Volkmarsen

Hartes Ringen um Volkmarsens Zukunftsentwicklung

- Volkmarsen (-es-). Kann die bloße Ankündigung einer Unterschriftensammlung ein seit Monaten laufendes Verfahren zur Vermarktung einer städtischen Grundstücksfläche kurz vor der entscheidenden Unterschrift stoppen?

Aus Sicht von Thomas Viesehon (CDU) ist die Sache klar: „Da wird das demokratisches Verfahren des Bürgerbegehrens dazu missbraucht, um allein über das Verfahren ein Projekt kaputt zu machen, das ein breite Mehrheit in der Bevölkerung hat.“ Die Stadt habe nicht umsonst 90 000 Quadratmeter Ackerland zum Preis von Gewerbeflächen gekauft. Es sei allen Stadtverordneten, auch Arno Walprecht, ehemals Grüne, jetzt Unabhängige Liste, klar gewesen, dass hier - wie im Regionalplan ausgewiesen - Gewerbeflächen entstehen würden. Viesehon: „Wenn wir die Flächen als Acker zurückgeben müssten, würden wir locken 500 000 Euro Verlust machen.“ Aber auch im positiven Fall, dass das neue Volkswagen-Logistikzentrum tatsächlich in Volkmarsen gebaut werde, stehe so viel für die Stadt auf dem Spiel. Ganz ähnlich kommentiert auch FWG-Fraktionsvorsitzender Klaus Teppe die Ankündigung, von Revierförster Hakola Dippel, Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln zu wollen: „Da werden nicht fundierte Informationen gestreute und Ängste in der Bevölkerung geschürt.“ - Die Stadtverordneten jedoch würden in dieser für die Stadtentwicklung so sichtigen Frage nicht einknicken. „Ich bin in Volkmarsen stark verwurzelt. Ich muss mir eine Menge Kritik anhören, wenn in der Kommunalpolitik etwas nicht so läuft, wie es sich die Leute sich vorstellen“, stellt SPD-Fraktionsvorsitzender Bruno Kramer fest. Im Falle des geplanten Logistikzentrums aber habe er noch keine kritischen stimmen gehört. Kramer: „Das ist eine der wenigen großen Chancen, die eine kleine Stadt kriegen kann. Wir haben in unserer Fraktion alle Für und Wider sorgsam gegeneinander abgewogen. Wir wollen Arbeit für junge Leute in der Region.“ So äußerte sich gestern im Gespräch mit der WLZ auch der FDP-Stadtverordnete Hartmut Fischer, zugleich Ortsvorsteher von Lütersheim: „ Man kann in dieser Frage keine Schwarz-.Weiß-Entscheidung treffen, sondern muss sorgsam die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Das haben wir getan und sind am ende zu einem eindeutigen Ja für die Logistikhalle gekommen. Ich würde sogar sagen: Die Stadt kann es sich nicht leisten, gegen die Halle zu sein.“ Aus der Nachbarstadt Bad Arolsen erhält der Volkmarser Magistrat ebenfalls Schützenhilfe. Bürgermeister Jürgen van der Horst stellt dazu eindeutig fest: „Ich halte das geplante Logistikzentrum für ein wichtiges Ansiedlungsprojekt nicht nur für Volkmarsen sondern für die gesamte Region Nordwaldeck. Sollte das Projekt scheitern, würde der Wirtschaftsstandort Nordwaldeck insgesamt Schaden nehmen, was wir uns angesichts der bevorstehenden Herausforderungen nicht erlauben können.“ Für den Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel war der Tag nach der Ankündigung des Bürgerbegehrens ein besonders hektischer Arbeitstag: „Wir hatten die Leute von Volkswagen und Rudolph-Logistik im Rathaus und haben alle Fakten auf den Tisch gelegt. Wir hoffen, dass uns die Investoren noch ein paar Wochen Zeit geben für das Bürgerbegehren.“Allen interessierten Bürgern und vor allem den Kritikern des Projekts empfiehlt der Rathauschef, sich bei der Bürgerversammlung am 13. September um 19 Uhr in der Nordhessenhalle umfassend über alle Details informieren zu lassen.

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