BAD AROLSEN

HNO-Ärzte diskutieren über Wissenschaft und Ethik

- Bad Arolsen (-es-). Medizinischer Fortschritt hat ihren Preis. Gute Medizin ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dennoch darf Profit nicht die Triebfeder ärztlichen Handelns sein, hieß es gestern bei der Eröffnung des Kongresses der HNO-Ärzte im Bürgerhaus.

Rund 200 Hals-Nasen-Ohren-Ärzte aus Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen treffen sich derzeit in Bad Arolsen, um sich über berufspolitische und medizinische Entwicklungen auszutauschen.

Veranstalter ist Privatdozent Dr. Gerhard Hesse in seiner Eigenschaft als Präsident der Vereinigung der Mitteldeutschen HNO-Ärzte. Neben zahlreichen Workshops mit medizinischen Fachvorträgen hat Dr. Hesse auch ein ansprechendes Rahmenprogramm für seine Berufskollegen vorbereitet. Dazu gehörte gestern Abend ein festliches Abendessen im Schloss mit Empfang durch Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont. Am heutigen Sonnabend wird um 19.30 Uhr ein Sinfoniekonzert mit dem CRS-Orchester geboten.

Über neueste Entwicklungen aus der Medizintechnik informieren diverse Fachanbieter mit Messeständen im Bürgerhaus. Heute Nachmittag geht der medizinische Fachkongress in ein Patientensymposion über, zu dem alle Tinnitus-Betroffenen willkommen sind.

Zur Eröffnung des Ärztekongresses unterstrich gestern Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer als Schirmherr der Veranstaltung, dass kaum ein anderer Beruf einen so hohen ethischen und humanitären Anspruch habe wie der Ärzteberuf. Deshalb sei die Regressmöglichkeit der Krankenkassen bei zu viel verordneten Medikamenten eine Bedrohung für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

„Medizin ist nicht rationierbar“, bekräftigte Banzer und verwies auf das Grundgesetz. Weil die Würde des Menschen unantastbar sei, dürfe es auch keine Diskussion darüber geben, wann ein Mensch einen Anspruch auf eine gute medizinische Behandlung habe und wann nicht.

Der Gesundheitsministererinnerte daran, dass der demographische Wandel ebenso wie die Fortschritte in der Medizin automatisch auch zu

überproportionalen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen führen werde: „Der Vorteil, länger leben zu können, birgt den Nachteil, dass mehr Geld für die medizinische Versorgung aufgebracht werden muss.“ Darüber müsse in der Gesellschaft diskutiert werden. Die Politik sei gefordert, dafür zu sorgen, dass es bei der Ver-

teilung des hierfür nötigen Geldes gerecht zugehe.

Ausdrücklich lobt Banzer die Bereitschaft der Ärzte zur Weiterbildung und zum wissenschaftlichen Austausch wie auf dem Bad Arolser Kongress. Zentrales Thema beim Kongress sind Innenohrstörungen und Allergologie. Aber auch der wiederkehrende, rezidierende Krebstumor wurde thematisiert – da besonders die Frage, wann es ethisch nicht mehr vertretbar ist, weiter zu behandeln.

Die Grüße der Stadt überbrachte Bürgermeister Jürgen van der Horst, der die Mediziner dazu einlud, die Stadt,ihre musealen Besonderheiten und landschaftlichen Schönheiten bei einem weiteren Besuch auszukosten.

Außerdem begrüßte der Chef der Gesundheit Nordhessen (GNH), Dr. Gerhard Sontheimer, seine Berufskollegen und stellte die Konstruktion des großen kommunalen Krankenhausträgers rund um das Kasseler Klinikum vor. Besonders sei auch die außergewöhnliche Konstruktion, mit der es gelungen sei, die private Tinnitus-Klinik Dr. Hesse an das Krankenhaus Bad Arolsen anzubinden.

Das öffentliche Tinnitus-Symposion für Patienten und Experten beginnt heute gegen 16 Uhr im Bürgerhaus. Angeboten werden drei medizinische Fachvorträge über Tinnitus und Gleichgewichtsstörungen. Die Teilnahme ist kostenlos.

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