Pläne für neue Nutzung des Schlosses eröffnet Möglichkeiten für Gesamtlösung

Ein guter Tag für Rhoden

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Neue Nutzung für Schloss Rhoden beschlossen. V.l. Architekt Arno Puy, Leitender Verwaltungsdirektor Rolf Kaufmann, EWF-Chef Stefan Schaller, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Bürgermeister Elmar Schröder und Erster Stadtrat Dieter Oderwald.

Diemelstadt-Rhoden - „Das ist ein guter Tag für die Diemelstadt“, freute sich Bürgermeister Elmar Schröder gestern, als Landrat Dr. Reinhard Kubat, EWF-Chef Stefan Schaller und Rolf Kaufmann von der Waldeckischen Domanialverwaltung die gemeinsam erarbeitete Zukunftslösung für das Schloss Rhoden präsentierten.

Die Schließung des Alten- und Pflegeheimes im Schloss durch das Waldecksche Diakonissenhaus habe die Rhoder vor zwei Jahren in Mark und Bein getroffen. Umso größer jetzt die Freude und Erleichterung über die gefundene neue Nutzung als Verwaltungs- oder Bürozentrum durch die neue EWF-Tochter VEW GmbH und demnächst auch weitere Nutzer.

„Mir fällt ein Stein vom Herzen“, bekräftigte Schröder und verwies auf die städtebauliche Bedeutung des Renaissanceschlosses. Nun bestehe die Chance, im Rahmen des Förderprogramms „städtebaulicher Denkmalschutz“ eine Gesamtlösung für Schlossvorplatz, Park und Schloss zu schaffen.

Schloss und Wind als Einheit

Allerdings müsse den Rhodern klar sein, dass Wind und Schloss zusammengehörten: Als Nächstes müsse das Stadtparlament den Aufstellungsbeschluss für einen Windpark im Bereich Hude beschließen. Schröder: „Ich bin sicher, dass die Bevölkerung das mitträgt, wenn wir die Zusammenhänge richtig erklären.“

Deshalb plane der Magistrat für Donnerstag, 14. Februar, eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Bürger im Gemeinschaftsraum der Stadthalle.

Den Weg für die neue Nutzung haben die Gremien des Energieversorgers Energie Waldeck-Frankenberg und der Waldeckischen Domanialverwaltung in einer gemeinsamen Sitzung freigemacht, wie Landrat Dr. Reinhard Kubat und EWF-Chef Stefan Schaller erläuterten.

Vereinbart wurde, dass die EWF-Tochter VEW, die sich vorrangig mit neuen Energien beschäftigt, ab Mitte 2014 als Hauptmieter in den vorderen Teil des Gebäudes über dem Hauptportal einzieht. Dort stehen auf zwei Etagen rund 890 Quadratmeter Nutzfläche mit repräsentativen Räumen und einem traumhaften Blick über Rhoden zur Verfügung.

Keine Gastronomie

Hier sollen unter anderem Mitarbeiter der Abteilungen Bäderbetrieb, Solar- und Windkraft untergebracht werden. Es entsteht Platz für moderne Büro-, Konferenz- und Sozialräume.

Ähnliches könnte in einem zweiten Bauabschnitt für weitere private und/oder öffentliche Nutzer auf Flächen im Ost- und Südflügel entstehen.

Der schicke Gewölbekeller im Untergeschoss soll künftig für private und städtische Feiern zur Verfügung stehen. Eine dauerhafte gastronomische Lösung ist aber nicht geplant. Bei Bedarf sollen hier mobile Catering-Lösungen gewählt werden, wie der Leitende Verwaltungsdirektor der Waldeckischen Domanialverwaltung, Rolf Kaufmann, unterstrich.

Sechs Millionen verbauen

Er selbst sprach von einer „spartanischen“ Lösung und warb um Verständnis, dass der Eigentümer von fünf waldeckischen Schlössern aufs Geld achten müsse. Jedes Jahr wende das Domanium nach Abzug aller Einnahmen 700000 Euro netto für den Unterhalt der Schlösser auf.

