Neuer Milchviehstall der Familie Trieschmann mit Melkroboter

Hier fühlen sich die Kühe sauwohl

Bad Arolsen-Massenhausen - Moderne Technik im Milchviehstall können Interessierte beim Tag der offenen Tür bei der Familie Trieschmann in Massenhausen erleben.

Bad Arolsen-Massenhausen. Wie von Geisterhand bewegt, schiebt sich der Roboterarm mit den Bechern unter die Kuh, dockt an den Zitzen des Euters an und beginnt mit dem Melken: Die Robotertechnik, das haben die Trieschmanns seit der Inbetriebnahme des elektronisch gesteuerten Gerätes im Kuhstall gelernt, erleichtert die Arbeit sehr. „Es ist zwar nicht weniger zu tun, aber wir sind flexibler“, fasst Andreas Trieschmann die seit März gesammelten Erfahrungen zusammen. Gemeinsam mit den Eltern beziehungsweise den Schwiegereltern haben die Massenhäuser Andreas und Tanja Trieschmann die angesichts der Investitionen nicht leichte Entscheidung getroffen, einen völlig neuen Stall zu bauen, der momentan mit 98 Kühen besetzt und für insgesamt 130 Großvieheinheiten angelegt ist. Der Stall bietet den Milchkühen viel Platz, die Boxen sind sogar mit weichen Matten ausgelegt, auf denen sich die Tiere wohl fühlen. Und zum Kraulen und Putzen des Fells steht eine automatische Rundbürste zur. Pflegeleichte Spaltenböden bieten Komfort für Tier und Mensch (der muss sich mit dem Stallreinigen nicht mehr so abplagen). Ein eigener Bereich ist für das Abkalben oder für kranke Tiere vorgesehen. Außerdem hat auch der Hofbulle seinen eigenen Platz. Herzstück ist freilich der Melkroboter mit zwei Stellplätzen. Die Kühe werden durch leckeres, mithilfe von Zuckerstoffen gesüßtes Futter angelockt und beginnen zu fressen, während im computergesteuerten Roboter entschieden wird, ob das Melken beginnen soll oder ob die Kühe nur wegen des leckeren Futters den Melkstand angesteuert haben. Die notwendigen Informationen über das jeweilige Tier liefert ein Chip am Fuß der Kuh. Beim Melken selbst wird sogleich gemessen, welche Inhaltstoffe in der Milch sind, ob eine Kuh erkrankt oder brünstig ist. Eine zu hohe Zahl von Keimen oder von Blut in der Milch führt dazu, dass erstens die Milch weggekippt wird und zweitens eine Warnmeldung im Computer gegeben wird. Überwachung Auf dem Bildschirm im Stall-Büro können Trieschmann jun. und sen. dann sehen, wie es den Tieren geht, ob etwa ein Tierarzt bestellt werden muss oder wie viel Milch von welcher Qualität geliefert wird. Die wertvolle Flüssigkeit wird in einen Kühltank gepumpt und dann von den Molkereifahrzeugen der Firma Hochwald abgenommen. Trieschmanns sind stolz, dass die Milch stets die Güteklasse S für beste Milch bekommt. Der Roboter selbst trägt mit zu der Qualität bei. Nicht nur, dass Probleme sofort erkannt werden. Auch werden die Melkbecher und die Leitungen mithilfe von Wasserdampf sofort gereinigt, so dass auch eine eventuelle Übertragung von Keimen vermieden werden kann. Andreas Trieschmann hat inzwischen festgestellt, dass täglich mehr Milch geliefert wird. Auf 2,3 Liter pro Gemelk ist die Menge gestiegen. Alarm über Mobiltelefon Die Landwirte und die Kühe mussten sich an den Roboter gewöhnen. Nach wie vor gibt es Bummelanten unter den Kühen, die im Stall herumtrödeln und nicht den Melkstand ansteuern. Da müssen dann die Trieschmanns die Tiere an die Roboter treiben. Die Landwirte sind von der Firma Happel in die Bedienung und die Betreuung der Anlage eingewiesen worden, bei Problemen werden sie über Mobiltelefon alarmiert. Normalerweise erstreckt sich die Arbeit im Stall über einen Zeitraum von 6 bis 19.30 Uhr, in dem die Trieschmanns immer wieder nach dem rechten schauen müssen. Doch wurde im Büro ein Schlafsofa aufgestellt, etwa für den Fall, dass eine Kuh vor dem Kalben steht. „Wir haben hier immer gebaut“, berichtet Günter Trieschmann. Er ist 1967 von Homberg ins Waldecker Land gezogen und hat mit seiner Frau Rosemarie den alten Bauernhof an der Thielestraße gekauft und nach und nach zwei neue Ställe gebaut. Zuschüsse Doch die modernen Anforderungen brachten Vater und Sohn Trieschmann schließlich dazu, mithilfe der Beratung aus der Agrarverwaltung und der Förderung durch öffentliche Zuschüsse das Millionen-Projekt Milchviehstall zu stemmen. Die Entscheidung bindet zwar die Familie finanziell, haben aber beide nicht bereut. Schließlich hat die neue Anlage nach einem halben Jahr ihre Bewährungsprobe bestanden. Eigenleistungen Im August vorigen Jahres wurde mit dem Bau begonnen, wegen der starken Steigung und des schwierigen Untergrund waren erhebliche Erdbewegungen erforderlich, mit denen die Trieschmanns gar nicht gerechnet haben. In dem neuen Stall haben die Landwirte viele Eigenleistungen erbracht, um die Kosten senken zu können. Handwerkliches Geschick ist auf dem Bauernhof eh gefragt. „Trockene“ Kühe oder Rinder können nach wie vor auf die Weide gehen, und in dem 1977 errichteten Stall können die Jungtiere separat aufgestellt werden. Neben den Weiden stehen 120 Hektar eigene und gepachtete Ackerfläche zur Verfügung, auf der Weizen, Gerste und Mais für den Eigenbedarf sowie Raps für die Ölmühle erzeugt werden. Zudem wurden Flächen für die Nutzung der Windenergie in der Massenhäuser Gemarkung verpachtet. Tag der offenen Tür Am Sonntag ab 10 Uhr können interessierte Bürger beim Tag der offenen Tür, den die am Bau beteiligten Firmen organisieren, Einblick nehmen in den neuen Stall und via Kamera und Bildschirm verfolgen,wie der Melkroboter arbeitet.Auch für Speisen und Getränke wird gesorgt.

Kommentare