Rhoder Wilhelm Bornemann liefert seit 40 Jahren wertvolle Wetterdaten

Von Haselblüte bis Nadelfall

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Diemelstadt - Rhoden - Wetterstatistik und Klimaforschung brauchen lange Reihen gesicherter Daten. Und die liefert seit über 40 Jahren zuverlässig aus Nordwaldeck der ehrenamtliche Wetterbeobachter Wilhelm Bornemann.

Für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Wetterforschung und den Deutschen Wetterdienst ist Bornemann gestern im Trauzimmer der Diemelstadt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Die Verleihungsurkunde trägt noch die Unterschrift des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) ist Bornemann einer von bundesweit 1300 phänologischen Beobachtern, zu Deutsch etwa: Pflanzenbeobachter. Seine Aufgabe ist es, den Entwicklungszustand von 44 zu beobachten und zu melden.

Frühling kommt früher

Aus seinen Beobachtungen lassen sich etwa Rückschlüsse auf das vergangene Wetter ziehen und Vorhersagen für die Entwicklung von Pflanzenschädlingen errechnen. Die von Bornemann in über 40 Jahren zusammengetragenen Datenreihen lassen aber auch systemische Veränderungen erkennen und sind damit Grundlage für die Klimaforschung. Dazu berichtete die Diplom-Meteorologin Brigitte Klante: „Aus den langen Datenreihen lässt sich ablesen, dass der Frühling seit Ende der 80er-Jahre häufig früher beginnt und dass die Winter wärmer werden.“ Dies kann man auch an den von Wilhelm Bornemann beobachteten Daten sehen.

Wertvolle Vorhersagen

Neben der Klimaforschung ist die Landwirtschaft naturgemäß der Hauptnutznießer der phänologischen Beobachtungen. Um den Verlauf von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen vorhersagen zu können benötigt der DWD aktuelle Angaben zur Pflanzenentwicklung, die von den phänologischen Sofortmeldern erhoben werden. Die agrarmeteo­rologischen Prognosen sind eine wichtige Beratungshilfe im Rahmen des umwelt­schonenden Pflanzenbaus. Sie sollen verhindern, dass unsere Umwelt unnötig mit Pflanzen­schutzmitteln belastet wird. Mithilfe phänologischer Daten werden noch viele weitere Prognosen erstellt.

So gibt es spezielle Blühvorhersagen für Imker und Allergiker. Außerdem ein Modell zur Berech­nung der Waldbrandgefährdung, das zwingend auf phänologische Beobachtungsdaten angewiesen ist. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des DWD beobachten die Entwicklung von wild wachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen im Jahresablauf. Dies beginnt mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und endet mit dem Nadelfall der Lärche im Spätherbst.

Wein noch außen vor

Das phänologische Beobachtungsprogramm umfasst 46 verschiedene Pflanzen, davon 30 wild wachsende. Aber Obst und landwirtschaftliche Nutzpflanzen stehen unter Beobachtung. Nur zwei der 46 Pflanzenarten werden nicht von Wilhelm Bornemann beobachtet: die Sonnenblume und Wein. Doch wer weiß, mit fortschreitendem Klimawandel wird Wein vielleicht in Waldeck heimisch. Einen ersten, kleinen Weinberg gibt es ja schon in Neudorf.

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