Arolser Bürgermeister würdigt Dr. Zimmer im Museum Historicum

Historicum zur Chefsache gemacht

Bürgermeister Jürgen van der Horst dankt und verabschiedet Dr. Bernd Joachim Zimmer nach dem Aufbau des Museums Historicum. Fotos: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Sein Rücktritt und die vorausgegangenen Streitigkeiten im Vorstand des Vereins Historicum 20 hatten eine Reihe von Leserbriefen zur Folge. Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend fand Bürgermeister Jürgen van der Horst als Schlichter und Versammlungsleiter die richtigen Worte um die Aufbauleistung von Dr. Bernd Zimmer zu würdigen.

Das Museum „Historicum 20“, untergebracht im Stabsgebäude der ehemaligen SS-Kaserne im Zentrum der Stadt, sei als „Forum Zeitgeschichte“ ein einzigartiger Ort zur Aufarbeitung der schwierigen Stadtgeschichte, stellte der Rathauschef fest. Deshalb komme es nun darauf an, den Trägerverein sicher für die Zukunft aufzustellen.

Museumsidee geboren

Das sei umso wichtiger, als dem Museum nun die Aufgabe zukomme, einen weiteren wichtigen Teil der Stadt- und Zeitgeschichte aufzuarbeiten und darzustellen. Der Magistrat sei mit dem Kreisverband des Bundes der Vertriebenen überein gekommen, das Schicksal der Vertriebenen und Neubürger in Bad Arolsen umfassend aufzuarbeiten. In diesem Rahmen solle auch das Denkmal „Deutschland, unteilbar“ einen neuen, würdigen Platz finden.

Van der Horst: „Dieser Lösungsansatz bietet sich nur in Bad Arolsen und nur dank des Historicums.“

Bei allen unterschiedlichen Auffassungen im Vorstand gebe es keinen Dissenz über Zimmers Verdienste beim Aufbau des Museums: „Dr. Zimmer hat 2006 die Museumsidee geboren und in den folgenden Jahren umgesetzt.“

In zeit leerer öffentlicher Kassen sei schon das allein eine beeindruckende Leistung. Bei der Suche nach Geldgebern habe sein Renommee als Historiker und Kenner der Stadtgeschichte geholfen.

Trotz starker Widerstände sei es Dr. Zimmer vor rund 20 Jahren gelungen, die Geschichte der SS in Bad Arolsen aufzuarbeiten. Sein Buch „Deckname Artur“ solle demnächst in einer vierten Auflage erscheinen.

Ebenso wichtig sei der Ansatz gewesen, die Geschichte des Internationalen Suchdienstes aufzuarbeiten. Diese Bemühungen seien letztlich in die Aufnahme des ITS-Archives in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes gemündet.

Zusammenfassend stellte der Rathauschef zu Dr. Zimmer fest: „Er har dazu beigetragen, dass wir mit unserer Geschichte verantwortungsbewusst umgehen. Diese Arbeit verdient ein hohes Maß an Wertschätzung.“

Zurückblickend fasste Dr. Zimmer seine lokale Geschichtsforschung so zusammen: „Wir waren nicht die Beliebtesten, als wir anfingen, uns über die SS und das Außenlager des Konzentrationslagers zu erkundigen. Heute ist das ein Stück Geschichte, mit dem man sich auseinandersetzt.“

Der Streit im Vorstand des Vereins Historicum habe ihn traurig gemacht. Nun aber sei er froh, dass der Bürgermeister das Thema zur Chefsache gemacht habe. Das sei ein Zeichen dafür, dass es weitergehe. Das bekräftigte auch der Bürgermeister mit Verweis auf den verbleibenen und inzwischen ergänzten Vorstand. Nach den Reglungen der Vereinssatzung hat der Vorstand Dr. Ulrike Adamek berufen, die Museumsberaterin des Hessischen Museumsverbands.

In den Beirat wurden als weitere Mitglieder die CRS-Lehrer Hans-Joachim Orawetz und Michael Winkelmann berufen.

Kassiererin Katja Müller-Ashauer berichtete, dass der Kassenstand gerade noch reiche, die Gebäudemiete bis zum Jahresende zu zahlen. Nun müsse alles daran gesetzt werden, weitere Mitglieder und Sponsoren zu gewinnen. Der stellvertetende Vorsitzende Udo Jost berichtete, dass mit dem Vermieter, der Immobiliengesellschaft Bau und Boden, über einen Nachlass verhandelt werde. Parallel dazu bemühe man sich um weitere Förderer.

Vor allem aber konnte Jost ein umfassendes Konzept für die weitere Arbeit des Museums vorlegen: Seit sechs Wochen habe das Museum wieder regelmäßig sonntags geöffnet. Außerdem würden immer wieder Schülergruppen nach Voranmeldungen durch die Räume geführt.

Viele neue Projektideen

Mit der Christian-Rauch-Schule werde eine enge Kooperation gepflegt. In einer Projektreihe solle gemeinsame mit den Schülern die Frage geklärt werden, wie sinnvolle Gedenktage heute noch seien und wie man diese mit Jugendlichen begehen könne. Aktuell gehe es um den Volkstrauertag. Zusammen mit dem Bund der Vertriebenen soll im September nächsten Jahres der Tag der Heimat thematisiert werden.

Zusammen mit dem Bathildisheim will der Verein Historicum Jugendliche mit Lernbehinderung als Museumsführer ausbilden. Gemeinsam mit ihnen sollen leicht verständliche Erläuterungstexte zu den Ausstellungen erarbeitet werden. Jost: „Das ist der Beitrag des Museum zur großen Gesellschaftsaufgabe Inklusion.“

In Arbeit sei zudem eine Quellensammlung zum Thema „Kriegsende vor 70 Jahren in Bad Arolsen. Und im kommenden Jahr viele historische Ereignisse Jahrestage haben werden, will das Museum Beiträge zum Ersten Weltkrieg, zum Zweiten Weltkrieg, zur Wiedervereinigung Deutschlands, zum Abzug der belgischen Soldaten aus Bad Arolsen und zur Ausdehnung der Europäischen Union nach Osten Vorträge und Ausstellungen vorbereiten.

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