BAC-Inszenierung erinnert an Faust

In den Fängen des Teufels

Der Soldat (Andreas Erdmann) hat zwar das Herz der Prinzessin (Sandra Lösekamm) für sich gewonnen, ist aber depressiv.

Bad Arolsen - Am Ende war die Publikumsreaktion so überwältigend wie die Inszenierung selbst: Mit minutenlangem Applaus wurde die Premiere der „Geschichte vom Soldaten“ im BAC-Theater gefeiert.

Für das eingespielte Team um Regisseurin Tina Rummel hat die monatelange Zitterpartie damit ein traumhaftes Ende gefunden. Nach ausgiebigen Planungen und Vorarbeiten, Proben, Sponsorensuche und dem Feilen an Ausstattung und Kostümen ist die Premierenvorstellung letztendlich wie im Traum über die Bühne gegangen.

Zweifellos harte (Konzentrations-)Arbeit bedeutete das für die Darsteller sowie die Profi-musiker und ihren Dirigenten Jan Knobbe, denn so, wie auf den Hintergrundbildern Kandinskys Farben und Formen über die Leinwand flirren, lässt auch der Komponist Igor Strawinsky sein siebenköpfiges Orchester aufspielen - immer wieder um das Wanderthema des herumirrenden Soldaten herum, vom Kontrabass emsig gezupft, selten verhalten, dafür getrieben und schräg und wild, wenn die Klarinette schrillt oder die Violine an den Nerven sägt: Expressio-nismus in Musik umgesetzt.

Gespielt wird grundsätzlich parallel zur Handlung auf der Bühne. Auch Vorleser Peter Famulok, der das häufig pantomimische Bühnengeschehen von seinem Schreibtisch aus erläutert, muss öfter mal gegen das Orchester anreden.

Währenddessen huscht der Blick des Zuschauers zuerst irritiert, dann zunehmend neugierig hin und her, von Licht und Geräusch, Bewegung und Emotionen gelenkt, die mit dem Auftauchen von Soldat, Teufel und Prinzessin verstärkt ins Spiel kommen.

Ist es ein Märchen oder eine Tragödie, das den Zuschauer vom ersten Heben des Vor-hangs an in seinen Bann zieht? Fakt ist, dass das Stück, von Charles Ferdinand Ramuz für eine Wanderbühne geschrieben, selbst im Puppentheater funktionieren würde. Der Soldat ist ein naiver Faust, der Teufel ein gestiefelter Zwilling Mephistos, und das blonde Gretchen, pardon, die Königstochter, wird zum Spielball im Ringen zwischen Gut und Böse.

Wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden lässt der Teufel den Soldaten tanzen, schwatzt ihm dieses auf, nimmt ihm jenes ab. Die schöne Königstochter gewinnt der Soldat dennoch. Doch wer den „Faust“ kennt, ahnt auch, wie die Geschichte weitergeht.

Vor dem Publikum entfaltet sich das Geschehen wie ein Rausch aus Farben, Formen und Klängen. Neben der immer präsenten Musik ziehen die Darsteller mit intensivem Spiel in den Bann: Andreas Erdmann als vom Krieg gezeichneter Soldat, der nun von einer zutiefst dämonisch agierenden „Teu-felin“ Heide Appel gedrillt wird.

Licht ins Dunkel bringt als schöne Prinzessin Sandra Lösekamm, die mit zauberhaften Tanzeinlagen noch eine weitere Komponente in das, nach Bühnenanweisung, „gelesene, gespielte und getanzte“ Stück bringt.

Das klingt fast nach zu viel, funktioniert aber. Für den Zuschauer gilt einfach, sich knapp achtzig Minuten zurückzulehnen und ambitioniertes Musiktheater zu genießen, wie es in Bad Arolsen so schnell nicht mehr zu sehen sein wird.

Weitere Aufführungen der „Geschichte vom Soldaten“ gibt es am 23. und 25. Mai sowie am 13. und 14. Juni jeweils um 19.30 Uhr im BAC-Theater, In den Siepen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 13 Euro, für Jugendliche sieben Euro. Karten gibt es in der Buchhandlung Aumann oder im Internet unter www.bac-theater.de

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