20 Jahre Einheit: Aufbau lief besser als erwartet

- Diemelstadt-Wrexen (-ah-). Fast 20 Jahre Justizgeschichte im neuen Bundesland Thüringen hat der Wrexer Diplom-Rechtspfleger Heinz-Jürgen Ise miterlebt und -gestaltet.

Mit einem großen Chaos begann der erste Diensttag des vom Amtsgericht Bad Arolsen nach Thüringen abgeordneten Amtmanns am 17. Dezember 1990 im Amtsgericht Mühlhausen. In den Fluren drängten sich über hundert Menschen, die zum dortigen Grundbuchamt wollten. Ise hatte die Pförtnerin ignoriert, fand in der Menge kein Durchkommen und musste umkehren. Erst durch einen altgedienten Mitarbeiter des Gerichts konnte Ise zu seinem Dienstzimmer gelangen. Mit Zuversicht Der Rechtspfleger ging mit Entschlossenheit und Zuversicht ans Werk. Im Frühjahr war er in einen Arbeitsstab „Rechtsentwicklung in der DDR“ mit 48 Rechtspflegern, Richtern und Staatsanwälten berufen worden. Ise war in seiner Arbeitsgruppe mit dem Themenkreis Vormundschaft und Jugendstrafrecht befasst. Die Neuordnung sollte mit den Mitarbeitern vor Ort erfolgen. Unterdessen wurden Richter und Staatsanwälte in der ehemaligen DDR darauf überprüft, ob sie etwa in Machenschaften des Staatssicherheitsdienstes verwickelt waren. Heinz-Jürgen Ise wurde neben weiteren Bediensteten und Juristen aus Hessen und Rheinland-Pfalz um seine Mitarbeit gebeten: „Es ging um drei bis sechs Monate“, erinnert sich der Wrexer schmunzelnd. Im Familienkreis wurde das Thema erörtert. Dann bat er die Parteifreunde der CDU in Mühlhausen, sich um ein Quartier zu bemühen: „Die Wohnungsprobleme zu der Zeit waren nicht zu unterschätzen.“ Schließlich bekam er ein Zimmer in einer Pension, die nur 150 Meter entfernt von seinem künftigen Arbeitsplatz steht.Jeden Tag kamen viele Besucher ins Gericht, um Einblick in die Grundbuchakten zu bekommen. Nach der Wende in der DDR galt es, eine Vielzahl von Eigentumsfragen zu klären. Und es konnten überhaupt erst Immobiliengeschäfte getätigt werden.

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