Waldecker Bürgermeister und der Kreistag müssen vor Weihnachten über schwierige Frage entscheiden

Geld für Bücher oder für Schloss Rhoden

Skeptisch blickten die SPD-Kreistagsabgeordneten Hannelore Eckhardt und Reinhard Kahl, als Büchersammler Adolf Brehm im Mai seine Schätze vorstellte.

Bad Arolsen/Diemelstadt - Wo sind zwei Millionen Euro aus dem Domanialvermögen besser investiert? Im Rhoder Schloss oder in der Bücherei Brehm-Stiftung? - Aus Diemelstädter Sicht ist der Fall klar. Dennoch formiert sich kreisweit eine breite Mehrheit für die wertvollen alten Bücher.

In die Rathäuser der ehemals waldeckischen Städte und Gemeinden ist diesen Tagen ein - fast könnte man sagen - Bettelbrief aus dem Kreishaus geflattert.

Der Landrat bittet darin um Zustimmung zu einer außergewöhnlichen Mittelverwendung des waldeckischen Domanialvermögens: Zwei Millionen Euro sollen als sogenannte Zustiftung in die Bücherei Brehm-Stiftung fließen, die seit mehr als zwei Jahrzehnten im Residenzschloss Arolsen verwahrt wird, dort aber so gut wie keine Außenwirkung erzielt.

Genau das soll sich durch das erneute finanzielle Engagement ändern.

Schatz für Waldeck sichern

Dr. Hartmut Wecker, Kulturbeauftragter des Landkreises,­ bringt die Sache so auf den Punkt: „So nah wie jetzt waren wir in 20 Jahren noch nicht daran, die Bibliothek in trockene Tücher zu bringen. - Entweder wir schaffen das jetzt oder die Stiftung steht vor der Auflösung. Die Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium hat uns ganz klare Auflagen gemacht.“

Der Kulturbeauftragte hat aber Verständnis für die kritischen Stimmen, die jetzt nicht nur aus Diemelstadt laut werden: „Es mag sein, dass es bei den Bürgermeistern andere Prioritäten gibt. Dies ist nicht die Zeit, in alte Bücher zu investieren. Allerdings geht es nicht um einen Kauf. Niemand, auch nicht Bücherstifter Adolf Brehm, hat einen unmittelbaren Vorteil von dieser Vermögensübertragung.“

Geplant sei lediglich eine Aufstockung des Stiftungsvermögens, um die Stiftung langfristig überlebensfähig zu machen. Wecker: „Es ist nichts anderes als die Umwandlung von Geldvermögen in Sachvermögen.“

Gründungsfehler heilen

Für diese Bücherstiftung haben alle Landräte seit Dr. Welteke viel Zeit investiert.

Jetzt könne endlich nach ungezählten Beratungen die Lösung gelingen und der Fehler, der seinerzeit bei der Gründung der Stiftung gemacht wurde, könnte geheilt werden.

Grundlage hierfür wäre ein gemeinsamer Antrag, der am 19. Dezember bei der Jahresabschlusssitzung des Kreistages mit einer breiten, fraktionsübergreifenden Mehrheit beschlossen werden soll.

Bei dem Gespräch, das der Landrat nun mit den Bürgermeistern der ehemals waldeckischen Städte und Gemeinden sucht, soll unter den Nutznießern des Domanialvermögens um Verständnis und Zustimmung für diese Vermögensverfügung geworben werden.

Wenig Verständnis und überhaupt keine Zustimmung signalisierte indes Diemelstadts Bürgermeister Elmar Schröder im Rahmen der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend in Rhoden: „Es kann nicht sein, dass Geld, das für die Sanierung und Umnutzung von Schloss Rhoden bestimmt war, jetzt in die Bücherei fließt.“

VEW soll ins Schloss

Er habe den Eindruck, dass ganze Fraktionen im Kreistag nicht wüssten, wie es um das Schloss Rhoden stehe. So mancher Kreispolitiker denke sogar über einen Verkauf des Schlosses nach.

Die Diemelstadt plane große Investitionen am Schloss und habe sich ein ganzes Jahr lang intensiv und erfolgreich um eine neue Nutzung des altes Gemäuers bemüht.

Schröder: „Jetzt brauchen wir ein klares Bekenntnis, dass mit der Schlosssanierung begonnen wird. Wir brauchen eine klare Aussage, dass die neue EWF-Gesellschaft VEW eine ganze Etage im Schloss belegen wird.“ VEW und Windkraft in Rhoden seien Teil der Abmachung. Vor diesem Hintergrund könnten nicht einfach zwei Millionen Euro Domanialvermögen in die Brehm-Stiftung gesteckt werden.

Schröder abschließend: „Der Landrat hat alle Bürgermeister für den 17. Dezember zum Gespräch gebeten. Dann wird es zum Schwur kommen. Wir erwarten ein klares Bekenntnis zum Schloss Rhoden.“

Die Bibliothek des Schweizer Stifters Adolf Brehm im Bad Arolser Residenzschloss soll nach dem Willen der Kreispolitik stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Die Bibliothek, die seit 1990 Teil einer eigenen Stiftung ist, gilt als Universalbibliothek und besteht im Wesentlichen aus Erstdrucken von 1472 bis zur Gegenwart aus allen Wissensgebieten.

Mit antikem Bibliotheksmobiliar, historischen Uhren, Landkarten, Stadtansichten und Porträtstichen stellt diese Bibliothek ein in sich geschlossenes, das Geistes- und Kulturerbe des deutschen Sprachraums repräsentierendes Ganzes dar. Neben dem Stifter Brehm, den der frühere Landrat Dr. Günter Welteke in den 80er-Jahren für die Einrichtung der Bibliothek im Waldecker Land gewonnen hatte, fungiert der Kreis als Mitstifter.

Die Stadt Arolsen hatte in den 90er-Jahren 600 000 Mark (306 000 Euro) in mehreren Jahresraten für die Einrichtung der Bücherei Brehm im Westflügel des Schlosses bereitgestellt. (es)

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