlen seinerzeit mit zu wenig Gefälle ausgebildet worden, sodass das anfallende Wasser der Dachflächen nicht vollständig abfließen könne.

Das Regenwasser drücke sich dann unter den Sandwichelementen hoch, dringe hinter den seitlichen Einhangblechen in das Gebäude und läuft an den vorhandenen Brettschichtholzbindern ab. Um ein Durchnässen des Sportbodens zu verhindern, würden je nach Bedarf Eimer an den entsprechenden Stellen aufgestellt.

Erhebliche Kosten

Eine Sanierung des Daches wäre vergleichsweise teuer und aufwendig: Entlang der Kehlen wären die rund acht Meter langen Sandwichplatten aufzunehmen, die Kehle in der Hallenmitte entsprechend anzuheben und dann die Sandwichelemente wieder neu zu verlegen. „Nach unseren Erfahrungen würde ein Eingriff in die Dachkonstruktion, einschl. der notwendigen statischen Ertüchtigungen der Tragkonstruktion, einen Kostenaufwand von rund 500000 bis 750000 Euro verursachen“, heißt es in der Stellungnahme des Eigenbetriebes Gebäudemanagement.

Das Hallendach sei aber sicher: „Durch die temporäre Benässung der Leimbinder auf einem relativ kleinen Bereich wird sich kein Leim auflösen, zumal die Binder keiner permanenten Befeuchtung ausgesetzt werden und in der Halle eine relative konstante Temperatur herrscht.“

Der für den Eigenbetrieb Gebäudemanagement zuständige Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf stellt grundsätzlich dazu fest: „Der Landkreis Waldeck-Frankenberg stellt den Sportvereinen im Kreisgebiet viele Sporthallen kostenlos zur Verfügung. Viele davon sind in den letzten Jahren saniert worden und in einem sehr guten Zustand. Dafür hat der Kreis Mittel in einer Größenordnung von mehreren Millionen Euro aufgewendet. Weitere Millionen werden in den kommenden Jahren investiert. Ziel ist es, überall hochwertige Hallen zur Verfügung zu stellen. Wir haben Verständnis für die Ansprüche der Hallennutzer, bitten aber auch um Verständnis dafür, das dieses Ziel nur nach und nach und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Landkreises erreicht werden kann. Oberste Priorität hat die Sicherheit der Nutzer in den Hallen. Sie wird durch regelmäßige Kontrollen gewährleistet.“

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