Bad Arolsen Company bringt mit kleinem Ensemble Kästner-Revue auf die Bühne des BAC-Theaters

Fast vergessene Schätze gehoben

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Ursula Braun als „Keine Dame“ im Dialog mit dem „Zeitungsleser“ Reiner Freudenstein.

Bad Arolsen - Bis wohin sich die Zunge der Kultur erstreckt, das zeigt ein kleines, aber feines Ensemble im BAC-Theater in einer lyrischen Melange aus Kästner-Gedichten.

Mal bissig oder melancholisch, abgeklärt und einfühlsam, flott und witzig oder mahnend bis provozierend: all das war Erich Kästner, alle diese Emotionen ließ der Meister (1899 - 1974) in seine Gedichte einfließen. Neben seinen wesentlichen bekannteren Kinderbuchklassikern sind die Qualitäten des in seiner Lyrik zur Höchstform auflaufenden Sprachjongleurs weitgehend untergegangen.

Umso mehr Anerkennung hat das Team des BAC-Theaters um Ideengeber und Regisseur Andreas Erdmann verdient, dem es mit der Collage gelungen ist, die fast vergessenen Schätze zu neuem Leben zu erwecken.

Beeindruckend umgesetzt wird dies im Programm „Nachts sind die Straßen so leer…“, einer szenischen Collage, die Freitagabend vor vollem Haus Premiere feierte. Fünf Charaktere in einer typisch deutschen Parklandschaft („Rasen betreten verboten“), deren Wege sich immer wieder kreuzen, bestimmen den ersten Teil. Das dazu passende Flair der Großstadt zwischen zwei Weltkriegen liefert die Hintergrundmalerei im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Der zweite Teil des Abends gestattet einen Blick in deutsche Lebens- und Wohnverhältnisse. Zum Spiel mit der Sprache gesellt sich das Spiel mit künstlerischen Stilmitteln: das Motiv des ratternden Zuges wird akustisch, der lebendig gewordene Schattenriss optisch in das Geschehen eingebaut. Sparsam eingestreute Gitarren, Querflöten- und Percussion-Klänge der jungen Musiker Till Höhle, Adele Jakumeit und Samuel Lueg unterstreichen behutsam die erzeugte Atmosphäre.

Mit Abstand am beeindruckendsten ist die darstellerische Ausdruckskraft, mit denen die Akteure Kästners Botschaft überbringen und in mitunter überraschende Zusammenhänge stellen. Oft unbequem bis beklemmend im ersten, eher nachdenklich bis heiter im zweiten Teil wirken die von Heide Appel, Sonja Böhlen, Ursula Braun, Julian Vollbracht und Reiner Freudenstein mit Wucht abgefeuerten Worte. Auch ein Kellner (Paul Jäger) und ein Straßenkehrer (Andreas Erdmann) kommen ins Bild - und der Meister, durch den Vorhang lugend, meldet sich „selbst“ zu Wort.

Weitere Aufführungen der Kästner-Revue am 11., 16. und 17. Mai jeweils um 19.30 Uhr im BAC-Theater, In den Siepen. Eintritt: 11 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kartenverkauf über die Buchhandlung Aumann, Tel. 05691/3553. Weitere Infos im Internet unter www.bac-theater.de

(von Sandra Simshäuser)

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