Proben der Freilichtbühne Twiste ähneln einem Hindernislauf

Hauptdarsteller müssen sportlich sein

Verena Müller, Peter Köppelmann und Dennis Oderwald (v.r.) stellen auf der Freilichtbühne Scipio, den König der Diebe dar. Dafür proben sie flinke Bewegungsabläufe. Fotos: Elmar Schulten

Twistertal-Twiste - Über Tische und Bänke geht die Flucht, wenn Scipio, der Herr der Diebe, wieder einmal zugegriffen hat. Die Freilichtbühne Twiste bereitet sich in diesen Tagen auf die turbulente Inszenierung eines spannenden Jugendstückes vor.

Scipio ist der geheimnisvolle Anführer einer Kinderbande in Venedig. Auf seinen Raubzügen schleicht er geschmeidig durch die verwinkelten Gassen der Stadt, greift blitzschnell zu und verschwindet ebenso fix über Mauern und Dächer.

Niemand kennt seinen Namen, seine Herkunft. Auch nicht Prosper und Bo - zwei Ausreißer, die auf der Flucht vor ihrer Tante und dem Detektiv Victor Unterschlupf bei der Bande gefunden haben. Als Scipio von einem magischen Karussell erfährt, beginnt ein gefährliches Abenteuer...

Um die Geschichte möglichst authentisch zu erzählen, sollen sich die drei Scipio-Darsteller auf der Freilichtbühne möglichst geschmeidig bewegen, springen und klettern. Die nötigen Tipps und Kniffe beim Bezwingen von Hindernissen erfuhren Verena Müller, Dennis Oderwald und Peter Köppelmann am Wochenende bei einem Workshop mit den Par-kour-Läufern Sven Becker alias „Bexen“ und Nicole Vucovic.

Die beiden haben die Kunst der effizienten Fortbewegung ohne Hilfsmittel perfektioniert. Gelenkig wie Kletteraffen überwinden sie jedes Hindernis.

„Für uns ist das ein Sport. Wir machen nichts kaputt und respektieren Privatgrundstücke“, unterstreicht Bexen und macht sich daran, den Beleuchtungsmast vor der Bühne zu erklimmen. Auf halber Höhe macht er Halt, dreht sich kopfüber und stemmt seine Beine gen Himmel. Die enorme Kraftanstrengung, die seine Armmuskeln jetzt aufbringen müssen, lässt sich der wieselflinke Klettermaxe nicht anmerken.

Solche tollkühnen Kunststücke werden von den Scipio-Darstellern nicht verlangt. Für die Inszenierung des spannenden Familienstücks „Herr der Diebe“ reicht es aus, einige wenige Kniffe aus der Trickkiste der Parkour-Läufer zu beherrschen. Da wäre zum Beispiel der elegante Sprung über den Tisch oder der Sprint über die halbhohe Mauer. „Auf der Bühne kann man mit kleinen Tricks große Effekte erzielen, verrät Regisseur Jörg Dreismann. Ihm ist vor allem wichtig, dass sich die drei Scipio-Darsteller geschmeidiger als die anderen Schauspieler bewegen. „Ein Meisterdieb läuft nicht einfach. Der soll sich flott bewegen.“

Und das schaffen Verena Müller, Dennis Oderwald und Peter Köppelmann ohne große Probleme. Die drei sind sportlich, wirken drahtig und bringen aus Fußball, Handball, Leichtathletik und Ju-Jutsu die Fähigkeit zu vielen flotten Bewegungsabläufen mit.

Deshalb wird das eine Trainingswochenende mit den beiden Kasseler Parkour-Läufern wahrscheinlich ausreichend sein als Vorbereitung für die Bühneninszenierung. Doch den dreien hat das Training Spaß gemacht. Sie würden gerne noch eine weitere Trainingseinheit nachlegen.

Das Stück „Herr der Diebe“ hat am Samstag, 16. Juni, um 20 Uhr Premiere. Bis zum 8. September folgen mindestens 15 weitere Aufführungen. (es)

Mehr im Internet unter: www.freilichtbuehne-twiste.de und www.parkour-kassel.de

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