Viele Spenden für Menschen im Auffanglager

Frauen helfen Flüchtlingen

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Hilfsgüter aus zwei Garagen haben zwei Mengeringhäuserinnen inzwischen im Flüchtlingslager auf dem Flughafen Calden mit 1500 Menschen abgeliefert.

Den Anstoß für die inzwischen von zahlreichen Bürgern unterstützte Aktion gab die neunjährige Tochter von Nathalie Bruyn­seels, als sie die ersten Bilder von dem Zeltlager sah und nach den Gründen für die Fluchtwelle aus der Kriegsregion in Syrien und im Irak fragte. Die Ankunft im Lager mit den vollgestopften Pkw vor eineinhalb Wochen war überwältigend, sogar ein bisschen furchteinflößend: Bruynseels und ihre Freundin Maria-Luisa Mallia sowie Sohn Niko Lehmann waren sofort dicht umringt von zig Menschen und wurden gleich abgeschottet von Angehörigen des Sicherheitsdienstes und des DRK. Das geschah, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen: „Die Leute waren nicht aggressiv, sondern dankten uns vielfach und halfen auch beim Entladen.“ Kinder- und Erwachsenenkleidung, Schlafsäcke und Decken sowie Spielzeug und Süßigkeiten hatten die Mengeringhäuserinnen übergeben. Bei sinkenden Temperaturen werden zunehmend warme Sachen wie Strumpfhosen, Pullover und Jacken benötigt. Bei dem relativ kurzen Aufenthalt, der nur nach der Anmeldung bei der Leitung des Flüchtlingscamps möglich ist, haben die Helfer viel Schlimmes von den Flüchtlingen gehört. „Wir sind mit einem guten Gefühl zurückgefahren“, berichtet Nathalie Bruynseels. Sie sagt aber auch: „Natürlich bereitet mir der Flüchtlingszustrom auch Angst, weil wir nicht wissen, ob wir das alles bewältigen können.“ Maria Mallias Tochter war ganz still geworden bei der Rückfahrt. Sie hatte sich per Zeichensprache mit einem Kind im Lager ausgetauscht und meinte: „Das könnte auch ich sein.“ Wie dramatisch Flucht verlaufen kann, hat Maria Mallia in ihrer Heimat in Sizilien mitbekommen: An den Klippen der Insel Lampedusa, unweit ihres Heimatortes, war ein überladenes Boot zerbrochen, 45 Menschen kamen uns Leben. Das war bereits vor zehn Jahren, die Erinnerung ist aber geblieben. Über Facebook sind die beiden Helferinnen in Kontakt mit vielen Menschen der Region, die spenden wollen. Einstweilen soll es bei dieser Verbindung auch bleiben. Auch eine 80-Jährige bedient sich dieses Mediums, um sich über die Hilfsaktion auszutauschen und diese zu unterstützen. Nathalie Bruynseels hat allerdings auch negative Reaktionen und böse Kommentare bekommen, die den Flüchtlingen pauschal unterstellen, aus wirtschaftlichen Gründen und nicht aus Angst um ihr Leben ihre Länder verlassen zu haben. Angesichts der Berichte über ertrunkene Flüchtlinge oder über den Kriegs in den Heimatregionen bleiben die Frauen weiter am Ball. „Jetzt erst recht!“, sagen sich die beiden Mengeringhäuserinnen: „Wir stehen über allen Anfeindungen!“ Die Lieferungen, die bei ihnen ankommen, die vielfältige Unterstützung ihres ehrenamtlichen Engagements und nicht zuletzt der Dank der Empfänger bestärkt sie in ihrem karitativen Handeln.(Armin Haß)

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