Twistetal/Kassel

Hammerattacke auf Kinder: Anwalt plädiert auf maximal 15 Jahre für 41-jährigen Vater

- Twistetal/Kassel (-ah-). Für eine Freiheitsstrafe von maximal 15 Jahren für einen 41-Jährigen wegen versuchten Mordes an dessen drei Kindern plädierte der Verteidiger gestern vor dem Landgericht in Kassel.

Werner B. hatte am Tag nach der Tat am 3. April 2009 in seiner Wohnung an der Justizvollzugsanstalt Kassel erklärt: „Ich habe meine drei Kinder getötet.“ B. habe die Folgen dieser Aussage nicht überblickt, erklärte Rechtsanwalt Werner Momberg unter Hinweis auf juristische Spitzfindigkeiten. Hätte er erklärt, er glaube, seine drei Kinder getötet zu haben, dann könne sich dies unter Umständen strafmildernd auswirken. Die Definition wäre dann der Rücktritt von einem Mordversuch. Immerhin habe sein Geständnis die Rettung der Kinder bewirkt. „Ich diskutiere nicht über Totschlag. Die Heimtücke ist hier eindeutig, es war ein versuchter Mord“, sagte Rechtsanwalt Werner Momberg. Es gebe einen schmalen Grat zwischen lebenslang und einer zeitigen Freiheitsstrafe, räumte der Verteidiger ein. Doch angesichts der verzweifelten Situation und der Absicht, die Kinder und sich selbst umbringen zu wollen, dürfe nicht zusätzlich von „niedrigen Beweggründen“ als weiterem Mordmerkmal ausgegangen werden. B. habe die Einsichtsfähigkeit in dieser Situation gefehlt, weil er sich selbst habe umbringen wollen. In dieser Lage fehle die geistige Freiheit, über die ethischen Gesichtspunkte seines Handels nachzudenken. Momberg betonte die vor Gericht dargelegte Absicht des Angeklagten, sich umbringen zu wollen. B. sei zutiefst ver-zweifelt gewesen. Er habe geglaubt, seine Kinder an die Mutter und deren neuen Lebenspartner zu verlieren, sei arbeitslos und weitgehend isoliert gewesen. In dieser Situation habe er die Tat be- gangen. Danach hätten aber die Aggressionskräfte nachgelassen, und B. habe sich dann nicht mehr umgebracht. Eine lebenslange Strafe sei unverhältnismäßig, erklärte Momberg. Dies werde bei einem versuchten Mord verneint, erklärte der Verteidiger unter Hinweis auf verschiedene Entscheidungen des Bundesgerichtshofes. Sollte das Schwurgericht den Strafrahmen zwischen drei und 15 Jahren im oberen Bereich ausschöpfen oder sogar auf 15 Jahre gehen, dann würde er nicht in Revision gehen, sagte der Anwalt. Eine besondere Schwere der Schuld, wie von der Staatsanwaltschaft in dem Plädoyer auf lebenslange Freiheitsstrafe dargelegt, verneinte Momberg. Und eine Sicherungsverwahrung scheide aus, weil es dabei um unentdeckt gebliebene Serientäter mit schweren Straftaten gehe. Um einen solchen Serientäter oder eine dissoziale Persönlichkeit, wie vom psychiatrischen Gutachter dargestellt, handele es sich bei dem Angeklagten nicht, sagte der Ver- teidiger. Zwar sei der aus schwierigen Verhältnissen stammende B. mehrfach straffällig geworden, wobei eine Serie von schweren Diebstählen, ein Raubüberfall auf einen Drogeriemarkt zu Buche stehen, doch habe sich B. bald wieder gefangen. Er habe eine Familie gegründet und ein bürgerliches Leben führen wollen – bis die Trennung, Arbeitslosigkeit und Streit um die Kinder kamen.Das Urteil des Kasseler Schwurgerichts wird am Mittwoch erwartet.

Kommentare