Brehm-Bibliothek im Schloss Bad Arolsen

Immer wieder neue Schätze zu heben

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In der Brehm-Bibliothek im Schloss Bad Arolsen: Geschäftsführerin Kerstin Braun.

 Ganz unscheinbar ist sie, die Tür, die Besucher innerhalb weniger Sekunden in ein anderes Jahrhundert befördert. Stiftung Brehm-Bibliothek, gibt ein kleines Schild Auskunft.

Öffnet sich der Türflügel, führen eine Handvoll Stufen direkt in einen Korridor im Westflügel des Residenzschlosses hinein. Nicht Deckengemälde oder barocker Stuck bestimmen dort das Ambiente. Wertvolle Sammlung Es sind vielmehr Dutzende wertvoller Landkarten, Bücherschränke und historische Möbelstücke, die alle Blicke auf sich ziehen. Schnell wird klar: hier hat jemand gesammelt, den Wissensdurst und Forscherdrang antreiben. Eine Raumausstattung, in der sich der einstige preußische Gesandte Wilhelm von Humboldt vermutlich pudelwohl gefühlt hätte, als er vor über zweihundert Jahren der barocken Residenz einen Besuch abstattete.

Auch eine zunehmende Anzahl von Besuchern hat, angeregt von der Kinderbuch-Ausstellung im Spielzeugmuseum, in den vergangenen Monaten die von Adolf Brehm zusammengetragene Bücherwelt betreten.

Wie umfassend diese ist und was es heißt, rund 44 000 Bände einzuordnen, kristallisiert sich beim Gang durch zwei Etagen heraus. Die Karten im Eingangsbereich repräsentieren das eigentliche Ziel der Bibliothek: die Geschichte des deutschen Sprach- und Kulturraums zu dokumentieren, sagt Kerstin Braun und schließt mit einer Armbewegung die gesamte Wandfläche des Korridors mit ein.

Als Geschäftsführerin der Bibliothek Brehm Stiftung kümmert sie sich nicht nur um die organisatorischen Belange der Büchersammlung, sie führt auch die Besucher durch die Räume. Das verlangt Orientierung, zumal nahezu alle Fenster zum Schutz der Sammlung verdunkelt sind, allerorten Luftentfeuchter surren und manche Tür zu besonders klimatisierten Räumen geschlossen bleiben muss.

Auch eine Aufstellungssystematik ist nicht zu entdecken. Das System, nach dem Adolf Brehm seine Bücher untergebracht hat, erschließt sich beim Blick in die Regale: von der mittelalterlichen Handschrift bis zum Fachbuch des 21. Jahrhunderts sind die Bände allesamt nach Fachgebieten geordnet.

Im Erdgeschoss die Sachbücher, oben die Belletristik, fasst Kerstin Braun zusammen. Das erleichtere es, Literatur zu einem bestimmten Gebiet zu suchen. Neben deutscher und österreichischer Landes-, Kultur- und Literaturgeschichte nehme auch die Schweiz einen großen Raum ein, da Adolf Brehm Besuchern die Geschichte seines Landes nahebringen wolle. Alle drei Nationen sind mit wichtigen Dingen abgedeckt, sagt Kerstin Braun.

 Vieles schlummere noch in den Schubladen, das wissenschaftlich aufgearbeitet werden wolle, sagt Kerstin Braun. So sei der inzwischen 88-jährige Stifter aktuell dabei, die Sammlung mittelalterlicher Urkunden zu sichten, um sie für Besucher ausstellen zu können. Es bleibt also spannend in der Schau- und Sammlerbibliothek, die, so Kerstin Braun, jeden Tag eine neue Entdeckung bringt. (sim)

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