Dorfentwicklung: Hörle, Herbsen, Külte, Lütersheim und Ehringen sitzen in einem Boot

Große Chance für Volkmarser Dörfer

+
Dorfansicht aus Lütersheim: Fachwerk und steile Dachformen prägen die Dörfer in Nordwaldeck.

Volkmarsen-Lütersheim. - Dorferneuerung war gestern. Das Förderprogramm des Landes heißt Dorfentwicklung und umfasst gleich mehrere Nachbarorte, im Falle der Großgemeinde Volkmarsen sitzen die fünf Stadtteile und die Kernstadt gemeinsam im Boot.

Bei einer Abendveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus von Lütersheim informierte Karlfried Kukuck von der Stabsstelle Ländlicher Raum, Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis Waldeck-Frankenberg rund 60 Interessierte aus allen betroffenen Stadtteilen über die Details des Förderprogramms. In den kommenden zehn Jahren werden damit öffentliche Projekte im Wert von insgesamt rund 750 000 Euro, aber vor allem auch private Umbau- und Sanierungsmaßnahmen angeschoben.

Neue Förderregeln

Anders als bei der „alten Dorferneuerung“ soll es aber nach dem Willen der Landesregierung nicht mehr bloß um die Optimierung von Dorfgemeinschaftshäusern gehen. „Auf dem Gebiet können eigentlich alle Volkmarser Stadtteile zufrieden sein“, kommentierte Kukuck und bekräftigte, dass auch in Sachen Straßenbau schon eine Menge geschafft worden sei. Die Dorferneuerung in Ehringen, Külte und Herbsen habe schließlich eine Reihe vorzeigbarer und vorbildlicher Ergebnisse gebracht.

Beim Dorfentwicklungsprogramm neuen Zuschnitts gehe es vielmehr um ein Zusammenrücken aller Bürger in den Dörfern, aber auch über die Dorfgrenzen hinaus. Vor allem werde eine intensive Mitarbeit aller Bürger bei allen Planungsschritten vorausgesetzt.

Grundlage aller weiteren Maßnahmen sei das „integrierte kommunale Entwicklungskonzept“ (IKEK), bei dem möglichst viele Bürger mitwirken sollten. Ein noch zu beauftragendes Planungsbüro werde parallel dazu in einem „städtebaulichen Fachbeitrag“ die räumlichen Grenzen der Fördergebiete bestimmen.

Parallel dazu, wahrscheinlich schon ab Mitte des Jahres könnten Bau- und Sanierungswillige ein kostenloses Beratungsangebot durch ein Architekturbüro in Anspruch nehmen und konkrete Förderanträge stellen.

Neu sei, dass private Förderanträge ein Mindestvolumen von 10000 Euro haben müssten. Davon könnten 30 Prozent bezuschusst werden. Pro Gebäude sei im Laufe der zehn Jahre eine maximale Fördersumme von 30000 Euro möglich.

Erster Schritt bleibt jedoch die Erarbeitung des integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes, bei dem zwölf Themenbereiche in Arbeitskreisen bedacht werden sollen: Vor allem geht es um die städtebauliche Entwicklung und um den Leerstand: Dazu sollen nach Möglichkeit keine neuen, konkurrierenden Baugebiete mehr ausgewiesen werden. Vielmehr geht es darum, die alten Dorfkerne zu stärken. Störende Gebäude können abgerissen, Baulücken geschlossen oder neu gestaltet werden.

Zwölf Themengebiete

Beim Themenbereich „Soziale Infrastruktur“ sollen die Auslastung und der Nutzen von Gemeinschaftseinrichtungen beleuchtet werden. Es geht aber auch um Kindergärten, Senioreneinrichtungen und um die ärztliche Versorgung.

Ein weiterer Hauptpunkt ist das „bürgerschaftliche Engagement“ in sozialen und kulturellen Einrichtungen. Es geht um Nachbarschaftshilfen, Angebote für Familien mit Kindern, Senioren sowie um generationenübergreifende Angebote.

Bildung, schulisch und außerschulisch, Verkehrslösungen, Energiekonzepte und technische Infrastruktur wie Internetanschlüsse, Wasser und Abwasser können bei Bedarf weitere Themenschwerpunkte in den IKEK-Arbeitsgruppen sein. Schließlich geht es um wirtschaftliche Entwicklung, Landwirtschaft, Tourismus, Landschaftspflege und Kulturangebote im weitesten Sinne.

Das in Kürze aufzustellende Entwicklungskonzept umfasst drei andauernde Arbeitsphase, nämlich die Bestandsanalyse, die Entwicklung eines Leitbildes mit klaren Zielen und schließlich die Umsetzungsstrategie. Bei all diesen Schritten ist andauerndes Bürgerengagement gefragt. Auftakt könnte demnächst bei einer Bürgerversammlung in der Nordhessenhalle sein.

Wenn das erste Gerüst steht

Während dann im Hintergrund noch der städtebauliche Fachbeitrag erstellt wird, können interessierte Bürger sich schon von einem noch zu benennenden Architekturbüro beraten lassen und erste Förderanträge stellen.

Kukuck: „Sobald die ersten Baugerüste stehen, gewinnt das Projekt Dorfentwicklung an Schwung.“ Laufende und funktionierende Bauprojekte seien die beste Werbung für das Förderprogramm.

Übrigens sind alle fünf Stadtteile im Förderprogramm Dorfentwicklung gleichberechtigt, ganz egal, wer schon einmal von der Dorferneuerung profitiert hat oder nicht. Nur eine Doppelförderung wird es nicht geben.

Wer schon Fragen hat, kann sich telefonisch unter 05631/954-817 oder per Mail an die Fachleute im Kreishaus wenden: karlfried.kukuck@landkreis-waldeck-frankenberg.de

Kommentare