40 Jahre Laurentiuskonvent

Gemeinsam geht's besser

Diemelstadt-Wethen - Für die Idee einer gerechteren Welt und die Bewahrung der Schöpfung treten die Frauen und Männer des Laurentiuskonvents ein. Vor 40 Jahren zogen die Wegbereiter eines internationalen Netzwerks in ein ehemaliges Gehöft ein – Grund zum Feiern.

Als die ersten Angehörigen der heute 40 Bewohner zählenden Gemeinschaft in dem Diemelstädter Ortsteil einzogen, wurden sie skeptisch beäugt, berichtet das heutige Vorstandsmitglied Manfred Kiefer. Mit ihren im Laufe der Jahre auf weitere Häuser ausgedehnten Hausgemeinschaften, ihren für manchen utopisch erscheinenden Ideen und einer auf Schonung der Umwelt ausgerichteten Lebensweise sind die aus verschiedenen Regionen Deutschlands kommenden Bewohner mit diversen akademischen Ausbildungen schon ungewöhnlich für die ländliche Gemeinde gewesen. Und sie sind es immer noch, auch wenn sich die Konvent-Mitglieder seit jeher darum bemühen, sich in der evangelischen Kirchengemeinde und im Ortsbeirat für die Dorfgemeinschaft zu engagieren. Idee und Wirklichkeit Viele Ideen, die manchen in den 70er-Jahren als bloße Utopie galten, prägen inzwischen aber auch die Ansichten der Mitbürger und haben Eingang gefunden in nahezu alle Parteien. Das Netzwerk, das den Laurentiuskonvent mit Mitstreitern auf der ganzen Welt verbindet, umfasst die ökumenische Initiative Eine Welt, die internationale Erdcharta-Bewegung. Auf dem Laurentiushof ist auch das Büro einer Organisation, die sich um gewaltfreie Konfliktlösungen bemüht (gewaltfreihandeln e.V.). Zusammen mit den Serviam-Schwestern in Germete führt der Konvent die Zukunftswerkstatt Ökumene in Germete. Zu tun gibt es noch sehr, sehr viel. Über die Schwestern, mit denen bereits vor über vier Jahrzehnten eine Zusammenarbeit in einem Projekt für Obdachlose bestand, bekamen die Konvent-Mitglieder den entscheidenden Tipp für die Ansiedlung in Wethen. Dort erwarben sie das mehrere Jahre leer stehende landwirtschaftliche Anwesen Beinhauer, später kamen weitere Gebäude hinzu. Die evangelische Kirche schuf eine halbe Pfarrstelle, die der heute als Pensionär in Wethen lebende Pfarrer Wolfgang Kelm antrat. Auch sein Nachfolger Michael Schimanski-Wulff bezog noch die Räumlichkeiten im Konvent. Inzwischen wird Wethen von Wrexen aus mitbetreut. Die Grundidee, Hausgemeinschaften zu bilden und den Alltag miteinander zu teilen, prägt das Zusammenleben im Konvent. Der ist zwar eher evangelisch-christlich geprägt, betont aber auch den ökumenischen Charakter. So fühlt sich auch der in der Jugendhilfe beruflich tätige Manfred Kiefer in Wethen wohl. Er war zuvor Referent beim Erzbistum in Freiburg und hatte seinen Job gekündigt, um mit seiner Frau, einer Lehrerin, im Konvent mitzuarbeiten. Das Risiko einer mehrmonatigen Arbeitslosigkeit gehen heute kaum noch neue Mitbewohner ein. Ökonomische Sicherheit gehe vor, sagt Kiefer. Hilfe für Flüchtlinge Wer sich dem Laurentiuskonvent anschließen möchte, wird zu einem Gespräch eingeladen. Wer offen ist und gerne mit anderen Gleichgesinnten zusammenarbeiten will, ist dort willkommen. „Dogmatiker haben es hier schwer“, erklärt Kiefer. Einmal im Jahr laden die Angehörigen des Laurentiuskonvents zu einem Wochenende der Begegnung ein. Dabei können sich Interessierte über das Zusammenleben im Laurentiuskonvent informieren. Bereits in den 90er-Jahren, als zunehmend Kurden aus der Türkei Asyl in Deutschland suchten, nahm die Gemeinschaft eine vor der Abschiebung stehende Familie kurdischer Herkunft auf. Die Angehörigen wurden in der Einrichtung regulär beschäftigt und sozialversichert. Inzwischen haben sie reguläre Jobs und können in Deutschland bleiben. Doch mit dem Krieg in Syrien und im Irak kommen neue Flüchtlinge ins Land. Die Gemeinschaft hat Asylsuchende aus Syrien aufgenommen, beschäftigt sie mit verschiedenen Arbeiten und gibt Deutschunterricht. Eine weitere Wohnung wird derzeit für Flüchtlinge renoviert. Der Laurentiuskovent ist auch verbunden mit der Flüchtlingskommission Diemelstadt: „Die Hilfsbereitschaft und Akzeptanz ist heute viel größer als noch vor 20 Jahren“, stellt Kiefer fest. Gespräche im „Schafstall“ Die Gemeinschaft selbst ist eine Art Institution geworden in der Region. Die Vortrags- und Gesprächsabende im „Schafstall“ zu den Themen Frieden, nachhaltige Wirtschaft, Umwelt oder Glauben werden von bis zu 60 Interessierten aus dem Umkreis von 50 Kilometern besucht. Im Oktober wird ein Themenabend zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP veranstaltet.Die Gemeinschaft hat das Jubiläum bei sommerlichem Wetter mit Kaffee und Kuchen unter freiem Himmel im Anschluss an einen Gottesdienst feiern können. Die Feier gestalteten „Belas Dixie Kings“ aus Warburg musikalisch mit. (Armin Haß)

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