Auszubildender aus Ehringen hat sich für Bundeswettbewerb der Stuckateure qualifiziert

Mit Gips wahre Kunstwerke zaubern

Gips anrühren, gleichmäßig verteilen und dann mit einer Schablone abziehen und in Form bringen – das sind die typischen Handbewegungen eines Stuckateurs. Unser Bild zeigt Stuckateurmeister Jochen Siebert mit seinem lettischen Auszubildenden Intars Tumanovs bei den Vorbereitungen zum Bundeswettbewerb in Bieberach. Foto: Elmar Schulten

Volkmarsen-Ehringen - Als er aus Lettland nach Ehringen kam, sprach er kaum deutsch. Bei seiner Ausbildung zum Stuckateur stellte er sich aber so geschickt an, dass seine Lehrzeit um ein Jahr verkürzt wurde. Dann wurde er auch noch hessischer Landessieger und darf am Wochenende bei den Bundesmeisterschaften im Stuckateurhandwerk antreten.

Intars Tumarovs hat in seiner Heimat ein Gymnasium besucht und die Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche. Doch sein Wunsch war es, ein Handwerk zu erlernen. Im Ehringer Stuckateurmeister Jochen Siebert fand er einen Förderer.

Nach einem Praktikum in seinem Betrieb begann Intars seine Ausbildung, die eigentlich auf drei Jahre angelegt ist. Doch zu Beginn des zweiten Lehrjahrs hatte der junge Mann den Eindruck, dass er an seiner Fachschule unterfordert war. Mit Unterstützung seines Lehrherrn und dem Einverständnis der Handwerkskammer durfte Intars das zweite Jahr überspringen. „Und dann schließt er auch noch als Jahrgangsbester ab“, schwärmt Siebert, der vor drei Jahren schon einmal den besten Auszubildenden eines Jahrgangs zur Prüfung vorstellte.

Allerdings räumt er ein, dass jedes Jahr nur gut ein Dutzend junger Leute das Stuckateur-Handwerk erlernen. Stuckornamente an Häusern sind in der Regel sehr hochwertig und werden von vielen Bauherren als Luxus empfunden. 90 Prozent aller Aufträge machen Sanierungsarbeiten aus. Und so gibt es Gegenden, in denen mehr alte Häuser mit Stuckdecken und Fassaden erhalten geblieben sind als in anderen Gegenden.

Ein großer Neubauauftrag für die Firma Siebert war die Fassade des neuen Peek&Clop-penburg-Gebäudes am Kasseler Königsplatz.

Egal ob Wohnzimmer-Deko oder Fassade: Die Arbeitsweise der Stuckateure ist immer ähnlich: Für ein schickes Stuckgesimse muss eine Schablone aus Holz und Metall angefertigt werden. Mit dieser Schablone fährt der Stuckateur über den Gipswulst, der je nach Größe und Verwendungszweck mit einem Gewebe oder einem Gitter verstärkt werden kann. Größere Stuckelemente werden auch schon mal gegos-sen oder per Hand ausgekratzt.Beim Bundeswettbewerb der Auszubildenden im baden-württembergischen Bieberach gilt es am Wochenende, eine schriftliche Aufgabe in zwei Tagen handwerklich umzusetzen. Dabei ist auch eine große Portion Kunstfertigkeit und Geschick im Umgang mit Gips gefragt. Intars Tumarovs wird dabei von seinem Meister begleitet. Der darf zwar nicht eingreifen, kann aber wie ein guter Coach Tipps geben.

Siebert ist jedenfalls stolz auf seinen fleißigen und pfiffigen jungen Mitarbeiter. Auch wenn es in Riga deutlich mehr alte Häuser mit Stuckornamenten gibt, möchte der Meister seinen ausgelernten Auszubildenden nicht gehen lassen. Das Familienunternehmen beschäftigt derzeit neun Gesellen, einen Auszubildenden und zwei Praktikanten.

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