Weit angelegtes Kunstprojekt soll einmal die ganze Rhoder Altstadt umfassen

Flachs als Teil Rhoder Geschichte

Diemelstadt-Rhoden - Bis in die Vierzigerjahre war der Anbau von Flachs in Rhoden und Umgebung verbreitet. Dann geriet der „blaue Lein“ in Vergessenheit - bis Barbara Beisinghoff die Pflanze für den „Lustgarten-Kunstpfad“ wiederentdeckt hat.

Der Startschuss für das Initialprojekt, für das die Eheleute Beisinghoff ihr Grundstück nördlich des Lustgartens zur Verfügung gestellt haben, ist im vergangenen Frühjahr gefallen.

Damals hatte sich der Verein Historisches Ortsbild Rhoden dazu bereit erklärt, die Trägerschaft für das über mehrere Jahre angelegte Kunstpfad-Projekt zu übernehmen. Den sichtbaren Anfang machte Barbara Beisinghoff dann im April.

Blau blühender Weg

Nachdem der Verlauf des Kunst-Pfads festgelegt war, brachte sie in mühevoller Kleinarbeit vier Kilogramm Futter-Leinsaat aus dem Kornhaus und weitere sechs Kilogramm Leinsamen-Saatgut durch Aufreißen der Grasnarbe in die vorhandene Wiese ein. Zum „Tag der offenen Gärten“ im Juni zog der leuchtend blau blühende Weg - gleichzeitig die erste Etappe des Kunstpfads - rund 400 Besucher an.

Mit Begeisterung erinnern sich Barbara und Rudolf Beisinghoff daran, wie sehr viele der Gartenfreunde über die fast vergessene, prächtig blühende Kulturpflanze staunten. Mit dem Flachsanbau ist ein Stück Rhoder Kulturgeschichte wiedererweckt worden. Auch das Ziel, Kunst mit der Natur in Einklang zu bringen, wie es aktuell auch in der Kasseler Karlsaue mit den Documenta-Außenkunstwerken zu sehen ist, hat sich auf der ersten Etappe erfüllt.

Öffentlich zugänglich

Gleichzeitig sollte die auffällige Blütenpracht aber auch den Weg zum Kunstpfad weisen - denn viele seien unsicher, ob dies nun noch Privatgrundstück sei oder nicht, hat das Ehepaar Beisinghoff beobachtet. „Der Pfad ist jetzt ein öffentlicher Weg“, betont Rudolf Beisinghoff, der den Rand seines Grundstücks für das Projekt zur Verfügung gestellt hat. Im Grundbuch sei der Weg inzwischen sogar als „Grunddienstbarkeit“ für die Öffentlichkeit eingetragen und über die Stadt versichert, wie Sigrid Römer, die Vorsitzende des Vereins Historisches Ortsbild Rhoden, erklärt.

Vom Warburger Weg führt der Pfad auf die historische Lustgarten-Mauer zu, an dieser entlang und durch zwei Nadelbäume hindurch in den „verborgenen Garten“.

Schüler mit eingebunden

Eine Treppe soll dort noch für einen sicheren Tritt sorgen, um zukünftige Besucher auf den Grünen Weg zu leiten - und von dort aus über das Forstamt und den Denkmalsplatz (früher Detelsheimer Tor) und den neu zu gestaltenden Schlossplatz bis hoch zu Schloss und Erbbegräbnis. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik.

Schließlich handelt es sich um ein auf mehrere Jahre angelegtes Projekt, wie die Initiatoren betonen. Führungen, Künstler-Workshops, Vorträge, Lesungen und eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema „Lustgarten-Kunstpfad“ sollen das Projekt begleiten.

Die erste Installation für den Pfad wurde derweil bereits von 25 Schülern der Schlossbergschule angefertigt. Dazu haben die Schüler Sternenbilder, die gegen den Himmel abzulesen sind, als Lochmuster in Messingplatten gebohrt. An dem „Sternenzelt“-Bogen werden derzeit noch die Restarbeiten ausgeführt. Im Herbst soll das gute Stück dann in der Mitte des neuen Kunstpfads aufgestellt werden.

Der Flachs, dessen Samenkapseln oder „Knutten“ sich aktuell noch im Wind wiegen dürfen, wird dann bereits geerntet sein. „Der Flachs soll in Gemeinschaft verarbeitet werden“, sagt Barbara Beisinghoff. Übrigens ist auch der angrenzende Nutzgarten auf dem ehemaligen Gärtnereigrundstück solch ein Gemeinschaftsprojekt. Vier Rhoder Hobbygärtnerinnen teilen sich dort die Gartenarbeit. Auch das sei Teil der Konzeption, erklärt Rudolf Beisinghoff. Man wolle versuchen, den Ort in Bewegung zu bringen.

Flachspapier

Aus den in den Flachs-Stängeln enthaltenen Fasern soll wiederum Kunst werden, und zwar „Tau-geröstetes gehecheltes Flachspapier“, wie Barbara Beisinghoff erklärt. Das aufwendige Projekt will die Künstlerin mit dem Papiermacher John Gerard durchführen und die einzelnen Arbeitsschritte in einem Künstlerbuch - natürlich aus Flachspapier - dokumentieren.

Alle Interessierten, die in sachkundiger Begleitung über den Lustgarten-Kunstpfad wandeln wollen, sind dazu am kommenden Samstag, 4. August, eingeladen. Treffpunkt ist um 14 Uhr und um 16 Uhr jeweils am Wintergarten des Hauses Warburger Weg 20. Anlässlich der Veranstaltung „Mittelalterlicher Markt und Städtebaulicher Denkmalschutz“ ist dann auch das umfassend sanierte Haus Beisinghoff für Besucher geöffnet.

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