Bad Arolsen: Kritische Worte zur verkürzten gymnasialen Schulzeit (G8) bei der Abitur-Entlassungsfeier

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

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- Als notenbester Abi-Jahrgang wird der letzte 13er-Jahrgang vor der endgültigen Einführung der Abiturprüfung nach acht Jahren (G8) in die Geschichte der Christian-Rauch-Schule eingehen.

Bad Arolsen. Rekordverdächtig ist auch, dass alle 103 Schüler, die zur Abiturprüfung angetreten sind, auch bestanden haben. 24 Mal beginnt die Abiturnote mit einer eins vor dem Komma. Diese beachtliche Leitung hob CRS-Oberstufenkoordinator Hans-Joachim Orawetz am Sonnabend bei der Abiturienten-Entlassungsfeier in der Stadthalle Mengeringhausen hervor. Wechsel in der Big-Band Erstaunlich groß war auch die zahl derjenigen Abiturienten, die sich in einem der vielen Ensembles der Schule engagierten, die meisten von ihnen in der Big-Band, die seit beinah 30 Jahren Werner Sostmann geleitet wird. Sostmann wird in den Sommerferien an die deutsche Schule in Malaysia wechseln. Und so hatte der Auftritt der Big-Band mit der stimmgewaltigen Fenja Schmidt bei der Entlassungsfeier in mehrfacher Hinsicht etwas von Abschiednehmen. Immerhin konnte Schulleiterin Cornelie Seedig tröstend vermelden, dass die Big Band im kommenden Jahr von den ehemaligen Band-Mitgliedern Saskia Erfurth und Stephan Hoffmann fortgeführt wird. In einer humorvoll-kritischen Betrachtung der Jugend von vor 15 und vor 25 Jahren mit der von heute legte Deutschlehrer Wilfried Schuppe die Wunde in so manche unschöne Entwicklung der modernen Kommunikation: „Die Smartphones sind trotz Verbots ständig in Betrieb und ihre Eigentümer starren darauf wie das Kaninchen auf die Schlange. - Ich wünsche mir manchmal eine App, die ihre Benutzer aus der elektronischen Cloud zurückholt und wieder erdet.“ Ohne pädagogische Freiheit Kritisch ging Schuppe mit der verkürzten gymnasialen Ausbildung ins Gericht: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Ab dem kommenden Jahr würde zwar Schüler mit dem Abitur entlassen, die zwar studierfähig, aber noch nicht reif seien. Traurig sei auch, dass der Begriff „pädagogische Freiheit“ gänzlich aus dem hessischen Schulgesetz gestrichen worden sei. Das enge die Lehrer zu sehr ein. Überhaupt sähen sich die Pädagogen immer mehr aufgefordert, Defizite auszugleichen, die in den Familien entstanden seien. Schule könne aber die Familie nicht ersetzen. Und die Ganztagsschule dürfe kein vorgezogenes Training für das stressige leben der Erwachsenen sein. Dank an die Lehrer Daher Schuppes Appell: „Lasst den Kindern mehr Zeit zur freien Verfügung.“ Den Abiturienten gab er mit auf den Weg: Bleibt skeptisch gegenüber der Aufforderung, eure persönlichen Daten preiszugeben. Seid wachsam gegenüber der Politik. Seid solidarisch mit denen, denen eure Privilegien fehlen.“ Stellvertretend für 103 Abiturienten sprachen Lena Kisselbach und Christian Büddefeld ihren Lehrern großes Lob und Dank aus. Anspielend an ihr Jahrgangsmotto „Abibook“ gingen die beiden auf die Möglichkeiten des Internet und der sozialen Netzwerke ein: „Wir pflegen da keine virtuellen Beziehungen. Es sind die Freunde aus dem wahren Leben, mit denen wir uns austauschen.“ Im Namen des Magistrates gratulierte die ehemalige CRS-Schülerin Katja Müller-Ashauer den Abiturienten: „Mit dem Abi ist das Lernen noch lange nicht zu Ende. Es kommen weitere Herausforderungen im Leben, in der Familie und im Beruf.“ Sozailes Netzwerk, das trägt Die kommissarische Dekanin des Kirchenkreises der twiste, Eva Brinke-Kniebel, ging auf die Gefühle von Wehmut und Unsicherheit ein, die mit der Schulentlassung verbunden sind, und wünschte alle Abiturienten, dass sie ihr Leben mutig in die Hand nehmen: Auf Gott können wir dabei vertrauen wie auf einen guten Freund.“ Egal, wohin es einen auch verschlage, überall gebe es christliche Gemeinschaften, wo man sich auch aussprechen können. Brinke-Kniebel: „Christen bilden ein echteS soziales Netzwerk, das mehr trägt und mehr User hat als Facebook.“ Im Namen der Elternschaft und des Fördervereins gratulierte Heidi Preiß und stellte nach der Lektüre des Jahrgangsbuches fest: „Sie werden noch eine Menge neuer Kapitel in ihrem Abibook schreiben können.“ In ihrem Schlusswort stellte Schulleiterin Cornelie Seedig fest, dass sich Abiturienten mit ihren pfiffigen Motto-Tagen, dem gehaltvollen Abiturgottesdienst am Freitag, den fröhlichen Spielen am Donnerstag als sehr sympathischer Jahrgang verabschiedet hätten. Mahnend gab sie den nun Ehemaligen mit auf den Weg: „Lassen sie sich nicht zum Knecht der Technik machen.“

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