Mengeringhäuser sammelt gut erhaltene, gebrauchte Weißgeräte für Bosnien

Hilfe für Freunde in Bosnien

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Hitko Beganovic und Klaus Tschierschky in Sarajewo.

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Seinen ganz privaten Beitrag zur Völkerverständigung und Aufbauhilfe leistet Klaus Tschierschky seit Jahren bei seinem bosnischen Freund Hitko Beganovic.

Deutsche Markengeräte sind begehrt in Bosnien. Selbst für gebrauchte Kühlschränke oder Küchenherde lassen sich noch Preise erzielen, mit denen eine vierköpfige Familie ihr Überleben sichern kann.

Deshalb sammelt der Mengeringhäuser Klaus Tschierschky seit einigen Jahren Altgeräte für seinen bosnischen Freund und transportiert sie ein oder zwei Mal pro Jahr auf einem kleinen Pkw-Anhänger nach Sarajewo.

Schlechte Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Lage ist auch 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg, der den ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien in viele Kleinstaaten zerrissen hat, sehr schlecht. Viele Häuser sind noch vom Krieg gezeichnet. Manche Gebiete sind immer noch vermint. Regelmäßig berichtet das staatliche Fernsehen über Kinder, denen von explodierenden Minen Arme oder Beine weggerissen wurden.

In diesem Land zu überleben, ist nicht einfach. Deshalb ist die private Wirtschaftshilfe von Klaus Tschierschky für die Familie von Hitko Beganovic so wichtig.

Familie Beganovic ist 1992 aus Sarajewo geflüchtet. Über die Türkei und Tschechischen kam sie nach Deutschland. Vom Auffanglager in Schwalbach/Taunus ging es nach Eimelrod, ein Jahr später nach Ober-Waroldern.

In Willersdorf bei Frankenberg lernten sich die Familien Tschierschky und Beganovic kennen. 1999 machten sich die Bosnier wieder auf in ihre Heimat, weil sie hofften, es würde mit Bosnien-Herzegowina wieder bergauf gehen. Doch seitdem ist nicht viel Positives im Land geschehen.

Im früheren Jugoslawien gehörte Bosnien-Herzegowina zu den wirtschaftlich schwächeren Regionen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Die schwierige ökonomische Lage wird durch die Finanzkrise noch verschärft. Im Land herrscht hohe Arbeitslosigkeit.

20 Stunden Fahrt

Beganovic wollte sich als Schreiner selbständig machen. Doch stattdessen verdingt er sich als vielseitiger Handwerker. Für seine Dienstleistungen wird er meist in Naturalien bezahlt.

Vergleichsweise einträglich ist der Verkauf der generalüberholten, gebrauchten Weißgeräte, die ihm sein Freund Klaus Tschierschky ab und zu nach 20-stündiger Autofahrt aus Deutschland mitbringt.

„Im vergangenen Jahr habe ich 28 Stunden gebraucht, wegen zwei geplatzter Reifen am Anhänger (bei Regensburg und Salzburg) und wegen 3,5 Stunden Ärger und Streiterei an der Grenze“, erzählt Tschierschky. An der Grenze herrsche ziemliche Willkür: „Man weiß nie, was einen erwartet. Vor drei Jahren habe ich für eine weit größere Ladung mit weißer Ware nur 50 Euro „Schmiergeld“ zahlen müssen, im letzten Jahr waren es 150 Euro, dazu Ärger, Schreierei mit den Beamten. Einer der Grenzbeamten taxierte den Wert der Ladung auf 1300 Euro und wollte 500 Euro Zoll kassieren. Weil ich mich weigerte, sollte ich das Land wieder verlassen. Alternativ habe ich ihm angeboten, die Ladung in den Grenzfluss Save zu schmeißen. Daraufhin wurde ich erst mal eine Stunde ignoriert. Sein Kollege gab mir den Rat, aus Bosnien wieder heraus zu fahren und eine problemlose Einreise an einem anderem Grenzübergang zu versuchen. Oder ich sollte bis zum Schichtwechsel warten. Nach endlos langen, nervigen Verhandlungen und Schreierei auf beiden Seiten gab der Grenzer schließlich nach und nahm die 150 Euro.“

Mitte Juli soll‘s wieder losgehen. Dann heißt es wieder: „Ja vozim ca Sarajevo!“ „Ich fahre nach Sarajevo!“.

Wer Klaus Tschierschky und sein privates Hilfsprojekt unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 0171/1961671 melden. E-Mail: kaeptn61@gmx.de (es)

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