Thomas Viesehon berichtet über seine ersten Eindrücke nach seiner Wahl in den Bundestag

Wie im Film, nur mittendrin

Volkmarsen. - Am Sonntag wurde er in den Bundestag gewählt. Am Dienstag war er schon in Berlin. Thomas Viesehon (40) ist einer von 229 Abgeordneten, die zum ersten Mal in das Parla-ment einziehen.

Dass es mit dem Direktmandat klappen würde, stand für alle politischen Beobachter eigentlich nicht fest. Und auch Thomas Viesehon selbst hat eigentlich eher auf eine Chance als Nachrücker spekuliert. Umso größer war dann die Freude, als er am Sonntagabend erfuhr, dass er mit 228 Stimmen Vorsprung an Ullrich Meßmer von der SPD vorbeigezogen ist. Damit standen auch die nächsten Termine fest: Am Montag kurz Abschied nehmen von seinem Arbeitsplatz in der Raiffeisenbank Volkmarsen, dann ab nach Hofheim, wo sich die 21 hessischen Abgeordneten trafen. Am Dienstag saß er dann im Zug nach Berlin. Neben ihm saß sein Bruder Tobias. Der hatte schon vor Wochen für sich und seine Frau eine touristische Berlinreise gebucht. Viesehon gestern im Gespräch mit der WLZ: „Damals war noch gar nicht daran zu denken, dass wir gemeinsam fahren würden. Das war wirklich ein schöner Zufall.“ Wirtschaftsgewissen Die ersten Schritte als neuer Abgeordneter im Bundestag waren etwas ganz Besonderes. Die Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung waren dabei sehr hilfreich. Der vorläufige Ausweis war schnell ausgestellt. Erste Anlaufstelle war das Büro von Bernd Siebert. Der ist ein alter Hase im Bundestag und stellte sein Büro für eine Übergangszeit zur Verfügung. Viesehon: „Ich muss ja jetzt möglichst schnell arbeitsfähig werden. Dazu gehören das eigene Büro, die neue E-Mail-Adresse und ein 
eigener Mitarbeiterstab.“ Über die Details, die dabei zu beachten sind, gab es eine Informationsveranstaltung der Bundestagsverwaltung. Dann ein Treffen des Fraktionskreises Mittelstand. Viesehon: „Das ist so etwas wie das Wirtschaftsgewissen der CDU. Da gehöre ich als Bankkaufmann auch hin.“ Schließlich, noch wichtiger, die erste Fraktionssitzung: Am Telefon schilderte Viesehon gestern: „Wir waren 311 Abgeordnete von CDU und CSU in 
einem großen Saal, der eigentlich schon wieder zu klein war.“ Die CDU-Fraktion war seit 25 Jahren nicht mehr so groß. 110 der Abgeordneten sind Neulinge. Zum einen ist die Fraktion um 70 Köpfe gewachsen, zum anderen sind 40 Abgeordnete aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden. Thomas de Maizière, Horst Seehofer, die Gäste der Volk-marser CDU bei den letzten Großveranstaltungen, saßen vor dem Waldecker Abgeordneten. Viesehon: „Es war wie im Film. Da hab ich mich rumgedreht und gedacht: Ich bin 
ja mittendrin.“ Die letzten Tage vergingen für den Vierzigjährigen fast wie 
im Traum: „Seit fünf Tagen komme ich kaum zum Schlafen. Nach vier, fünf Stunden 
ist die Nacht zu Ende, selbst wenn ich länger schlafen könnte, bin ich um sechs Uhr schon wach.“ Zu viele Gedanken gehen ihm durch den Kopf in diesen Tagen, in denen er am vorläufigen Ziel seiner politischen Träume angekommen ist. Heute ist Viesehon wieder auf dem Rückweg in den Wahl-
kreis. Heute Abend trifft sich in Kassel der Kreisvorstand der CDU Kassel-Land und will seinen Abgeordneten sehen. Am morgigen Freitag geht es noch einmal zurück zu den 
Kollegen in der Bank. Abends dann die Genossenschaftsversammlung in der Nordhessenhalle: „Das ist ja meine Raiffeisenbank. Hier habe ich mehr als mein halbes Leben gearbeitet. Ich hoffe, dass ich da ein paar Worte sagen darf.“Jedem, der es hören will, sagt Viesehon in diesen Tagen dies: „Nein, ich werde nicht nach Berlin ziehen. Ich bin der Wal-decker Abgeordnete und bleibe mit meiner Frau Cora in Hörle wohnen.“

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