Griechische Familie saniert lange vernachlässigten Prachtbau im Stadtzentrum

Fürstenhof bald wieder schick

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Der Fürstenhof an der Ecke Landauer Straße/Wetterburger Straße vor Beginn der Sanierung. Inzwischen ist das Gebäude eingerüstet und mit einer Schutzfolie verhängt.

Bad Arolsen. - Seit die AOK-Verwaltung den Fürstenhof verlassen hatte, stand das markante Gebäude an der Ecke Wetterburger Straße/Landauer Straße jahrelang ganz oder teilweise leer. Die Bausubstanz litt.

Aus dem Dornröschenschlaf ist das ehemalige erste Hotel am Platze nun aufgewacht, da sich eine griechische Familie aus Wetzlar des Gebäudes erbarmt hat. Sofia Schinas und ihre beiden Söhne lassen derzeit die Stuckfassade restaurieren. Parallel dazu werden die Wohnungen und das Treppenhaus saniert.

Es soll wieder Freude berei-ten, in diesem prächtigen Gebäude zu wohnen. 15 Wohneinheiten sollen hier auf rund 1400 Quadratmetern bis Ende 2013 nach und nach renoviert und bezogen werden. Derzeit sind vier Wohnungen vermietet.

Als besonderes Schmankerl für die Mieter und Ausgleich für den fehlenden Garten ist ein großer Partyraum im Keller geplant.

Am alten Zollhaus

Noch völlig offen ist, wie die Gewerberäume im Untergeschoss genutzt werden sollen. Den neuen Eigentümern schwebt eine die Mieter nicht störende gewerbliche Nutzung vor. Denkbar sind Büros, ein Café oder eine Gaststätte. Bis heute wirkt das wuchtige Gebäude imposant. Es wurde 1835 von Hofkonditor F. Jungbluth an der damaligen Kastanienallee (heute Landauer Straße) erbaut. Vorher hatte dort ein Zollhaus mit Schlagbaum gestanden.

Das Besondere an dem klassizistischen Bau war der offene Säulengang, der sich zu beiden Straßenseiten hin um das Gebäude herumzog und als überdachte Terrasse genutzt wurde. Unter dem mit Ornamenten und Türmchen verzierten Mansardendach hatte die Freimaurerloge ihren Sitz.

Im Anbau rechts neben dem „Fürstenhof“ war das erste Arolser Kino untergebracht. Im Arolser Volksmund wird der einstige Prachtbau gerne als „Alte AOK“ bezeichnet, weil hier 1951 die Allgemeine Ortskrankenkasse mit ihrer Verwaltung einzog.

Viele Großraumbüros

Bis zu 70 Mitarbeiter mussten in den folgenden Jahrzehnten in Büros untergebracht werden. Deshalb erfolgten einige Umbauten, die man heute aus denkmalpflegerischer Sicht bedauern mag: Der Säulengang wurde geschlossen. Das Dach wurde ausgebaut, die verspielten Türmchen mussten weichen. So entstand enorm viel Raum für Büro und Aktenablage. Das blieb so bis zum Umzug der AOK 1982 in die neue Geschäftsstelle nach Korbach. Im Dezember 1983 verabschiedete sich die AOK endgültig aus Arolsen.

Ein Geschäftsmann übernahm das repräsentative Gebäude, hatte jedoch in der Folge wenig Glück. Seine Pläne ließen sich nicht verwirklichen. Er verstarb früh. Seine Witwe hatte lange Jahre Mühe, das Haus zu halten und zu nutzen. Einige der großen Wohnungen wurden modernisiert. Im Untergeschoss entstand ein Hundesalon. Im Anbau war zuletzt eine Druckerei untergebracht.

Bis heute sind die in die eingezogenen Wände integrierten Säulen gut zu erkennen. Erhalten geblieben sind auch die klassizistischen Dreiecks-giebel über einigen Fenstern.

Nicht mehr vorhanden sind die verspielten Türmchen, die die Ecken des einstigen Hoteldaches schmückten.

Der „Fürstenhof“ mit seinen rund 2000 Quadratme-tern Nutzfläche soll nun wieder - nach Jahrzehnten der Vernachlässigung - ein repräsentatives Gebäude an der verkehrsträchtigen Kreuzung Wetterburger Straße/Landauer Straße werden. Derzeit ist ein auf Stucksanierung spezialisiertes Handwerksunternehmen aus Ehringen mit der Restaurierung der Fassade an der Wetterburger Straße beschäftigt. Nach der Winterpause wird auch die Fassade an der Landauer Straße saniert.

Im Inneren des Gebäudes werden die Treppenhäuser mit Granitböden ausgelegt. In den Wohnungen werden hochwertige Parkettböden verlegt. „Ende 2013 soll alles fix und fertig, picobello sein“, fasst Athanasios Schinas die Pläne seiner Familie zusammen.

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