Die Gremien der Domanialverwaltung seien sich darüber im Klaren, dass solche historischen Gebäude nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten. Umso mehr müssten unnötige Kosten vermieden werden.

Der jetzt geplante Umbau mit grundlegender Sanierung des Rhoder Schlosses werde in zwei Bauabschnitten rund 6,1 Millionen Euro verschlingen. Der erste Bauabschnitt, der schon im Sommer beginnen könnte, ist mit 3,5 Millionen Euro kalkuliert.

Darin enthalten sind alleine 850000 Euro für eine neue Dacheindeckung und die Sanierung der Fassade mit ihren Schmuckelementen. 900000 Euro sind für neue Gebäudetechnik, Strom und Heizung bestimmt.

Aufwendig wird auch die Entnahme der 1979 eingebauten Zwischenwände für die Pflegezimmer, wie der vom Domanium beauftragte Planer Arno Puy vom Architekturbüro Müntiga und Puy erläuterte.

Weitere Nutzer willkommen

Damals wurden die historischen Strukturen des Rhoder Schlosses ziemlich brachial durch massive Einbauten überdeckt. Diese Wände müssen nun wieder raus. Dadurch werden wieder die großen schönen Räume mit ihren hohen Decken und dicken Holzträgern und Gewölben sichtbar.

Den Windfang am Hauptportal wollen die Planer ebenso ausbauen und damit die schräge Zufahrtsrampe am Hauptportal zum Einfallstor in den Schlosshof öffnen. So soll der Schlosshof wieder erlebbar und über eine alte Treppe sogar wieder zum Rundgang gestaltet werden.

Vom Hauptportal und um den Innenhof ergeben sich mehrere Eingänge zu den unterschiedlichen Gebäudeteilen, was eine gemischte Nutzung durch unterschiedliche Mieter ermöglicht.

Ab sofort können sich Firmen der Region, die auf der Suche nach Büroflächen sind, bei der Domanialverwaltung melden. Im ersten und zweiten Obergeschoss werden spätestens im zweiten Bauabschnitt weitere großzügige Büroflächen entstehen. Insgesamt stehen auf drei Ebenen über 650 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.

Hintergrund

Das Rhoder Schloss in seiner jetzigen Form wurde ab 1645 bis 1654 im Auftrag des Grafen und späteren Fürsten Georg Friedrich auf den Resten einer mittelalterlichen Burg errichtet.

Der ursprüngliche Entwurf stammte von einem französischen Architekten, die Ausführung und Bauleitung übernahm ein holländischer Zimmermeister.

Am Bau waren französische Steinmetze und holländische Zimmerleute beteiligt. 1665 wurden die Zimmer geweißt und 27 Wohnräume für die gräfliche Familie eingerichtet. Das Schloss diente als fürstliche Residenz, bis Georg Friedrich nach dem Tod seines Neffen, des Grafen Wolrad, die Regierung übernahm und nach Arolsen zog.

Wegen seiner Kriegseinsätze gegen die Türken und als Stadtkommandant von Maastricht hielt er sich jedoch meistens außer Landes auf. Das Rhoder Schloss diente fast ein Jahrhundert lang den Drosten und Amtmännern der Ämter Rhoden und Eilhausen als Wohnsitz. Vor den Toren wurde die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt.

Von 1904 bis 1933 diente der klotzige Prachtbau als Erholungsheim des Lehrerinnen-Krankenvereins Hannover-Linden und von 1933 bis 1936 als Sitz des Reichsarbeitsdienstes. Von 1940 bis 1945 waren hier französische Kriegsgefangene untergebracht. 1943 wurden Mitarbeiter der ausgebombten Rüstungsbetriebe hierher ausgelagert. Zu Kriegsende diente das Schloss Flüchtlingen als vorübergehende Bleibe. Seit 1948 wurde das Gemäuer erstmals als Altenheim genutzt. Der letzte große Umbau erfolgte 1978/79. Damals wurde bei einer Räumaktion von Mitgliedern der Feuerwehr der Schlossbrunnen von Schutt befreit und bis ?zu einer Tiefe von 95 Metern freigelegt. Heute ist der Brunnen eine touristische Attraktion.(es)

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