Jagdsteuer und Gebühr für Trichinenbeschau werden als ungerecht empfunden

Jäger schießen scharf gegen Kreispolitik

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Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft: Der Waldeckischen Jägerschaft gehören seit 25 Jahren an Dr. Flake, Dirk Preising, Ingo Werners, Josef Verschür, Martin Schulze-Ueberhorst, Herbert Schüttler, Ralf Scholz, Helmut Schäfer, Thomas Klebig und Pierre Boogaerts. Folgende Personen sind vor 40 Jahren dem Verein beigetreten: Karl Heinz Behle, Friedrich Saure, Wilhelm Behle, Rolf Biesenbach, Gerd Böhle, Günter Braunsen, Dr. Wilhelm Brühl, Dr. Ulrich Dingel, Walter Friese, Rudolf Goretzko, Dr. Wilhe

Twistetal-Mühlhausen - Die Waldeckische Jägerschaft hat seit Freitag wieder adeligen Beistand in der Führung. Prinz Georg-Friedrich zu Waldeck und Pyrmont wurde zum neuen Ehrenvorsitzenden gewählt.

Prinz Georg Friedrich hatte von 1991 bis 2005 bereits die Geschicke des Vereins geleitet.

Vorsitzender Heinz Langerzik nutzte die Versammlung der 550 Mitglieder zählenden Vereinigung im Gasthof Kiepe, um mit der derzeitigen Kreispolitik abzurechnen. Der Landrat habe vor seiner Wahl angekündigt, mit den Jägern über die Jagdsteuer zu reden, und nach seiner Wahl die Steuer von zehn auf 15 Prozent erhöht.

Die Klage hiergegen sei seit einem Jahr unbeantwortet beim Kasseler Verwaltungsgericht anhängig. Seit mehr als vier Jahren warte Langerzik vergeblich auf den versprochenen Gesprächstermin im Kreisausschuss. Zur Krönung habe der Landkreis die Gebühren für die Trichinenbeschau bei Haus- und Wildschweinen um 270 Prozent erhöht und die Kostenbefreiung für Tiere unter 20 Kilogramm komplett gestrichen.

Der Einladung zur Versammlung war der Landrat nicht gefolgt. Zugesagt hatte dessen Gegenkandidat bei der Landratswahl am 5. Juli. Der Bürgermeister von Bromskirchen und CDU-Kreistagsabgeordnete, Karl-Friedrich Frese, konnte den gut 80 Versammelten zwar auch keine Abschaffung der Jagdsteuer versprechen, will die Steuer aber „reformieren und auf ein vernünftiges Maß zurückfahren“.

Warten auf den ersten Wolf

Die Gebührenerhöhung bei der Fleischbeschau sei ungerecht, so Frese. Jäger und ausgerechnet kleine Landwirtschaftsbetriebe mit wenigen Tieren im Stall trügen letztlich die Last. Dies müsse geändert werden.

Schießobmann Dr. Thomas Schierenberg freute sich, dass die Schießanlage in Leitmar weiterhin von der Jägerschaft genutzt werden kann. Er bat, von der Übungsgelegenheit reichlich Gebrauch zu machen. Auch für die Infoveranstaltung über bleifreie Munition und für den Wiederlader-Lehrgang bittet Dr. Schierenberg um baldige Anmeldung.

Hunde-Obmann Andreas Zulauf konnte von drei neuen Nachsuche-Gespannen berichten, die auf Gut Malberg erfolgreich die Prüfungen abgelegt hatten. 16 Jungjäger-Anwärter, darunter drei Frauen, werden in diesen Tagen auf Herz und Nieren geprüft. Lehrgangsleiter und zweiter Vorsitzender Tobias Brun ist nach einer Probeprüfung bei allen Prüflingen zuversichtlich.

Zwei neue Dozenten für die Jägerausbildung konnten mit Heiner Hausmann und Berufsjäger Michael Osberger gewonnen werden. Osberger ging in einem Kurzbeitrag auf das brisante Thema „Wolf in Hessen“ ein. Während seiner Berufstätigkeit in Bayern war er in Arbeitsgruppen zu den Großbeutegreifern Wolf, Luchs und Bär tätig und hat in Hessen die Funktion eines Wolfsbeauftragten übernommen.

Da Hessen als „Wolf-Erwartungsland“ gilt, bittet er, ihm Beobachtungen von Rissen und Wildkamerafotos zu melden. Sachlichkeit empfiehlt er beim Umgang mit dem Thema „Isegrim“, denn aktuell werde von unterschiedlichen Interessengruppen oft sehr emotional diskutiert.

Jagdstrecken-Bilanz zog der Leiter der Unteren Jagdbehörde, Helmut Möller. Im Jagdjahr 2014/15 wurden 524 Stücke Rotwild erlegt und 8600 Rehe. Mit 4200 Schwarzkitteln ist die Schwarzwildstrecke leicht zurückgegangen und es wurden 340 Hasen geschossen. 3000 Füchse und 4000 Waschbären lagen auf der Strecke der waldeckischen Jäger. Ratlosigkeit bereitet eine Klauenkrankheit beim Muffelwild. Es wurden 134 Stücke erlegt. Bei 1000 gemeldeten Wildunfällen ist mit einem Gesamtschaden von einer bis 1,5 Millionen Euro zu rechnen. (ugy)

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